Fachthemen
Benjamin Feil
24.10.2020

Fachkräftemangel im Handwerk - Welche Anforderungen muss eine Zimmerei erfüllen?

Welche Anforderungen muss eine Zimmerei erfüllen, um als attraktiver Arbeitgeber in Frage zu kommen? Im Zuge dieser Fragestellung wurde eine Umfrage unter Zimmerern und Zimmerinnen durchgeführt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, welche Aspekte bei der Wahl des Arbeitgebers wichtig sind. Zusätzlich wurde auf die verschiedenen Aspekte eingegangen, um detailliertere Informationen zu bekommen.  Teilgenommen haben insgesamt 125 Zimmerer und Zimmerinnen.
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Die Zielgruppe

Befragt wurden Zimmerer und Zimmerinnen; von Auszubildenden bis Meister.

Von den 125 Befragten wurde 123 mal das Geschlecht männlich, einmal weiblich und einmal divers angegeben.

Die größte Altersgruppe mit 83 Befragten sind die 25 bis 39 Jährigen, gefolgt von den 15 bis 24 Jährigen mit einer Anzahl von 28 Befragten und die kleinste Gruppe umfasst die 40 bis 54 Jährigen mit einer Anzahl von 13 Personen. In der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren befindet sich nur eine befragte Person.

Unter den Befragten befinden sich 59 Gesellen, 48 Meister, 14 Poliere und 4 Auszubildende.

 

Die Ergebnisse

Die wichtigste Frage ist, welche Aspekte den Zimmerern und Zimmerinnen bei der Wahl des Betriebes wichtig sind. Die Frage war so aufgebaut, dass die Befragten mehrere verschiedene Aspekte nach Wichtigkeit ordnen konnten.

Folgende Aspekte standen zur Auswahl:

-       Die Strukturen im Betrieb

-       Das Arbeitsklima

-       Das Aufgabenspektrum

-       Die Bezahlung

-       Die Lage des Betriebs

-       Unterstützung bei Fort- und Weiterbildungen

-       Die Ausstattung des Betriebes

-       Flexibilität

-       Eine sichere Anstellung

Das Ergebnis der oben genannten Frage zeigt, dass das Arbeitsklima im Betrieb mit Abstand der wichtigste Faktor für die Befragten aller Altersgruppen darstellt. Das ist auf den ersten Blick auch in Abbildung 1 zu erkennen.

Bei allen Befragten zeigt die Auswertung, dass der zweitwichtigste Aspekt das Aufgabenspektrum ist und danach die Bezahlung kommt. Untergliedert in die einzelnen Altersgruppen lassen sich in den Antworten allerdings auch wieder Unterschiede feststellen. Zum Beispiel liegt bei der Altersgruppe 25 bis 39 die Bezahlung an zweiter Stelle und das Aufgabenspektrum an dritter Stelle. Zur Übersicht vergleichend in Tabelle 1 dargestellt.

Direkt im Anschluss wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gefragt, ob sie den Betrieb wechseln würden, sollte der wichtigste Aspekt nicht erfüllt werden. Diese Frage wurde deshalb gestellt, um abzuschätzen, ob ein langfristiges Arbeitsverhältnis ausschließlich von dem wichtigsten Aspekt abhängt. Das Ergebnis dieser Frage zeigt, dass 52% den Betrieb wechseln würden, wenn dieser Aspekt nicht erfüllt wird. Es wird nun davon ausgegangen, dass einem Mitarbeiter -wie den meisten Befragten der Umfrage- das Arbeitsklima am wichtigsten ist. Wird diese Anforderung nicht erfüllt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mitarbeiter den Betrieb wechselt. Dem gegenüber stehen die anderen 43% der Befragten, die dennoch zufrieden wären, sofern die anderen in der Umfrage aufgeführten Aspekte, wie z.B. das Arbeitsspektrum oder die Bezahlung stimmen. 5% der Befragten sehen überhaupt keinen Grund darin, den Betrieb zu wechseln, wenn ihr wichtigster Aspekt nicht erfüllt werden würde.

Die darauffolgenden Fragen bezogen sich dann detaillierter auf die einzelnen Aspekte. Als Beispiel die Bezahlung mit der Frage: „Wie muss die Bezahlung ausfallen?“. Als Antwort standen zur Auswahl:

-       Tariflohn

-       Übertariflich

-       Bei der Aussicht auf zukünftige Lohnanpassungen ist der Tariflohn anfangs zufriedenstellend

 

Diese Fragen sind nun nachstehend aufgelistet und ausgewertet:

Wie muss die Bezahlung ausfallen?

Bei der Bezahlung geben sich 57,6% der Befragten zu Beginn des Arbeitsverhältnisses mit dem Tariflohn zufrieden, wenn sie mit späteren Lohnanpassungen rechnen können. 31,2% erwarten bereits zu Beginn eine übertarifliche Bezahlung. Dem gegenüber stehen 12,8 %, die sich grundsätzlich mit dem Tariflohn zufriedengeben.

Wie soll ein Betrieb ausgestattet sein?

Mit dieser Frage soll ermittelt werden, in welchen Bereichen eine Zimmerei gegebenenfalls Erneuerungsbedarf hat. Die Tabelle und das zugehörige Schaubild in Abbildung 2 stellt dar, wie sich die Befragten die verschiedenen Ausstattungen eines Unternehmens vorstellen. Dabei konnte zwischen einer neuen, modernen Ausstattung und einer in die Jahre gekommenen, aber funktionsfähigen Ausstattung gewählt werden.

Unter welchen Strukturen arbeiten Sie lieber?

Es sollte untersucht werden, wie sich Zimmerer und Zimmerinnen die Hierarchien im Unternehmen wünschen. Dabei wurden drei Führungsstile zur Auswahl gestellt. Die größte Zahl der Befragten (76,8%) arbeitet gerne unter einem kooperativen Führungsstil. Das bedeutet, die groben Vorgaben stammen von der Führungsebene, der Mitarbeiter soll diese aber eigenverantwortlich ausführen und kann gerne auch eigene Ideen und einen eigenen Lösungsweg miteinbringen. Diesen Ansatz extremer gedacht, ist der Laissez-Faire Stil, hierbei kommen kaum bis keine Vorgaben von der Führungsebene und die Mitarbeiter müssen alles nach eigenem Ermessen ausführen. Unter diesem Stil können es sich 22,4% der Befragten vorstellen zu arbeiten. Dem Laissez-Fairen Stil gegenüber steht der autoritäre Führungsstil. Hierbei wird alles vom Chef vorgegeben und der Mitarbeiter muss sich strikt an diese Anweisungen halten und hat keinen Spielraum für eigene Ideen.

Welche Aufgaben erledigen Sie gerne?

Um herauszufinden, auf welche Tätigkeitsfelder sich eine Zimmerei fokussieren soll, wurde den Befragten ein Pool an Tätigkeiten zur Verfügung gestellt. Aus diesem konnten sie die Tätigkeiten auswählen, die sie gerne ausführen. Dargestellt in Abbildung 3.

Welche Aufgaben erledigen Sie ungern?

Gegenüber der oben gestellten Frage wurde auch gefragt was die Zimmerer und Zimmerinnen ungern ausführen. Abbildung 4 zeigt diesbezüglich sehr gut, dass die Asbestsanierung mit Abstand am unbeliebtesten ist.

Lieber traditionell oder modern?

Da das Zimmereihandwerk auf eine lange Tradition zurückblickt, gibt es viele Arbeitsschritte, die wie damals ausgeführt werden können, oder mit Hilfe der heutigen Technologie. Mit dieser Frage sollte ermittelt werden, wer unter den Befragten noch traditionell arbeiten möchten und wer lieber mit der Zeit geht und mit modernster Technik arbeitet. Traditionell bedeutete in diesem Kontext nicht, dass alles von Hand bearbeitet wird. Es soll dahingehend zeigen, wer lieber noch selbst mit Handmaschinen abbindet oder doch eine Abbundanlage bedient und alles bereits in der Halle vorfertigt. Die Umfrage zeigt, dass 12,8% gerne traditionell und 24% modern arbeiten. Eine weitere Antwortmöglichkeit war „Die Mischung machts.“ Für diese Antwort haben sich 63,2 der Befragten entschieden. Ein Beispiel für diese Antwort wäre: Aufmaß und Zeichnung mit Hilfe einer CAD-Software, der Abbund mit den Handmaschinen in der Halle.

Haben Sie bereits eine Fort- oder Weiterbildung absolviert?

Diese Frage diente dazu, einen Überblick zu bekommen wie viele der Befragten bereits an einer Fort- und Weiterbildung teilgenommen haben. Von den Befragten haben bereits 75,2% eine Fort- oder Weiterbildung absolviert. Im Umkehrschluss haben 24,8% noch an keiner Fort- oder Weiterbildung teilgenommen.

Wie soll ihr Betrieb Sie bei Ihrer Fort- und Weiterbildung unterstützen?

Die oben gestellte Frage zeigt, dass ca. dreiviertel der Befragten bereits an einer Fort- oder Weiterbildung teilgenommen haben. Da das Zimmereihandwerk eine große Bandbreite an Aufgabenfeldern, wie z.B. dem Gebäudeenergieberater bietet, oder verschiedene Titel wie der Meister erreicht werden können, ist das Thema Fort- und Weiterbildung ein wichtiger Bestandteil in der Laufbahn eines Zimmerers. In Abbildung 5 ist dargestellt, wie der Betrieb diesbezüglich seine Mitarbeiter unterstützen soll.

   

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