Zimmerer-Treffpunkt
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30.05.2024

Zimmererausbildung – Doch wie sieht es im Rest der Welt aus? Teil 1 – Europa

In einer dreiteiligen Serie beleuchten wir die Zimmererausbildung weltweit. Im ersten Beitrag werfen wir einen Blick auf Europa. Der zweite Teil führt uns nach Amerika und Ozeanien, während der abschließende Beitrag die Ausbildungsmethoden in Asien und Afrika untersucht. Erfahrt, wie sich die Ausbildung zum Zimmerer von Kontinent zu Kontinent unterscheidet. Wir Zimmerleute im DACH-Raum sind stolz auf unseren hohen Ausbildungsstandard. Während die Ausbildung im deutschsprachigen Raum ähnlich ist, gibt es dennoch große Unterschiede weltweit.
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Frankreich: Compagnons du Devoir – Wanderschaft nach der Ausbildung

In Frankreich gibt es ebenfalls eine sehr hochwertige Ausbildung. Die Aufgaben der französischen Zimmerer „charpentier(ière) bois“ sind ähnlich denen im DACH-Raum. Allerdings ist hier noch mehr Handarbeit und weniger industriell vorgefertigte Bauteile zu finden. Die Auszubildenden wählen zwischen einer zwei- oder dreijährigen Ausbildung. Anschließend gehen sie auf die „Tour de France“, eine Art Walz, bei der sie verschiedene Betriebe kennenlernen. Diese dauert mehrere Jahre. Sie ist weniger traditionell und organisierter, dafür gibt es beispielsweise in ganz Frankreich viele Unterkünfte. Diese Tour ist nicht nur Zimmerern vorbehalten, sondern gilt für die meisten Handwerksberufe. Währenddessen kann man sich fortbilden, etwa zum Meister („Brevet“) oder einen Fachhochschulabschluss („Brevet de Technicien Supérieur“) machen.

Gerade beim Wiederaufbau der Notre-Dame in Paris war die französische Handwerkskunst und die hohe Qualität der Ausbildung der Franzosen zu sehen.

 

Schweden: Der Träarbetare

Schweden ist bekannt für seine schönen, bunt gestrichenen Holzhäuser. Doch wie werden die schwedischen Zimmerer ausgebildet? Die schwedische Ausbildung zum Träarbetare – was Holzarbeiter bedeutet – ist nicht gleich wie die unsere. In der weiterführenden Schule kann eine Ausbildung für Holzarbeiter im Bau- und Tiefbauprogramm mit Spezialisierung auf den Hausbau absolviert werden. Im Anschluss wird ein Lehrbetrieb gesucht, wo nach zwei Jahren eine theoretische Prüfung absolviert wird. Für alle, die nicht in der weiterführenden Schule den Holzarbeiterkurs gemacht haben, kann die Ausbildung direkt im Ausbildungsbetrieb gestartet werden, also nach dem Motto „learning by doing“.

Allgemein ist das Wissen und die handwerklichen Fähigkeiten nicht mit den unseren zu gleichzusetzen. Es werden Lochplatten anstelle von Holzverbindungen gewählt, die genaue Einhaltung von Plänen kann schon einmal abweichen, und die Theorie hinter den Konstruktionen ist auch nicht so verbreitet.

 

Deutschland: Das duale Ausbildungssystem

Die deutsche Ausbildung zum Zimmerer dauert in der Regel drei Jahre und findet dual statt. Man schließt einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb ab und erlernt dort die praktischen Fähigkeiten auf der Baustelle und in der Werkstatt. Gleichzeitig besucht man die Berufsschule, die blockweise stattfindet. Hier wird die nötige Theorie vermittelt. Zusätzlich gibt es die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA). In der ÜBA lernt man alles, was in der Schule und im Betrieb zu kurz kommt. Neben dem Handabbund lernt man auch die Sanierung von Häusern im Bestand, hat einen Maschinenkurs und mehr. Für jeden Kurs gibt es eine oder mehrere Prüfungen, um das Gelernte gleich anzuwenden.

Das Bildungszentrum Holzbau in Biberach sichert die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachkräften des Zimmererhandwerks und des Holzbaus. 

Das Bildungszentrum bietet ein perfektes Umfeld für zeitgemäßes und professionelles Lernen für Nachwuchskräfte und Berufserfahrene aus dem In- und Ausland.
Ergänzt wird das Angebot durch das Seminarhotel mit 26 Zimmern und 5 Seminarräumen.

 

Wie geht es weiter?

In dem nächsten Beitrag geht es nach Amerika und Ozeanien, wo wir die Besonderheiten der Zimmererausbildung dort anschauen. Im abschließenden Teil werfen wir einen Blick auf Asien und Afrika und entdecken, wie sich die Ausbildung dort entwickelt und welche traditionellen Techniken und modernen Ansätze eingesetzt werden. Seid gespannt und erfahrt mehr über die Zimmererausbildung rund um den Globus.

 

Titelbild: Unterricht in der Werkstatt | Bild: Ausbildungszentrum Biberach

Bild 1: Unterricht in der Werkstatt | Bild: Ausbildungszentrum Biberach

Bild 2: Unterricht in der Werkstatt | Bild: Ausbildungszentrum Biberach

Bild 3: Werkstatt im Ausbildungszentrum Biberach | Bild: Daniel Vieser Architekturfotographie

Bild 4+6: Die Baustelle als Attraktion: Seit dem Brand wurde der Bauplatz von Millionen Touristen besucht. Um die Kathedrale herum wird das Baugeschehen durch eine Vielzahl von Bauteilen, Grafiken und Fotos beschrieben. | Bild: Jonas Tophoven

Bild 5: Zur Stütze des Gerüsts unter dem Vierungsturm wird ein Sockel aus BSP und BSH verlegt. | Bild: David Bordes/Rebâtir Notre-Dame de Paris

Bild 7: Der 12 m hohe Schaft des Vierungsturms wurde im Juni 2023 in Briey (Lothringen) zusammengefügt. | Bild: David Bordes/Rebâtir Notre-Dame de Paris 

 

Text: Philip Bucher

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2 Kommentare
Zimmerer - Treffpunkt
08.08.2024
Vielen Dank @Rene. Die anderen beiden Teile der Reihe sind mittlerweile auch im Blog. 
Rene Zientek
23.07.2024
Coole Idee mit dieser Reihe die unterschiedlichen Ausbildungssysteme zu beleuchten. 
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