Wenn die Hitze Kirchenglocken verstummen lässt
Genau das kann bei längeren Hitze- und Trockenperioden passieren. Der Grund dafür liegt nicht unbedingt bei den Glocken selbst, sondern einige Meter daneben: im hölzernen Glockenstuhl. Der am besten belegte konkrete Fall ist aktuell die Stadtpfarrkirche St. Walburga in Beilngries (Landkreis Eichstätt). Im August 2026 wurde dort das komplette Geläut mit acht Glocken vorübergehend abgeschaltet. Als Grund wurden ausdrücklich Veränderungen infolge der großen Hitze genannt. Die Anlage sollte stillgelegt bleiben, damit keine größeren Schäden entstehen.
Hitze lässt das Holz schwinden
Viele traditionelle Glockenstühle bestehen aus massiven Holzkonstruktionen. Wird es über einen längeren Zeitraum heiß und trocken, sinkt die Holzfeuchte. Das Holz trocknet weiter aus und schwindet.
Was bei einem einzelnen Balken zunächst nach einer kleinen Veränderung klingt, kann bei einer komplexen Konstruktion Folgen haben: Holzverbindungen können sich lockern und im schlimmsten Fall sogar lösen.
Gerade bei einem Glockenstuhl ist das nicht zu unterschätzen. Schließlich können einzelne Glocken zwei oder drei Tonnen wiegen. Beim Läuten kommen durch die Bewegung zusätzlich dynamische Belastungen auf die Konstruktion hinzu.
Im Zweifel müssen die Glocken schweigen
Werden durch das Schwinden Verbindungen locker, muss die Konstruktion kontrolliert werden. Kann die Anlage nicht ausreichend gesichert werden, kann es notwendig sein, die Glocken vorübergehend stillzulegen.
Dabei muss die Veränderung des Holzes nicht dauerhaft sein. Steigt die Luftfeuchtigkeit wieder, nimmt auch das Holz Feuchtigkeit auf und quillt. Dennoch gilt: Bei einer Konstruktion, die tonnenschwere und schwingende Bauteile trägt, geht Sicherheit vor.
Ein bekanntes Prinzip mit ungewöhnlichen Folgen
Für Zimmerer steckt hinter dem ungewöhnlichen Problem ein alltägliches Prinzip: Holz ist hygroskopisch. Ändert sich die Umgebungsfeuchte, verändert sich auch die Holzfeuchte – und damit verändern sich die Abmessungen des Holzes.
Bei normalen Holzkonstruktionen wird dieses Quellen und Schwinden bereits bei Planung und Ausführung berücksichtigt. Bei älteren Glockenstühlen können extreme und lang anhaltende Trockenperioden jedoch dazu führen, dass bestehende Verbindungen besonders aufmerksam kontrolliert werden müssen.
Dass das Thema relevant ist, zeigen aktuelle Berichte über hitzebedingte Einschränkungen bei Glockenanlagen. Gleichzeitig wird betont, dass solche Fälle zwar vorkommen, aber keineswegs jeden Glockenturm mit Holzkonstruktion betreffen.
Eine bekannte Eigenschaft mit großen Auswirkungen
Was für Zimmerer zum Grundwissen gehört, bekommt im Kirchturm eine ganz besondere Bedeutung. Hitze, Trockenheit und die damit verbundenen Veränderungen der Holzfeuchte können dort im Extremfall darüber entscheiden, ob die Glocken läuten dürfen oder schweigen müssen.
Ein spannendes Beispiel dafür, welche Auswirkungen das natürliche Arbeiten von Holz selbst bei jahrhundertealten Konstruktionen haben kann.
Habt Ihr schon einmal an einem Glockenstuhl gearbeitet oder ähnliche Auswirkungen durch starkes Schwinden von Holz erlebt?







