Ökologisch Bauen mit Stroh
Was spricht für Stroh als Dämmstoff?
Wir sind mittlerweile im Jahr 2020, warum sollte man da noch mit Stroh bauen? Ist das nicht etwas veraltet? Ganz im Gegenteil, Stroh bietet einige Vorteile. Zuerst einmal überzeugt Stroh durch eine hohe Verfügbarkeit, als Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Getreideerzeugung ist es in vielen Regionen ausreichend vorhanden und kann regional ohne große Transportwege bezogen werden. Es kann unbehandelt in Form von Ballen verwendet werden, dabei ist der Primärenergieinhalt bei der Herstellung nicht mal ein zehntel von Holzfaserdämmplatten, sogar nur ein dreißigstel von Polystyrol XPS Dämmung. Maßgeblich schlagen beim Stroh nur die Ballenschnüre aus Kunststoff ins Gewicht. Also ein sehr ökologischer Baustoff!
Um den bauphysikalischen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es natürlich auch einige Anforderungen an Stroh als Baustoff. So werden vor allem Quaderballen aus der Landwirtschaft verwendet, die mindestens eine Rohdichte von 85 kg/m3 aufweisen und ähnlich wie beim Holz eine maximale Feuchte von 18% besitzen. Zudem gibt es Anforderungen an die Maßhaltigkeit und Formstabilität, sowie dem Gehalt von Beikräutern. Das definiert den Wärmedämmstoff „Baustroh“ gemäß Europäischer Technischer Bewertung ETA-17/0247, dieser wird in dieser Form von der BauStroh GmbH in Niedersachsen hergestellt.
Ist das alles erreicht gelten folgende bauphysikalischen Bewertungen:
- Brandschutz: Ist die Rohdichte von 85 kg/m3 erreicht, wird Stroh als normalentflammbar (B2 bzw. E) eingeordnet, mit mindestens 8mm dickem Lehmputz kann F 30-B, mit Kalkputz auch F 90-B erreicht werden.
- Wärmeschutz: Gemäß der Zulassung des Bauprodukts „Baustroh“ wird für Berechnungen ein Wärmeleitfähigkeitswert Lambda von 0,049 W/(m*K) angenommen.
Um die Anforderungen der KfW erfüllen zu können, braucht es eine ca. 36cm starke Wand aus Stroh, welche von innen und außen dreilagig verputzt ist, diese erreicht einen U-Wert von 0,15 W/(m2*K) . Die Aussteifung der Wände wird hauptsächlich über Windrispenbänder auf der Innenseite erreicht.
Besonderes Augenmerk auf die Verarbeitung
Von der Verarbeitung her ist Stroh als Dämmstoff nicht so umgänglich wie gewöhnliche Dämmstoffe, trotzdem ist das für jede Zimmerei durchaus möglich. So werden die Ballen beispielsweise mit einem Elektrofuchsschwanz zugeschnitten oder mit der Kettensäge bearbeitet. Es ist vor allem zu beachten, dass die Ballen verdichtet werden (um ca. 7-16%) und bei zuschnitten eine neue Schnürung erfolgen muss. Wie bei allen Dämmstoffen gibt es hier auch die zwei Möglichkeiten das Stroh in der Vorfertigung oder später auf der Baustelle einzubauen. In der Vorfertigung wird dabei mit einem Gabelstapler oder einem speziellen Hydraulik-System gearbeitet. Auf der Baustelle gestaltet sich der Einbau etwas schwieriger, dabei muss auf Hilfsmittel wie Kettenzüge oder Wagenheber zurückgegriffen werden. Ganz wichtig ist es bei beiden Varianten dafür zu sorgen, dass die Ballen vor Witterung geschützt werden.
Fazit: Baustroh ist mittlerweile eine echte Alternative beim Thema Dämmstoff und ermöglicht in Kombination mit Holz und Lehm eine ökologische Bauweise, damit können sogar Niedrigenergiehäuser und Passivhäuser hergestellt werden. Die Verarbeitung ist prinzipiell für jeden möglich, allerdings braucht es dazu ein gewisses Know-how. Wie immer gibt’s im Anschluss noch ein paar weiterführende Links.
Weiterführende Informationen und Quellen:
- Strohbaurichtlinien 2019 (FASBA e.V.)
- Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA)
- Strohbau Projekte
Vielen Dank für die Bilder an den Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.!








Preismäßig und bezugsmäßigkeit?
Moin, ein paar Informationen über Stroh als Einblasdämmung (IsoStroh) wären noch gut gewesen, ansonsten ein interessanter Artikel.