Fachthemen
Marvin Fuchs
22.07.2020

Verband der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V.

Um das Thema aus dem letzten Beitrag nochmal aufzugreifen („Moderne Zimmerei – Traditioneller Beruf mit modernsten Methoden“), geht es heute um die Restaurierung. Ein Bereich, der mir persönlich sehr am Herzen liegt und mich immer wieder begeistert. Umso schöner ist es nun, dass ich ein Interview mit dem 1. Vorsitzenden des Verbands der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. (Sebastian Schmäh) machen konnte und so ein Beitrag über den Verband, sein fast 150 Jahre altes Unternehmen und verschiedenste Auszeichnungen mit Informationen aus erster Hand entstand:
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Gemeinsame Weiterentwicklung im Vordergrund

Vielen wird dieser Verband kaum ein Begriff sein, deswegen schauen wir doch erstmal was hinter dem Verband steckt. Sebastian Schmäh hat die Arbeit mal kurz und bündig auf den Punkt gebracht: „Wir stehen für die Erhaltung und Modernisierung historischer Bausubstanzen. Mit Erfahrung und Fachwissen, umsichtigem und sensiblem Vorgehen gehen wir die Projekte in unseren Regionen an.“ Eine Interessengemeinschaft die bundesweit Betriebe vernetzt, die in der Restaurierung tätig sind und dabei vor allem eine gewisse Qualitätssicherung zum Ziel hat. Organisiert ist der Verband im Verband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes Baden-Württemberg in Stuttgart und wird dort vor allem durch Thomas Schäfer (Geschäftsführer und Diplom-Kaufmann), Bernhard Beck (Rechts-Assessor und Berater) und Gabriele Eisele, Verantwortliche für Organisation und Verwaltung betreut.  

Aktuell sind etwa 170 Mitgliedsbetriebe im Verband organisiert, dabei macht vor allem die Mischung aus älteren erfahrenen Restauratoren und dem jungen Nachwuchs einen perfekten Austausch aus. „Vorteile sehe ich in der regelmäßigen Wissenserweiterung und dem guten Austausch unter Kollegen. Zusätzlich kann unser starker Verband auch Interessen bündeln und eine hohe bundesweite Sichtbarkeit erreichen, die gerade in den letzten Jahren an Bedeutung gewinnt“, so Schmäh dazu. 

Um den Austausch optimal zu fördern, gibt es zweimal im Jahr eine zweitägige Tagung mit Fachvorträgen und geselligem Beisammensein, an der in den letzten Jahren an die 100 Mitglieder teilgenommen haben. Für Schmäh ist das „eine sehr gute Bestätigung unserer Verbandsarbeit!“ Es wird sich gegenseitig geholfen, Material, Mitarbeiter und Ratschläge ausgetauscht und so gemeinsam eine enorme Fachkompetenz in diesem Bereich geschaffen. 

Über den Verband findet man den passenden Ansprechpartner für jedes Projekt zur Erhaltung und Restaurierung eines alten Gebäudes und wird so durch die gesamte Bauphase professionell begleitet. Dabei wird der Vorgang vom Verband sehr gut und knapp zusammengefasst: Sichten, Beraten, Restaurieren und Bewahren! 

Restaurator im Zimmererhandwerk

Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist der Abschluss „Geprüfter Restaurator im Zimmerhandwerk“, diesen muss mindestens einer der Mitarbeiter im Betrieb vorweisen. 

Für mich steht dieser Lehrgang direkt nach der Meisterprüfung im Februar hier am Bundesbildungszentrum in Kassel an. Dabei geht es um fachübergreifende Themen wie Kunst-, Kultur- und Baugeschichte, einer Menge an Fachtheorie zu Bauphysik und historischen Holztragwerken und auf dieser theoretischen Grundbasis wird mit praxisnahem Praxisunterricht weiter aufgebaut. So werden die Anwendung von modernen Hilfsmitteln, wie 3D-Laserscan oder modernen Bohrwiderstandsmessgeräten, mit traditionellen Handwerkstechniken kombiniert. Beim klassischen Behauen der Hölzer und den Exkursionen zu historischen Konstruktionen wird dabei das Verständnis und das Fingerspitzengefühl im Umgang mit alter Bausubstanz gefördert. 

An dieser Stelle wollte ich noch ausführen, warum es mich genau in diese Richtung zieht, aber das hat Sebastian Schmäh mir sehr gut abgenommen, man hätte es nicht besser ausdrücken können: 

 „Ich glaube, wenn einem das ursprüngliche Handwerk liegt und man traditionsverbunden lebt passt diese Spezialisierung gut. Es ist sicher auch eine Chance der fortschreitenden Industrialisierung im Handwerk aus dem Weg zu gehen und auch mit kleinerer Struktur am Markt bestehen zu können“, führt Sebastian Schmäh, der in diesem Lehrgang am Kompetenzzentrum Holzbau & Ausbau in Biberach auch als Dozent im Bereich Denkmalpflege aktiv ist, weiter aus. 

 

Holzbau Schmäh als Vorzeigebetrieb

Sebastian Schmäh selbst führt ein renommiertes Holzbau-Unternehmen in der 6. Generation, schon deshalb wird Tradition bei Holzbau Schmäh aus Meersburg am schönen Bodensee großgeschrieben. Mit seinen ca. 32 Mitarbeitern wird zu ca. 67% im Denkmalschutz gearbeitet und zwar aus Überzeugung und Heimatbewusstsein: „Diese besondere Kulturlandschaft (Bodenseeregion) lässt einem fast von alleine viele Berührungspunkte in der Restaurierung und diese Tradition habe ich sehr gezielt ausgebaut. Natürlich motiviert es z.B. eine historische Holzverkleidung seiner Vorfahren aus 1872 zu sichern und damit der Nachwelt zu erhalten.“

Ein Unternehmen, das auf knapp 150 Jahre Geschichte zurückgreifen kann und sich um die Zukunft sicher keine Sorgen machen muss, so werden im nächsten Ausbildungsjahr insgesamt 10 junge Frauen und Männer dort ausgebildet. „Für mich ist regelmäßige und hochwertige Ausbildung der Schlüssel für die Zukunft unseres Handwerkes. Seit meiner Übernahme des Unternehmens im Jahr 2003 haben wir bei Holzbau Schmäh 33 Auszubildende ausgebildet.“ 

Schmäh sieht im Rückblick auf die letzten Jahre ein immer weiter steigendes Interesse am restaurierenden Handwerk, gerade in Zeiten der Digitalisierung und der „industriellen Produktion“ spielen demnach Nachhaltigkeit und die traditionellen Techniken eine immer wichtigere Rolle. Doch auch im Bereich der Restaurierung geht die Technik nicht spurlos vorbei, mittlerweile wird alte Handwerkskunst mit der modernsten Technik vereint: 

„Die Restaurierungstechnik hat sich noch mehr verfeinert und man geht aus einer guten Mischung aus geistigem Wissen und Handwerkstradition an Restaurierungen heran. Der akademische Ansatz einer Voruntersuchung in Kombination mit dem handwerklichen Gefühl für eine Dachkonstruktion beschreibt dies ganz gut. 

Unsere Schadens- und Maßnahmenkartierungen werden natürlich mit CAD Programmen umgesetzt und die Aufmaße erfolgen in der Regel im 3D-Scan. Auch Drohnen und moderne Bohrwiderstands-messgeräte kommen regelmäßig bei den Projekten zum Einsatz.“

 

Sanierungspreise und Auszeichnungen

Diese hervorragende Arbeit im Betrieb, welche durch die große Tradition und die Qualifikationen der Mitarbeiter sicher gegeben ist, zeichnete sich in den letzten Jahren mehrfach aus. So gab es im letzten Jahr den Sanierungspreis Dach für den Kirchturm der Pfarrkirche St. Martin in Sipplingen, dabei wurde die Holzkonstruktion saniert und 385 qm Dachfläche mosaikartig mit der historischen Biberschwanzdeckung eingedeckt. Teilweise wurden die gut erhaltenen Ziegel, welche teilweise schon über 300 Jahre alt waren, wiederverwendet. Ca. 12.500 Ziegel wurden detailgetreu nachproduziert, nun gibt das Dach wieder ein einzigartiges glanzvolles Bild ab (hier mehr).

Dazu wurde mit dem barocken Wohnhaus von 1724 in Meersburg der 1. Platz beim Bundespreis der Denkmalpflege belegt und auch Platz 2 erhielt Holzbau Schmäh mit der Restaurierung eines Torkels in Salem-Mittelstenweiler. Auch in den Jahren davor gab es immer wieder Auszeichnungen und dies motiviert natürlich: „Ich bin auf unsere Auszeichnung sehr stolz und sehe hier auch unsere Stärke im Team bewiesen. Gerade die mehrfachen Preise über die letzten 10 Jahre zeigen die Qualität und Verankerung einer denkmalgerechten Sanierung im Denken und Handeln. Uns hat eine Auszeichnung immer wieder neu motiviert und bestätigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Über diese Preise finden uns Kunden und Mitarbeiter und eine Auszeichnung von außen ist ein sehr starkes Argument!“

Aktuell wird ein Rebmanns Haus in Sipplingen von 1662 fertiggestellt, darin stecken über fünf Jahre Sanierungsarbeiten mit Herzblut und Leidenschaft. Dieses besondere Projekt steht nun in der Endrunde des Denkmalpreises 2020, da steht eventuell schon die nächste Auszeichnung bevor, die Daumen sind gedrückt – viel Erfolg! 

 

Ehrenamtliche Arbeit

Neben der Arbeit im eigenen Familienbetrieb steht bei Sebastian Schmäh auch der Verband der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. ganz weit oben, er ist der 1.Vorsitzende und damit zusätzlich im Ehrenamt gefordert: „Für mich persönlich besteht das Ehrenamt neben den 6-8 Vorstandsitzungen und Tagungen, vor allem aus vielen Gesprächen mit Kollegen/Innen und Organisationen aus Politik und Denkmalpflege. Dabei zählt für mich immer die Gesprächskultur auf Augenhöhe! Wenn diese Basis gelingt treten die vielen Stunden Ehrenamt auch ganz schnell in den Hintergrund.“ 

Grund für die Mitgliedschaft im Verband war für ihn vor allem die „gegenseitige Unterstützung zur Bewältigung von Herausforderungen“ und so wurde er 2001, direkt nach der Prüfung zum Restaurator, Mitglied.

Vielen Dank an Sebastian Schmäh für die tolle Zusammenarbeit – Hoch die Zimmererkunst

 

Weiterführende Informationen:

Bildmaterial: Holzbau Schmäh

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