3.576 Holzverbindungen für ein Dach: Wisdome Stockholm zeigt, was im Holzbau möglich ist
Für den Erweiterungsbau des schwedischen Museums für Wissenschaft und Technik entwickelte das Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann eine geschwungene Dachkonstruktion. Das Besondere: Die meisten Holzlamellen wurden flach vorgefertigt und erst auf der Baustelle gebogen. Möglich machten das digitale Planung und hochpräzise Fertigung.
25 Lagen Holz und Tausende Steckverbindungen
Die Grundidee stammt aus dem Brückenbau des 18. Jahrhunderts und basiert auf dem Prinzip verdübelter Holzträger. Beim Wisdome Stockholm wurde diese traditionelle Bauweise auf eine dreidimensional gekrümmte Gitterschale übertragen.
Das Dachtragwerk besteht aus fünf kreuzweise angeordneten Stablagen, drei quer und zwei längs zum Gebäude. Jeder Stab setzt sich aus fünf Lamellen aus Furnierschichtholz zusammen. Insgesamt ergeben sich 25 Holzlagen, die von 24 massiven Stützen aus blockverleimtem Furnierschichtholz getragen werden. Jede Stütze ist mit zwei Vorspannkabeln im Fundament verankert.
Für die Verbindung der Holzlagen wurden 3.576 speziell entwickelte Schub- und Positionierdübel aus Furnierschichtholz eingesetzt.
Flach gefräst, auf der Baustelle gebogen
Die größte Herausforderung war die ungewöhnliche Dachform. Lediglich die unterste Lage wurde bereits im Werk gebogen und verleimt. Die übrigen vier Lagen erhielten ihre endgültige Krümmung erst auf der Baustelle.
Dafür wurden die Bauteile zunächst dreidimensional geplant, digital in die Ebene abgewickelt und anschließend mit 5-Achs-CNC-Technik bearbeitet. Besonders knifflig: Die Bohrungen mussten bereits im flachen Zustand so präzise gesetzt werden, dass nach dem Biegen sämtliche Verbindungen auf den Zehntelmillimeter zusammenpassten.
Mehrere Modelle und Versuchsaufbauten bis zum Maßstab 1:1 halfen dabei, die passende Lamellenstärke und Dübelgeometrie zu bestimmen.
Montage unter einem riesigen Zelt
Für die wetterunabhängige Montage wurde die gesamte Baustelle mit einem Zelt überdacht und ein fest installierter Hallenkran eingesetzt. So konnten die Arbeiten auch während des schwedischen Winters stattfinden.
Unter dem Holzdach entstand das Herzstück des Museumsanbaus: ein 3D-Kuppeltheater, das wissenschaftliche Themen auf einer rund 300 Quadratmeter großen, gewölbten Projektionsfläche erlebbar macht. Die Kuppel misst 21,5 Meter im Durchmesser, ist zwölf Meter hoch und besteht aus 277 vorgefertigten dreieckigen Brettsperrholzelementen.
Nach knapp vier Monaten Montagezeit war das Holztragwerk Ende 2022 fertiggestellt. Anschließend erhielt das Dach eine Eindeckung aus Kiefernholzschindeln. Im Dezember 2023 öffnete der Wisdome Stockholm für Besucher.
Tradition trifft moderne Holzbautechnik
Das Wisdome Stockholm zeigt, welches Potenzial in der Verbindung traditioneller Holzbauprinzipien mit digitaler Planung und CNC-Fertigung steckt. Aus flach vorgefertigten Holzlamellen und Tausenden passgenauen Steckverbindungen entstand eine frei geformte Dachkonstruktion, die ohne innere Stützen auskommt.
Fotos: Anders Bobert
Technische Zeichnung: Blumer Lehmann

















