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Zimmerer-Treffpunkt
03.09.2020

Der Schacht der Rechtschaffenden Fremden

Bevor ein Geselle auf Wanderschaft geht, sollte er sich einem Schacht anschließen. Unser Kollege Christian wurde vom Schacht der Rechtschaffenden Fremden aufgenommen. Mehr zu der Rechtschaffenden Vereinigung, welche Regeln dort gelten und wie junge Zimmerer in die Gesellschaft aufgenommen werden, erfahrt Ihr in diesem Blog.
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Was ist ein Schacht?

Auf der Walz hat ein Geselle die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und berufliche sowie zwischenmenschliche Erfahrungen zu sammeln. Organisiert sind die reisenden Gesellen in Schächten. Ein Schacht ist eine Vereinigung von Handwerkern, die auf Wanderschaft sind oder waren. Diese Handwerkervereinigungen bestehen teilweise schon seit mehreren Jahrhunderten. In Schächten gibt es einen Ehrenkodex, der bei der Kleiderordnung, schwarzer Kluft und Ehrbarkeit anfängt und mit Verhaltensregeln in der Fremde aufhört.

Wanderschaft

Die Reisedauer eines Wandergesellen beträgt mindestens drei Jahre und einen Tag. Während dieser Zeit darf der reisende Geselle seinen Heimatort in einem Umkreis von fünfzig Kilometern – außer zu unabewendbaren Ereignissen – nicht bereisen. Der Fremdgeschriebene lernt auf seiner Reise im In- und Ausland andere Arbeitspraktiken und Baustile kennen. Durch den Kontakt mit der Bevölkerung wird sein Verständnis für andere Kulturen geweckt. Die Wanderschaft ist eine praxisnahe Lebensschule, die dem Gesellen ein gesundes Selbstvertrauen gibt, seinen Horizont erweitert und die berufliche Erfahrung vervielfältigt. Davon profitiert er sein ganzes Leben lang. 

Wer sind die Rechtschaffenden Fremden?

Die rechtschaffenden fremden Gesellen sind eine Vereinigung von gleichgesinnten Bauhandwerkern, die in die Welt hinausziehen, um sich mit den Bräuchen, Lebensgewohnheiten und Arbeitspraktiken anderer Menschen und Völker vertraut zu machen. Sie wollen sich in erster Linie auf praktische Weise in der Fremde weiterbilden und hierbei die zwischenmenschlichen Beziehungen auf Grundlage der Völkerverständigung pflegen. Sie sammeln somit ungezwungen und sicherlich auch unbewusst viel Erfahrung, wobei sie über alle Grenzen hinweg anhaltende Freundschaften schließen. Dabei werden auch die altüberlieferten Zunftgebräuche gepflegt. 

Der Zweck der Vereinigung

Die Vereinigung verfolgt unter anderem den Zweck: „Das Reisen den Gesellen der Bau- und Holzberufe (Zimmerer, Schieferdecker, Betonbauer und Tischler) nahe zu bringen, sie zu unterstützen und zu fördern, damit sie ihre handwerklichen Fähigkeiten weiter entwickeln können.“ Zusammenfassend lässt sich die Vereinigung so beschreiben: Sie ist eine über Jahrhunderte gewachsene zünftige Gemeinschaft, die alte Traditionen des Bauhandwerks pflegt und fortführt, mit dem Gedanken, das gesellschaftliche Miteinander zu fördern, das fachliche Können auszubauen und die eigene Persönlichkeit zu stärken. 

Wer wird in den Schacht aufgenommen?

Gesellen mit einer abgeschlossenen Ausbildung, die unverheiratet sind und das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben, sind willkommen. Es ist gleich welcher Religion, Nationalität oder politischer Anschauung man angehört. Der Anwärter muss die althergebrachten Regeln und Rituale annehmen, respektieren und bereit sein, sie zu leben. Hierbei geht es um die gegenseitige Achtung, Solidarität und gute handwerkliche Zusammenarbeit. Es gilt das Motto "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit". Wer sich damit identifizieren kann, ist bei den Rechtschaffenden Fremden richtig.

Wie wird man Rechtschaffender Geselle? 

Ein Handwerker, der die Absicht hat auf die Walz zu gehen, wendet sich an die seinem Aufenthaltsort nächst gelegene Gesellschaft. Dort lässt er sich vom Altgesellen und anderen Kameraden beim Gesellenabend aufklären. Ist er vom Fremdentum überzeugt, kauft er sich eine Kluft und nimmt an Gesellenabenden teil, um alles näher kennenzulernen. Steht sein Entschluss endgültig fest, so bindet er auf einem Gesellenabend ein. Die Ehrbarkeit wird ihm traditionell eingebunden. Somit ist er rechtschaffender Fremder mit allen Rechten und Pflichten. Er sollte noch ca. sechs Wochen in seiner Stadt bleiben, um sich mit den Riten ausführlich vertraut zu machen, um dann in die Welt hinauszuziehen. 

Bild: Rechtschaffende Gesellen bei der Herberge zu Hechingen mit der Herbergsfamilie 

Kontakt zu den Rechtschaffenden Fremden: Webseite mit Kontaktdaten

Quelle: Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen Deutschlands

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