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Silvan Hoffmann
09.10.2026

EASTWOOD Leipzig 2026: Warum guter Holzbau mehr als gute Software braucht

In Leipzig trafen bei der EASTWOOD Fachleute aus Planung, Ausführung, Industrie und Forschung aufeinander. Digitale Werkzeuge sind wertvoll, aber erst im Zusammenspiel mit klaren Konstruktionen, guter Baustellenpraxis und offenem Austausch entfalten sie ihren Nutzen.

Die EASTWOOD an der HTWK Leipzig hatte vieles zu bieten: Projekte aus dem Holzbau, Einblicke in Forschung und Fertigung, Diskussionen über Rückbaubarkeit, Vorfertigung, KI und Tragwerksplanung. Wer versucht, zwei Kongresstage in einen einzigen Beitrag zu pressen, wird keinem der Themen wirklich gerecht. Deshalb hier mein persönlicher Blick auf das, was die Veranstaltung zusammengehalten hat.

Das Richtige weglassen
Besonders angesprochen hat mich Tobias Wiesenkämpers Vortrag „Das Richtige weglassen: Tragwerksplanung als Hebel für Suffizienz“. Der Gedanke klingt zunächst einfach. In der Praxis verlangt er aber einiges: Bauteile und Tragstrukturen nicht reflexhaft aufwendiger zu machen, sondern zu fragen, was eine Konstruktion tatsächlich leisten muss.

Für mich ist das keine Absage an anspruchsvolle Planung. Im Gegenteil. Wer sinnvoll weglassen will, muss Entwurf, Tragwerk und Ausführung gut verstehen. Gerade im Holzbau lohnt sich diese Diskussion, weil Entscheidungen in der Planung später die Vorfertigung und die Montage prägen. Über die fachlichen Details des Vortrags schreibe ich noch gesondert.

Ein Projekt aus dem Vortrag und dann direkt vor Augen
Stark fand ich auch den Beitrag zum Leipziger Leika-Projekt: genossenschaftliches Wohnen, das barrierefrei, nachhaltig und solidarisch gedacht ist. Ambitioniert ist hier nicht nur die Konstruktion im Holzskelettbau, sondern auch die Verbindung von langfristig nutzbarem Wohnraum und den Bedürfnissen der Menschen, die dort wohnen sollen.

Weil das Projekt nicht weit entfernt war, habe ich es mir am Abend selbst angesehen. Dieser kurze Abstecher ist mir in Erinnerung geblieben. Ein Projekt auf Folien kennenzulernen, ist das eine. Vor Ort zu stehen und sich Gedanken über die Umsetzung zu machen, ist etwas anderes. Ich fand den Ansatz mutig und werde mich damit noch genauer beschäftigen.

Witterungsschutz gehört nicht ans Ende der Planung
Ein dritter Beitrag, den ich wichtig fand, kam von Daniel Kehl: Witterungsschutz im mehrgeschossigen Holzbau. Bei größeren Bauvorhaben können Bauphasen länger werden. Dann reicht es nicht, nur das fertige Gebäude zu betrachten. Auch die Zeit bis zur geschlossenen Gebäudehülle braucht ein passendes Schutzkonzept.

Bauweise, Abläufe, Details und Schutzmaßnahmen müssen zueinander passen. Und wenn doch Wasser in eine Konstruktion gelangt, ist der Umgang damit ebenfalls eine fachliche Aufgabe. Gerade für Betriebe und Planungsteams, die mehrgeschossige Projekte umsetzen, verdient dieses Thema früh Aufmerksamkeit – nicht erst, wenn auf der Baustelle der Regen einsetzt.

Technik und Handwerk gehören zusammen
Darüber hinaus bot das Programm viele weitere Perspektiven: rückbaubare Holzgebäude, präzise Vorfertigung, digitale Zusammenarbeit entlang der Holzkette, KI-Anwendungen in der Statik und konkrete Projekte an der Schnittstelle von Planung, Fertigung und Montage. Die einzelnen Ansätze sind unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen, dass gute Ergebnisse nicht in einem einzigen Arbeitsschritt entstehen.

Man muss miteinander sprechen: Architektinnen und Architekten mit Tragwerksplanenden, Planungsteams mit der Arbeitsvorbereitung, Fertigung mit Montage und alle miteinander auch über die spätere Nutzung und mögliche Rückbaubarkeit. Das war für mich der rote Faden der EASTWOOD.

Zum Kongress gehören deshalb ebenso die Begegnungen zwischen den Vorträgen. Besonders gefreut habe ich mich über das Treffen mit Matthias Winker von I.B.E. Solche Gespräche sind kein Beiwerk zum Fachprogramm. Sie helfen, Perspektiven abzugleichen und Gedanken aus den Vorträgen mit der Praxis zu verbinden.

Mein Fazit aus Leipzig: Holzbau wird nicht allein am Rechner besser. Gute digitale Werkzeuge, durchdachte Konstruktionen und echte Zusammenarbeit gehören zusammen. Die drei genannten Vorträge möchte ich später noch einzeln vertiefen, wenn das für euch interessant ist?

Für den Moment bleibt vor allem die Freude darüber, wie viele Menschen in der Branche mitdenken, hinterfragen und anpacken.

Mit zünftigen Grüßen, Silvan

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