Zimmerer Ausbildung weltweit : Teil 3 - Asien und Afrika
Holzbau auf höchstem Niveau – Wie lernen die Japaner?
Wenn wir an japanische Zimmerer denken, kommen fantastische Holzverbindungen, Tempel sowie hochwertigste Handwerkzeuge in den Kopf. Der japanische Holzbau gehört wohl zu den besten der Welt! Das älteste Holzgebäude der Welt steht in Japan: der fünfstöckige Hōryū-ji, Tempel, der im Jahr 600 n. Chr. gebaut wurde und heute noch steht! Allerdings gibt es keine Zimmererausbildung nach dem uns bekannten System.
In der Regel gilt "learning by doing". Man wird einem Zimmerermeister „Daiku“n zugeteilt und muss erst einmal zuschauen, aufräumen und einfache Dinge erledigen, bis man irgendwann selbstständig arbeiten darf. So dauert die Ausbildung zwischen 3 und 10 Jahren, also so lange, bis der Meister sagt, die Ausbildung ist abgeschlossen. Danach gilt man als Zimmerer zweiter Architektonischer klasse, nach weiteren Zehn Jahren steigt man zum Zimmerer erster Architektonischer klasse auf.
Was das bedeutet, könnt ihr in Jannis seinen Blog lesen. Er war für einige Zeit in Japan und hat dort in einer Zimmerei arbeiten dürfen. Auch andere Ländern wird er noch bereisen und dort als Zimmerer Arbeitserfahrung sammeln, allerdings nicht auf Walz, sondern komplett in Eigenregie, mehr über Jannis könnt ihr hier lesen.
Das besondere an Japan ist, dass Fehler machen erwünscht ist, macht man einen Fehler wird gemeinsam darüber gelacht. Oft werden Sachen als Prototyp gebaut, um sie zu testen und bei Bedarf dann noch Anpassungen oder Verbesserungen vorzunehmen.
Inzwischen gibt es aber auch schon Zimmereien, die nach einem ähnlichen System ausbilden wie wir in Deutschland, also mit Unterricht und Prüfungen, das ist aber eher die Ausnahme! Für die Japaner sind Zertifikate und Kurse nicht wichtig, für sie zählt vor allem die Arbeitserfahrung.
Berufliche Neuorientierung in Singapur: Die Ausbildung zum Zimmerer
Singapur ist bekannt für seine beeindruckende Architektur und fortschrittliche Infrastruktur, und die Nachfrage nach qualifizierten Handwerkern ist hoch. Zimmerer spielen eine entscheidende Rolle in dieser Entwicklung.
In Singapur gibt es umfassende Ausbildungsprogramme, die auf unterschiedliche Erfahrungsstufen zugeschnitten sind. Ein Programm ist das Creative Craftsmen Apprenticeship Programm, das von mehreren Branchenorganisationen unterstützt wird und für die Teilnehmer kostenlos ist. Die Grundausbildung zum Lehrling oder Assistenten Zimmerer dauert etwa sechs Monate und umfasst die Vermittlung von Grundkenntnissen. Die Auszubildenden arbeiten unter Anleitung erfahrener Meistern.
Die fortgeschrittene Ausbildung zum Gesellen erstreckt sich über ein bis zwei Jahre. In dieser Phase vertiefen die Auszubildenden ihre handwerklichen Fähigkeiten, arbeiten selbstständig an komplexeren Projekten, erwerben fundiertes Wissen über Materialien und erlernen fortgeschrittene Techniken.
Die Meisterausbildung zum Meister Zimmerer dauert drei bis fünf Jahre. In dieser Phase stehen Projektmanagement, Materialplanung, Führung und Anleitung von Teams sowie anspruchsvolle Techniken und kreative Gestaltung im Vordergrund. Meister übernehmen die Leitung von Projekten, schulen neue Auszubildende und tragen zur Weiterentwicklung des Unternehmens bei.
Afrika: Berufsausbildung unüblich
Mit dem Blick nach Afrika sehen wir, dass auch hier eine Berufsausbildung unüblich ist. In der Regel arbeitet man dort, wo man Arbeit findet oder was eben benötigt wird. Eine richtige Berufsausbildung gibt es nur vereinzelt durch verschiedene Organisationen. Ein weiteres Problem ist, dass die Materialkosten ein Vielfaches der Personalkosten sind, so dass Baustellen sehr lange brauchen können.
Südafrika: Ausbildung nur nicht für jeden
In Südafrika gibt es teilweise Ausbildungen, allerdings nicht für alle. In Privatschulen und bei Organisation findet man Ausbildungen mit Qualifizierung. Allerdings kosten die was und setzen einen Schulabschluss sowie Englisch und Mathematik voraus. Dadurch ist es nicht für alle möglich eine Ausbildung zu machen.
Die Ausbildung zum Zimmerer in Südafrika zielt darauf ab, die Lernenden zu qualifizierten Handwerkern auszubilden, die in der Lage sind, verschiedene Holzkonstruktionen zu bauen, zu renovieren und zu reparieren. Das Ausbildungsprogramm ist in drei Jahre aufgeteilt, wobei die Lernenden jedes Jahr drei Sessions à 8 Wochen absolvieren.
Im ersten Jahr konzentrieren sich die Lernenden auf grundlegende handwerkliche Fähigkeiten und Werkzeuge sowie die Einführung in die Zimmermannsbranche.
Im zweiten Jahr liegt der Fokus auf der Montage von Einzeltüren in Stahlrahmen, der Arbeit mit Nagelplatten-Dachstühlen, Holzdecken mit Nut und Feder, sowie der Formgebung für Säulen und L-förmige Wände und Dachstühle.
Im dritten Jahr erweitern die Lernenden ihre Fähigkeiten durch fortgeschrittene Formarbeiten wie Aufzugsschächte, Wände und Treppen. Sie lernen, halbkreisförmige und kreisförmige Bögen zu erstellen, installieren Holzfenster und Fensterbänke und montieren Doppeltüren in Holzrahmen.
Hier geht's zu Teil 1 und 2 der Zimmerer-Ausbildung weltweit:
Zimmererausbildung – Doch wie sieht es im Rest der Welt aus? Teil 1 – Europa
Zimmerer Ausbildung weltweit: Teil 2 – Amerika und Ozeanien
Titelbild: Zimmerei Oono Kensetsu in Japan; Jannis Grieb
Bild 1: Baustelle der Zimmerer Oono Kensetsu in Japan; Jannis Grieb
Bild 2: Tempel Daigo-ji in Japan; Philip Bucher
Bild 3: Tempel Senso-ji in Japan; Philip Bucher
Bild 4: Baustelle der Zimmerer Oono Kensetsu in Japan; Oono Kenetsu
Bild 5: Baustelle der Zimmerer Oono Kensetsu in Japan; Oono Kenetsu
Bild 6: Zimmerer in Singapur; IStock
Bild 7: Zimmerer in Singapur; IStock
Bild 8: Zimmerer in Afrika; Canva
Bild 9: Zimmerer in Afrika; Canva
Text: Philip Bucher



















