Balkone als Holzkonstruktion
Umwelteinflüsse
Holz im Außenbereich ist vielen Faktoren ausgesetzt, die beispielsweise die Oberflächenstruktur verändern. So entstehen durch die UV-Einstrahlung und den Regen Verfärbungen, Schmutz kann Algenbewuchs verursachen und durch Feuchteschwankungen entstehen Risse und Verformungen. Die aufgezählten Punkte sind weiter keine Gefahr für die Konstruktion, wichtig ist es sicherzustellen, dass eine Wiederaustrocknung gewährleistet ist. Ist dies nicht der Fall, sind Schäden durch holzschädigende Pilze zu erwarten. Deshalb ist es schon bei der Planung solcher Objekte wichtig die allgemein anerkannten Regeln der Technik (Fachregel 02 - Balkone und Terrassen) zu berücksichtigen.
Gebrauchsklassen
Dabei ist zu beachten unter welchen Umständen ein Holzbauteil eingebaut wird. Um dies besser zu definieren gibt es in der Holzschutznorm DIN 68800-1 die Gebrauchsklassen 0 bis 5. In diese wird nicht generell eine Konstruktion eingeordnet, sondern einzelne Bauteile. Gerade bei Balkonen sind dabei erstmal zwei Klassen relevant:
- GK 3.1 Holz oder Holzprodukt nicht unter Dach mit Bewitterung, aber nicht ständigem Erd- oder Wasserkontakt, Anreicherung von Wasser im Holz – auch räumlich begrenzt – ist, aufgrund rascher Rücktrocknung, nicht zu erwarten. -> gelegentlich über 20 %
- GK 3.2 Holz oder Holzprodukt nicht unter Dach mit Bewitterung, aber nicht ständigem Erd- oder Wasserkontakt, Anreicherung von Wasser im Holz ist zu erwarten. -> häufig über 20 %
Auswahl der richtigen Holzart
Typische Beispiele für GK 3.1 sind beispielsweise senkrechte Stützen mit Abdeckung des Hirnholzes oder Geländerpfosten. Je nach Gebrauchsklasse sind auch entsprechende Holzarten zu verwenden, so ist in GK 3.1 zum Beispiel die Verwendung von Lärche und Douglasie möglich, ab GK 3.2 nicht mehr. Waagerecht angeordnete Konstruktionshölzer zum Beispiel werden generell erstmal der Klasse GK 3.2 zugeordnet, dann wäre nur noch die Verwendung besonders resistenter Holzarten wie Eiche oder Teak möglich.
Konstruktiver Holzschutz
Nach DIN 68800 ist der konstruktive Holzschutz das erste Mittel, um das Holz zu schützen, das Ziel dabei ist ein schnelles Ablaufen und Abtrocknen sicherzustellen. Die oben genannten waagerechten Hölzer in einer solchen Holzkonstruktion sind ein gutes Beispiel für den konstruktiven Holzschutz, durch bestimmte Maßnahmen kann man die Einordnung in eine geringere Klasse ermöglichen. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit eine Abdeckung aus Blech oder bituminösen Abdichtungsbahnen anzuordnen. Zudem sollte das Hirnholz durch ein Schutzblech oder ein Abdeckbrett geschützt werden, ist dies gewährleistet ist eine Einordnung in GK 3.1 möglich. Wenn der Balkon jetzt als geschlossene Konstruktion, also mit einer Abdichtung, geplant ist, sind die waagerechten Hölzer sogar möglicherweise GK 0 zuzuordnen. Genauso bei komplett überdachten Bauteilen. Weitere Punkte die zu beachten sind:
- Ein häufiger Grund für Schäden ist zudem die Wasseransammlung in Zapfenlöchern o.ä., aus diesem Grund sind Zimmermannsmäßige Verbindungen wie Blätter, Zapfen, Versätze oder auch Holznägel ausschließlich in den Gebrauchsklassen GK 0 und GK 1 anzuordnen.
- Senkrechte Pfosten sind zu Zuordnung in GK 3.1 mit einem ausreichenden Abstand der Hirnholzfläche zum Boden herzustellen. Dieser muss mindestens 30 cm betragen, kann aber durch eine Kiesschüttung auch auf 15 cm reduziert werden. Hierbei ist auch zu beachten, dass Keilzinkenstöße schon bei überdachten Konstruktionen im Außenbereich (GK 0 aber Nutzungsklasse 2) nicht zulässig sind, da dort die Gefahr der Auffeuchtung besteht.
- Bei bewitterten Verbindungen zwischen zwei Bauteilen ist ein Mindestabstand von 6 mm zwischen den Bauteilen zu beachten.
- Holzbeläge sind grundsätzlich der Gebrauchsklasse GK 3.2 zuzuordnen, da es über einen längeren Zeitraum zu Staunässe kommen kann. Bei gerillten Profilen allerdings, kann es zu Schmutzablagerungen kommen, daher ist hier auch GK 4 möglich. Wichtig sind Fugen von ca. 6 bis 10 mm auszuführen, auch an den Stößen der Bretter. Denn durch die äußeren Einflüsse und der Feuchtigkeitsschwankungen sind Quell- und Schwindveränderungen zu erwarten.
Fachregeln des Zimmererhandwerks
All das ist von Holzbau Deutschland, dem Bund Deutscher Zimmermeister, in einer von zwei Fachregeln festgehalten, der Fachregel „Balkone und Terrassen“. In dieser finden sich einige Detailvorschläge und Konstruktionsmöglichkeiten. Gerade bei der Planung eins Holzbalkons ist es zu empfehlen nochmal genauer in die Fachregel zu schauen und dementsprechend zu konstruieren. Wie schon im Artikel über die Flachdachkonstruktionen ist dies hier nur ein kurzer Informationstext mit nur wenigen wichtigen Punkten und soll darauf aufmerksam machen, dass es eben einiges zu beachten gibt.
Weiterführende Informationen und Quellen:
- Fachregeln Balkone und Terassen (kostenpflichtig)
- Zeichnung erstellt mit SEMA Software
- Bildquelle: @max_macgyver




Moin, Holzbalkone sind ja schön anzusehen nur würde ich mir Persönlich keinen reinen Holzbalkon hinstellen. Ich bin jetzt 25 Jahre Zimmerer und habe noch keine, für mich, zufriedene Lösung für ein richtig gute Konstruktion gefunden. Ich würde das tragende Gerüst in Stahl und den Belag in Holz errichten.