Koumuten - die japanische Zimmerei
Wer bin ich überhaupt?
Mein Name ist Jannis Grieb, ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem schönen Süden von Deutschland. Seit Juli 2023 bin ich Zimmerergeselle. Mit dieser Reise erfülle ich mir meinen Traum, als Zimmerer die Welt zu entdecken und dabei neue Techniken kennenzulernen. Gleichzeitig möchte ich fremde Kulturen erleben und mit Handwerkern aus aller Welt in Kontakt kommen
Die japanische Zimmerei
In diesem Blog berichte ich von den Unterschieden zwischen einem deutschen und einem japanischen Holzbauunternehmen. Es sei gleich dazugesagt, dass es natürlich auch in Japan Unterschiede zwischen den Betrieben gibt. Ich kann/werde nur von meinen Eindrücken bei Oono Kensetsu berichten.
Das Betriebsgelände
Was mir gleich am Anfang auffiel, war das Betriebsgelände. Warum? Weil ich aus Deutschland ein großes Gelände mit Halle, viel Lagerplatz und einem eher kleinen Büro kenne. Das große Betriebsgelände sucht man hier vergeblich. Es gibt einen großen Parkplatz und eine verhältnismäßig kleine Halle in der Schrauben, Nägel und Restposten gelagert werden und in der die ein oder andere Stationärmaschine steht. Was mich überraschte, war das sehr große Bürogebäude, das im Verhältnis zur Halle völlig überdimensioniert aussieht. Warum das Bürogebäude so groß und die Halle verhältnismäßig klein ist erfahrt ihr in den nächsten Abschnitten.
Titelbild: Bürogebäude von Oono Kensetsu
Bild 1: Betriebsgelände und Parkplatz bei Oono Kensetsu
Die Fahrzeuge
Aus Deutschland bin ich nur große Sprinter gewohnt, weshalb ich an meinem ersten Arbeitstag erstmal sehr verwundert war, als ich die Geschäftsautos sah. Ich konnte im ersten Moment gar nicht glauben, dass das die Firmenwagen sein sollen. Allgemein ist es in Japan üblich eher Kleinwagen zu fahren, da in den Ballungsräumen schlichtweg kein Platz für große Autos ist. Auch die Firmenwagen fallen dementsprechend klein aus. Wer jetzt denkt, dass das für den alltäglichen Gebrauch völlig unpraktisch ist muss bedenken, dass die Fahrzeuge, anders als in Deutschland, nur Werkzeug transportieren müssen. Das liegt daran, dass hier das Material direkt auf die Baustelle geliefert wird und somit die Fahrzeuge auch nicht zum Materialtransport eingesetzt werden.
Bild 2: Subaru Sambar als Firmenfahrzeug hier in Japan
Die Baustellenorganisation
Sie spielt in Japan eine sehr große Rolle. Verantwortlich für die verschiedenen Bereiche ist jeweils ein Direktor. Er leitet und koordiniert die Baustelle zusammen mit seinen Mitarbeitern, die aus erst- und zweitklassigen Bauingenieuren/Architekten besteht.
Was heißt erst-und zweitklassig eigentlich?
Hier in Japan spielt Berufserfahrung eine sehr große Rolle und wird einem deutlich höher angerechnet als beispielsweise Zertifikate und Fähigkeitsnachweise. Sobald man seine Ausbildung abgeschlossen hat, wird man als Zimmerer zweitklassiger architektonischer Zimmerer. Nach ca. 10 Jahren Berufserfahrung steigst du dann zum erstklassigen architektonischen Zimmerer auf. Damit bekommst du mehr Verantwortung und darfst eigene Baustellen leiten. Gleiches gilt auch für Bauingenieure mit dem Unterschied, dass ein Studium benötigt wird. Ich weiß das System ist für uns Deutsche etwas verwirrend und auch ich habe meine Zeit gebraucht um es zu verstehen.
Warum ist denn nun die Planung so wichtig?
Es ist hier üblich, das Baumaterial direkt, also just in time, auf die Baustelle liefern zu lassen und nicht wie bei uns üblich, das Material in ausreichender Menge aus dem Lager mitzunehmen. Das hat zum einen den Vorteil, dass man sich enorm Lagerplatz spart und zum anderen ist es für die Mitarbeiter auf der Baustelle deutlich entspannter, da morgens kein Material geladen werden muss. Das spart Zeit und Geld. Allerdings ist dafür eine sehr präzise Zeit- und Mengenkalkulation notwendig, um einerseits ohne Leerlauf auf der Baustelle arbeiten zu können und andererseits auch nicht im Materialchaos zu versinken, wenn etwas zu früh angeliefert wird.
Die Ausbildung
Zur Ausbildung hier in Japan wird im dritten Teil der Serien "Zimmererausbildung weltweit" ein kleiner Artikel erscheinen.
Das Werkzeug
Im Prinzip unterscheidet sich das japanische Werkzeug nicht großartig vom deutschen. Sehr verbreitet, wie könnte es in Japan auch anders sein, ist Makita, aber auch Hitachi und Hikoki werden hier gerne genutzt. Zu einer guten Fahrzeugausrüstung gehören neben Handkreissäge, Kappsäge und Druckluftnagler natürlich auch ein Satz Japansägen und Stechbeitel. Etwas ungewohnt war für mich der kleine Makita Schlagschrauber, in Japan Impacto genannt, der hier der Endgegner für jede Schraube ist. Was mich positiv überrascht hat, war der Trockenbauschrauber, der mit Druckluft betrieben wird und die Schrauben in unter einer Sekunde in die Platte befördert. Alles in allem bin ich mit dem Werkzeug hier echt zufrieden, da es eine solide Grundlage für gute Arbeit bietet.
Bild 4&5: Arbeiten mit Makita Werkzeug
Bild 6: Druckluft Trockenbauschrauber in action
Nun sind wir am Ende dieses Blogs angekommen. Wie immer gilt, wer Fragen oder Anregungen hat darf sich gerne jederzeit bei mir melden.
Vorschau:
Das nächste Mal geht es um die hohe Kunst der japanischen Holzverbindungen: Was macht die Verbindungen eigentlich so besonders? Was sind die Schwierigkeiten bei der Herstellung und wo werden sie noch heute eingesetzt? Um diese und weitere Fragen wird es im nächsten Blog gehen.
Wer nicht auf den nächsten Blog warten möchte, kann mir gerne auf Instagram folgen. Dort gibt es nochmal mehr Bilder und Eindrücke zu sehen.
Zünftige Grüße aus Japan
Jannis













