Mein erster Monat in einer japanischen Zimmerei
Wer bin ich überhaupt?
Mein Name ist Jannis Grieb, ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem schönen Süden von Deutschland. Seit Juli 2023 bin ich Zimmerergeselle. Mit dieser Reise erfülle ich mir meinen Traum, als Zimmerer die Welt zu entdecken und dabei neue Techniken kennenzulernen. Gleichzeitig möchte ich fremde Kulturen erleben und mit Handwerkern aus aller Welt in Kontakt kommen.
Der Beginn meiner Reise
Los ging es für mich am 15.04 mit dem Flugzeug von München nach Tokio. Nach 12 Stunden Flug bin ich sicher in Japan am Flughafen Tokio Haneda gelandet. Das Thema Einreise und Visum hatte mich den ganzen Flug über beschäftigt: Klappt alles oder habe ich etwas übersehen? Gibt es Probleme mit meinem Visum und was mache ich wenn...? An der Einreisekontrolle angekommen, lösten sich meine Sorgen jedoch recht schnell in Wohlgefallen auf. Ohne Probleme konnte ich als Work&Holiday Besucher einklarieren und durfte von dort an die japanische Kultur entdecken. Aber erstmal musste ich ins Hotel und mich vom Jetlag erholen...
Mein erster Tag bei der Zimmerei Oono Kensetsu
Nachdem ich in der ersten Woche Tokio erkundet hatte, ging es am Montag 22.04 dann von Tokio 2 Stunden mit dem Zug in die Präfektur Saitama, genauer gesagt nach Gyoda, zu meinem zukünftigen Arbeitgeber Oono Kensetsu. Eigentlich. An dem vermeintlichen Firmensitz war außer Einfamilienhäusern und Gemüsegärten nichts! Was nun? Nach längerer Suche fand ich dann im Internet die richtige Adresse. Nach einem Marsch (mit dem gesamten Gepäck) durch die halbe Stadt wurde ich dafür aber bei Oono umso herzlicher empfangen und allen vorgestellt, bevor es für mich in mein Apartment ging.
Abends durfte ich mich dann noch kurz bei einem Meeting allen Mitarbeitern vorstellen. Nach der kleinen Panne am Morgen ging damit ein Tag voller positiver erster Eindrücke zu Ende.
Mein Alltag hier in Japan
Gearbeitet wird hier von 8 Uhr bis 18 Uhr, wobei um 10 Uhr und um 15 Uhr jeweils eine halbe Stunde "Tea Time" gemacht wird. In diesen Pausen werden bei Grüntee die nächsten Arbeitsschritte besprochen, Probleme geklärt und ganz wichtig: viel gelacht!
Von 12 Uhr bis 13Uhr ist Lunch. Bei Suppe oder anderen japanischen Gerichten wird sich ausgeruht und der gleichzeitig der japanische Mittagshitze entkommen.
Um ca. 18Uhr ist dann Feierabend. Doch bevor alle heimgehen, trifft man sich nochmals kurz an der Firma, um den Tag zu besprechen und Probleme zu klären. Und was darf wie immer nicht fehlen? Genau: Das Lachen!
Was machen wir den ganzen Tag?
Der Beruf des Zimmerers deckt in Japan viele Bereiche ab. Vom Rohbau aufrichten, über Innenausbau und Bodenlegen bis hin zum Fenster einbauen sind hier alle Arbeiten dabei. Es wird wie in Deutschland auch moderner Holzbau betrieben, nur mit dem Unterschied, dass mit anderen Techniken und Materialien gearbeitet wird.
Gebaut wird hier größtenteils mit Zedern-und Zypressenholz. Bei uns sündhaft teuer, ist Zedernholz hier ein gängiges und geschätztes Bauholz. Ein weiterer Unterschied, der direkt auffällt, sind die Schrauben. Hier gibt es nur die guten alten Kreuzschlitzschrauben. Was mich am Anfang fast wahnsinnig gemacht hat, habe ich heute ganz gut im Griff. Das meiste wird hier allerdings mit Nägeln und Schussapparat befestigt.
Was von Anfang an auffällt, ist die gute, sehr harmonische Stimmung, die selbst bei Fehlern nicht kippt. Es ist ein Miteinander, das ich bis dahin so nicht kannte. Fehler werden mit Humor genommen und auch sonst hat der Spruch „Einer für alle, alle für einen“ hier höchste Priorität.
(Bild 1: Bodenplatte; Bild 2: das Erdgeschoss steht!; Bild 3&4: das Haus steht und ich bin glücklich)
Wiederaufbau im Erdbebengebiet
Am 01.01.2024 gab es ein schweres Erdbeben auf der Noto-Halbinsel. Die Firma Oono wurde gebeten für 7 Tage einen Trupp dorthin zu entsenden, um beim Wiederaufbau zu helfen.
Vom 13.05-19.05 war ich mit meinen japanischen Kollegen also auf der Noto-Halbinseln um mit Handwerkern aus dem ganzen Land Notunterkünfte in Holzbauweise zu errichten. Eine sehr spannende und prägende Zeit. Das beeindruckende daran: Innerhalb von gerade einmal 4 Monaten wurde fast eine komplette Notsiedlung errichtet. Für mich war es sehr faszinierend in welcher Geschwindigkeit und Präzision der Bau der Unterkünfte vorangeht. Noto hat mir mal wieder gezeigt, wie viel Potenzial der Holzbau auch in Krisen-und Katastrophengebieten hat
(Titelbild: meine japanischen Kollegen und ich am Ende einer eindrucksreichen Woche; Bild 5: eine Notunterkunft in Noto; Bild 6: Rohbau einer Notunterkunft; Bild 7: die Notsiedlung)
Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick in die ersten Wochen hier in Japan geben. Da ich noch nicht viel Erfahrung beim Blog schreiben habe, freue ich mich über jedes Feedback. Bei Fragen, Anregungen oder Themen, die euch interessieren/über die ihr euch einen Blogbeitrag wünscht, könnt ihr mich jederzeit kontaktieren.
Vorschau:
Wie sieht eine japanische Zimmerei aus, wie sind die Personalstrukturen und wie läuft eigentlich die Ausbildung hier in Japan?
Diese und weitere Fragen werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag beantworten.
Wer nicht auf den nächsten Blog warten möchte oder gerne noch mehr Einblicke in meinen Arbeitsalltag bekommen mag, kann mir gerne auf Instagram zimmerer.auf.reisen folgen.
Zünftige Grüße und bis zum nächsten Mal
Euer Zimmerer auf Reisen
Jannis















