Baustelle
Martin Pichler
10.06.2026

Wie aus einer denkmalgeschützten Scheune ein Wohnhaus wurde

Denkmalgeschützte Gebäude, denen neues Leben eingehaucht wird, sind immer etwas Besonderes. Hier sind Einblicke in eine Baustelle in der Schweiz, auf der wir eine denkmalgeschützte Scheune zu einem Wohnhaus umgebaut haben.
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Um 1850 erbaut

Zum Trocknen und Lagern von Stroh und Heu, sowie zur Schweine- und Kuhhaltung wurde die Scheune um 1850 in Eidberg bei Winterthur in der Schweiz erbaut. Etwa 20 Jahre später kam, um zusätzlichen Lagerplatz zu schaffen, eine Brügi- Rundholzbalkenlage dazu. Dieser Boden besteht vollflächig aus Rundholz mit 10 bis 16 cm Durchmesser. Im Erdgeschoss wurde ein Fleckbau als Trennwand erstellt, um den Lagerplatz von der Stallung zu trennen. Der Fleckbau besteht aus horizontal aufeinandergeschichteten Balken, die zwischen Pfosten eingefügt wurden. Dadurch entstand die nötige statische vertikale Scheibe, um horizontalen Schubkräften entgegenzuwirken.

Über 150 Jahre später war die Scheune längst denkmalgeschützt. Abreißen und ein neues Haus auf das Grundstück stellen, kam also nicht in Frage. Somit sollte die Scheune nochmals ein neues Leben bekommen. Der Umbau zum Wohnhaus begann im Oktober 2025.

Zunächst musste alles Unnötige aus der Scheune geräumt werden, um Platz für die provisorische Abfangung des gesamten Gebäudes zu schaffen. Der Brügi-Boden wurde ausgebaut, gebürstet und für den Wiedereinbau besäumt.

Kernsanierung der Statischen Struktur

Spannend war der Moment, in dem die Scheune angehoben und ausgerichtet wurde.Nun ging es zum schwierigsten Teil des Umbaus: Um die Statik zu gewährleisten, musste eine vollflächige Betonplatte in zwei Etappen unter das Gebäude eingegossen werden. Dafür musste das gesamte Gebäude auf provisorische Rundbalken – wie auf Stelzen - gestellt werden. Dazu waren diverse provisorische Verstrebungen nötig.

Eine weitere Herausforderung war es, genug Platz für den Bagger zu schaffen, der den Aushub im bzw. unter dem Gebäude vornahm. Etappenweise wurde das Gebäude schließlich auf das neue Fundament zurückgestellt. Während dieser Bauphase blieb sowohl die alte Fassaden-Holzschalung am Gebäude als auch das Dach eingedeckt. Das Ziegel-Gewicht wirkte sich positiv auf die Druckverteilung der Holz-Tragkonstruktion aus, was dem Gebäude Stabilität brachte. All dies erforderte von uns Zimmerern von der Arbos AG vor Ort ein großes Verständnis für die Statik. 

„Ersatzteile“ aus weiterer Scheune

In weiteren Etappen wurden diverse statische Scheiben in den bestehenden Außenwänden und neuen Geschossdecken eingebaut. Da alles in Bewegung und instabil war, gab es für uns Zimmerleute immer wieder neue Herausforderungen. Diverse alte Balken im Sichtbereich wurden mit Altholz-Balken ersetzt oder ausgebessert. Auch mussten neue Altholz-Balken angeschafft werden. Dafür wurde eine weitere nicht mehr genutzte Scheune in der Region zurückgebaut.

Die Holzverbindungen wie Verzapfungen, Versätze und Ausblattungen wurden wie früher mit selbstgemachten Holznägeln verbunden und zusätzlich mit Vollgewindeschrauben stabilisiert. Nach dem Ausrichten des Gebäudes wurden die Balken wieder an ihre ursprünglichen Positionen gebracht - alle Holzverbindungen haben wieder perfekt ineinandergepasst.

Zum Fleckbau:

Von der ursprünglichen Vollholzwand bestand nur noch die Schwelle, mit Ausfachung für eine Türe und Zapfenlöcher für Pfosten. Daraus konnte geschlussfolgert werden, wie der Fleckbau aufgebaut war. Die ganze Wand mit Tür und alten Türbeschlägen wurde 1:1 in der Werkstatt wiederhergestellt. Diese vor Ort einzubauen war ein Kraftakt, da die die Tür ziemlich schwer und kein Kraneinsatz möglich war.

Allein die Wände im Senkel aufzustellen, war gar nicht so einfach, ganz abgesehen vom Dachstuhl, wo die neuen Sparren auf die alten Pfetten passen mussten.

Innenausbau mit Lehm und Gipsfaserplatten

Der Innenausbau des Wohnhauses besteht aus Gipsfaserplatten und Lehmbau. Die Dämmung ist mit Holzflexplatten oder Zellulose im Schlauchverfahren ausgeführt. Wenn möglich, wurde Holz aus der Region benutzt. Die Verkleidung der Fassade ist eine Deckleistenschalung aus unbehandelter Weißtanne. Ein Teil der Fassade wurde mit der alten bestehenden Schalung verkleidet. Aus denkmalgeschützten Gründen mussten die großflächigen Fenster teils mit offener Wandschalung und beweglichen Schalungsbrettern abgedeckt werden.

Zufriedene Eigentümerin

Die Eigentümerin und Architektin ist begeistert vom Ergebnis, war sie doch am Anfang des Umbaus noch ziemlich unsicher, ob alles umsetzbar sein wird. Ein Wohnhaus mit so viel Geschichte gibt es selten.

Hast Du auch schon mal auf einer ähnlichen Baustelle gearbeitet? Schreib es gerne in die Kommentare!

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7 Kommentare
Thomas Truog
08.07.2026

Spannend und sinnvoll - bestehende Substanz einer neuen Verwendung zuführen. (siehe auch persönliche Nachricht)

Paul Schier
28.06.2026

Geiles Teil🪵🔥

Martin Pichler
28.06.2026

Herzlichen dann 

 

Martin Pichler
25.06.2026

Danke wolfgang

Wolfgang Finke
25.06.2026

Der Umbau der Scheune ist super geworden! Ganz mein Geschmack. Super Leistung 😃 

Martin Pichler
14.06.2026

Danke schön

Kai Merkle
14.06.2026

Saubere Arbeit 👍 

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