Europas erstes Hochschulgebäude aus Massivholz steht in den Niederlanden
Entworfen wurde das Gebäude vom Architekturbüro Powerhouse Company. Die Bauausführung übernahm BAM Bouw en Techniek. Binderholz war für die Detailstatik, Werk- und Montageplanung sowie die Vorfertigung und Lieferung der Massivholzbauteile verantwortlich. Das Besondere: Neben der Holzkonstruktion stand auch die spätere Wiederverwendbarkeit der Materialien im Mittelpunkt.
1.740 Kubikmeter Holz für die Universität
Für das Gebäude wurden rund 1.050 Kubikmeter Brettsperrholz und 690 Kubikmeter Brettschichtholz eingesetzt. Insgesamt ergeben die verbauten Brettschichtholzträger eine Länge von etwa 4,5 Kilometern. Holz findet sich nicht nur im Tragwerk, sondern auch in Wänden, Decken, Treppen und zahlreichen sichtbaren Oberflächen.
Eine besondere Herausforderung waren die großen Hörsäle. Darüber mussten Decken mit Spannweiten von bis zu 9,20 Metern realisiert werden, die gleichzeitig hohe Anforderungen an Schallschutz und Schwingungsverhalten erfüllen.
Die Lösung sind Holzrippendecken aus Brettsperrholz, die durch zusätzliche Träger verstärkt werden. Durch die Anordnung der Rippen konnte die Konstruktion an die statischen und akustischen Anforderungen angepasst werden. Gleichzeitig entstand zwischen den Trägern Platz für Lüftungsleitungen, Beleuchtung und weitere Gebäudetechnik. Die Holzträger bleiben im Innenraum sichtbar.
Verschraubt statt verklebt
Auch bei der Herstellung und Montage spielte die spätere Wiederverwendbarkeit eine wichtige Rolle. Binderholz übernahm neben der Werk- und Montageplanung die Vorfertigung und Lieferung der Massivholzbauteile sowie die Berechnung und Lieferung der Verbindungsmittel.
Beim Bau wurde darauf geachtet, die Holzelemente möglichst zu verschrauben, statt zu verkleben. So lassen sich einzelne Bauteile später leichter demontieren und im besten Fall erneut verwenden.
Dieses Prinzip wurde auch bei der Fassade umgesetzt. Obwohl das Gebäude überwiegend aus Holz besteht, ist es außen mit Naturstein verkleidet. Die Platten wurden mit Ankern befestigt, damit sie sich ebenfalls wieder entfernen lassen.
Sogar alte Jeans stecken im Gebäude
Beim Innenausbau kamen weitere ungewöhnliche Materialien zum Einsatz. Ein Teil der Dämmung besteht aus recycelten Jeans. Die daraus gewonnene Baumwolle wird als Dämmstoff verwendet und trägt gleichzeitig zur Verbesserung der Raumakustik bei.
Auch beim Energieverbrauch wurde auf eine sparsame Bauweise geachtet. Eine gut gedämmte Gebäudehülle, Photovoltaik und eine Wärmepumpe mit Erdwärmespeicher sorgen dafür, dass das Hochschulgebäude im Betrieb nahezu energieneutral ist.
Holzbau mit Blick auf die Zukunft
Das Marga Klompé Building zeigt, dass sich auch größere Bildungsgebäude mit hohen Anforderungen an Spannweiten und Schallschutz überwiegend in Massivholzbauweise realisieren lassen.
Besonders interessant für Zimmerer ist dabei die Verbindung aus vorgefertigten Holzelementen, leistungsfähigen Rippendecken und möglichst lösbaren Verbindungen. Denn hier wurde nicht nur daran gedacht, wie das Gebäude errichtet wird, sondern auch daran, was später mit seinen Bauteilen passieren kann.
Projektdetails
Projekt: Marga-Klompé-Gebäude, Tilburg, Niederlande
Architektur: Powerhouse Company
Bauherr: Tilburg University
Tragwerksplanung: BREED Integrated Design
Stadtplanung: Studio Hartzema
Technische Gebäudeausrüstung, Mobilitätsberatung und Bauphysik: Royal HaskoningDHV
Kostenberatung: Multibouwadvies
Nachhaltigkeitsberatung: Rienks Bouwmanagement
Landschaftsarchitektur (Konzept): EDM Tuin en Landschap
Landschaftsarchitektur (Ausführungsplanung): Studio REDD
Geotechnische Planung: Inpijn Blokpoel
Modellbau: Studio Abstract
Fotografie: © Sebastian van Damme
Projektteam Powerhouse Company: Stefan Prins, Janneke van der Velden, Iván Guerrero, Romano van den Dool, Martijn Ravia, Sanja Kralj, Bjørn Andreassen, Erwin van Strien, Gert Ververs, Giovanni Coni, Antonia Pohankova, Rafael Zarza García und Robert Cuijpers.



















