Erschreckende Bilder aus Deutschlands Wäldern
Die aktuelle Situation
Der Klimawandel ist eine große Herausforderung für unsere Wälder in der gesamten Bundesrepublik. Extreme hohe Temperaturen und vor allem die anhaltende Trockenheit in den letzten Jahren, sorgen für eine Katastrophe, mit der in erster Linie die Forstleute schwer zu kämpfen haben. So besteht ihre Aufgabe in den letzten Jahren hauptsächlich aus Schadensbegrenzung und einem Wettlauf gegen den Borkenkäfer. Allein in Hessen sind mindestens 26.000 Hektar Wald betroffen. Die Bäume müssen so schnell wie möglich raus aus dem Wald und die Verkaufspreise für die Rohstammware sind dementsprechend niedrig.
Zudem sieht Michelle Sundermann vom HessenForst noch ein ganz anderes Problem: „Das hat nicht nur Einfluss auf die Rohstoffversorgung mit Holz sondern auch auf die anderen Funktionen des Waldes. Wie kann eine Fläche ohne Bäume beispielsweise vor Lärm oder einen Hang vor Erosion schützen? Was wäre ein Waldspaziergang ohne Wald? Ganz zu schweigen von dem Verlust des Lebensraums für andere Pflanzen und Tiere.“ Eine schwierige Phase für jeden leidenschaftlichen Forstwirt, statt den Bestand zu hegen und zu pflegen müssen großflächige Rodungen organisiert werden. Es bleibt ein Bild der Verwüstung, neben dem Befall der Fichten durch den Borkenkäfer, von dem man immer hört, sind zusätzlich auch die Buchen durch das fehlende Wasser sehr betroffen.
Borkenkäfer – kleines Insekt mit großem Schadenspotential
Doch wie schon erwähnt, ist gerade der Befall der Fichten durch den Borkenkäfer ein großes Problem. Wie hängt das allerdings mit der Trockenheit und dem Klimawandel zusammen? „Fichten sind auch in normalen Jahren für die Borkenkäfer attraktiv. Doch durch das fehlende Wasser verlieren die Fichten die Fähigkeit, sich mit Harzbildung gegen den Borkenkäfer zu wehren. Der hat somit leichtes Spiel und freut sich gleichzeitig über die hohen Temperaturen, die ihm die Ausbildung mehrerer Generationen pro Jahr ermöglichen. Durch die Fraß- und Brutgänge, die der Käfer anlegt, zerstört er das nährstoffreiche Phloem des Baumes. Ein befallener Baum stirbt immer ab“, erklärt Sundermann.
Um zu wissen mit wem wir es hier eigentlich zu tun haben, machen wir mal einen Borkenkäfer-Crash-Kurs: Die „Borkenkäfer“ mit denen wir es hauptsächlich zu tun haben sind der Buchdrucker und der Kupferstecher. Beide befallen hauptsächlich die Fichte und zählen zu den sekundären Holzschädlingen, sie befallen also vor allem kranke Bäume, wie unsere durch Trockenheit gebeutelten Fichten. Sie bohren sich unter die Rinde von lebenden Bäumen, legen dort ihre Eier ab und ernähren sich vom Bast, das ist in den meisten Fällen das Todesurteil für die betroffenen Bäume. Man erkennt sie an Fraßgängen auf der Innenseite der Rinde, Bohrmehlspuren am Stamm und dem Nadelfall. Sieht man also eine Gruppe Fichten, bei denen kaum noch Nadeln vorhanden sind, ist ein Befall durch Borkenkäfer sehr wahrscheinlich.
Umgang mit dem Käferholz
„Zum einen versuchen wir natürlich zu retten, was zu retten geht. Das bedeutet, dass wir befallene Fichten so schnell wie möglich aus dem Wald bringen müssen, damit sich der Käfer unter der Rinde nicht weitervermehren kann.“ Das ist natürlich eine Aufgabe, die erstmal bewältigt werden muss. In vielen Regionen wurde und wird immer noch im Schichtbetrieb gerodet, immer häufiger hört man in den Dörfern die ganze Nacht durch die Geräusche der Harvester und Rückezüge. Die Massen an Holz müssen dann schnellstmöglich aus dem Wald abtransportiert werden, ein großer Teil geht direkt in Container in Richtung USA und China. Ebenso kaufen die hier ansässigen Sägewerke einen Teil auf, allerdings ist das Käferholz oft nur noch für Palettenholz o.ä. zu gebrauchen.
Es ist quasi unmöglich die anfallenden Mengen an Holz wegzuschaffen, sowohl logistisch als auch bedingt durch die fehlenden Absatzmöglichkeiten. Deshalb verbleiben große Holzpolter in den Wäldern und müssen entweder dauerhaft befeuchtet (um einen Befall und die Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern) oder in Folien trockengelagert werden.
„Außerdem müssen wir die jetzt entstandenen Freiflächen wiederbewalden, damit der Wald auch in Zukunft all seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllen kann“, fährt Michelle Sundermann fort. Es gibt also mehr als genug zu tun für die Forstwirte…
Gegenmaßnahmen und Zukunftsgedanken
Doch wie geht man jetzt mit dieser Situation um? Wichtig ist es einen Plan für das zukünftige Vorgehen in der deutschen Forstwirtschaft zu erstellen, das ist allerdings durch die schwer berechenbare Entwicklung des Klimawandels keine leichte Aufgabe. HessenForst hat hier allerdings schon konkrete Vorstellungen: „Wir müssen das Risiko streuen. Deshalb setzten wir auf mindestens drei, besser vier bis fünf Baumarten pro Hektar. Daneben ist aber auch jeder Einzelne aufgerufen, das Klima zu schützen: weniger fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen und mehr Holz verwenden. Denn ob als klimafreundlicher Baustoff, der lange den Kohlenstoff bindet, den der Baum einst gespeichert hat, oder als Substitut für klimaschädliche Erzeugnisse (zum Beispiel Aluprodukte): Holz ist einfach ein klimafreundliches Multitalent.“
Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Preis von Bauholz
Natürlich kommt bei diesem Thema gerade bei uns Zimmerleuten ein wichtiger Gedanke auf, wie wirkt sich diese Katastrophe in den Wäldern auf die Verfügbarkeit und die Preise der Holzprodukte aus? Denn es ist sicher jedem klar, dass wir eine enorme Masse an Fichtenholz verlieren und wie der HessenForst logischerweise erklärt, „werden diese auch in den allermeisten Fällen nicht mit Fichten ersetzt. Die Standorte, auf denen Fichten in Zukunft wachsen können, werden in Deutschland rar.“
In Kombination mit den vergangenen großen Waldbränden in den USA und Kanada führt dies natürlich zu einem Preisanstieg, die Nachfrage aus Übersee ist besonders groß und demnach auch die Bereitschaft für das Holz gut zu zahlen. Dadurch gehen die Preise hier für Konstruktionsvollholz und andere Holzprodukte aktuell um ca. 7-9% hoch und die Lieferzeiten verlängern sich auch größtenteils. Dabei ist zu betrachten, dass diese Entwicklung noch lange nicht am Ende ist… (mehr zum Holzpreis im letzten Beitrag vom Zimmerer-Treffpunkt)
Trotz allem optimistisch bleiben
Zum Ende dieses Artikels gibt es noch ein paar vielversprechende Schlussworte von Michelle Sundermann:
„Ich bin Optimistin: ich glaube es wird auch in Zukunft in Deutschland genug Wald geben! Aber der Wald wird sein Gesicht verändern: weniger Fichten, mehr Laubholz. Ich freue mich über die spürbar zunehmende Solidarität für den Wald! Als Experten sind wir Forstleute die richtigen Ansprechpartner für die Herausforderungen, die die Klimakrise mit sich bringt. Dennoch geht das Waldsterben an uns nicht spurlos vorbei, denn Försterin oder Förster wird man nicht nur, weil man den Rohstoff Holz bereitstellen will, sondern weil man den Wald liebt.“
Weitere Informationen zur Situation im Wald und der Arbeit der Forstwirte gibt es auf www.hessen-forst.de , an dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an Michelle Sundermann von HessenForst für die gute Zusammenarbeit und die Informationen. Wie immer gibt es hier noch ein paar Links zu weiterführenden Informationen und Videos:
- Waldbauer gegen Borkenkäfer - Andreas gibt nicht auf | SWR Doku
- Harz: Kleine Borkenkäfer - große Probleme | die nordreportage | NDR Doku
- Homepage | HessenForst
Vielen Dank auch für das Bildmaterial von HessenForst (F.Reinbold / U.Brandes / K.Eckel)

















