Das "Selbstkompostierende Flachdach"
Gründe für ein Flachdach
Das Flachdach, bei Architekten und Bauherren immer sehr beliebt. Dabei spielen nicht nur architektonische Aspekte eine Rolle, sondern auch Vorteile bei der Raumnutzung o.ä. Wenn dann die Entscheidung auf ein Flachdach fällt liegt eine Ausführung in Holzbauweise nahe. Die Holzbauweise bietet hier aufgrund des geringen Eigengewichtes, der schnellen Montage und der geringeren Konstruktionsdicke durch die Möglichkeit der Zwischensparrendämmung einige Vorteile. Doch gerade eine unbelüftete Ausführung sollte gut durchdacht und von Profis geplant sein. Bei falscher Ausführung ist das Risiko von Schäden sehr hoch.
Typ III als Sonderkonstruktion
Neben der Unterscheidung zwischen belüfteten und unbelüfteten Konstruktionen, unterscheidet man die Unbelüfteten noch in drei Typen:
· Typ I Wärmedämmung oberhalb der Tragebene (Aufdachdämmung)
· Typ II Wärmedämmung in der Tragebene mit Überdämmung
· Typ III Wärmedämmung ausschließlich in der Tragebene (Sonderkonstruktion)
Die dritte Variante war jahrelang die meistverbreitete Ausführung. Über die Jahre haben sich dabei viele Probleme und Schäden gezeigt, da die Konstruktion mit ausschließlich Zwischensparrendämmung durch eine einzige Abdichtungsebene nur eine geringe Fehlertoleranz hat und sie durch Holztragwerk und Schalung im Kaltbereich sehr tauwassergefährdet ist. Somit wurde sie mittlerweile als Sonderkonstruktion eingestuft, dabei sollte die Ausführung durch ein Qualitätsmanagement überwacht werden und eine Hygrothermische Berechnung als Feuchteschutznachweis ist zwingend notwendig.
Schäden nach wenigen Jahren
Immer wieder hört man von ähnlichen Fällen: Eine Flachdachkonstruktion aus Holz, der Kunde klagt über Feuchtigkeitseindrang. Natürlich wird dabei zuerst die obere Abdichtung ins Auge gefasst, da dringt doch sicher Wasser von außen ein. Fehler vom Dachdecker? Könnte man annehmen, doch meistens sieht es dabei ganz anders aus: Öffnet man die Konstruktion findet man stehendes Wasser auf der raumseitigen Dampfbremsfolie, die Schalung gleicht bei der Begehung einer Wiese nach tagelangem Regen und erste Pilzkulturen sind erkennbar. Dämmung ist nass und die Balken gerissen, ein Eigenleben hat sich da zwischen den Abdichtungen entwickelt. Natürlich ist das nicht bei jeder dieser Konstruktionen der Fall, aber es kommt doch sehr häufig vor und meist liegen nur wenige Jahre zwischen Fertigstellung und diesem Befund.
Woher kommt die Feuchtigkeit?
Hier kommen einige Faktoren zusammen, neben Witterungseinflüssen (u.a. bei der Montage), Baufeuchte, Materialfeuchte und Dampfdiffusion ist vor allem der konvektive Feuchteeindrang infolge von Leckagen ein großes Problem. Bei der Planung sollte immer bedacht werden, dass die optimale Situation in der Planung nicht der auf der Baustelle entspricht. Abgesehen davon, dass eine Ungenauigkeit beim Einbau schnell passiert ist, werden gerade Gewerks übergreifende Details zum Problem. Wer kennt es nicht, es wird penibel auf eine saubere Luftdichtigkeitsebene geachtet, alles abgeklebt und dann kommt der Elektriker o.ä. und zieht einfach unbedacht Kabel dadurch. Nicht falsch verstehen, das ist natürlich nicht der Normalfall, aber es kommt vor. Betrachtet man dazu passend dann man Werte aus Simulationen solcher Leckagen sieht man, dass bei einer Druckdifferenz von gerade einmal 5 Pascal und einer Fugenbreite von 1 mm die tägliche Konvektion an Wasser 200 g pro 1 m Fuge beträgt. Alles Feuchtigkeit die in der Konstruktion eingesperrt ist… Im Steildachbereich gibt es natürlich genauso Feuchtigkeitseindrang, hier wird allerdings nach außen hin diffusionsoffen gebaut und die Feuchtigkeit kann entweichen. Im Flachdachbereich ist dies nicht der Fall, meist ist die Dampfbremse Folie auf der Raumseite viel zu dicht und die äußere Abdichtung sowieso. Es werden also organische Stoffe in einer feuchten Umgebung eingepackt, ohne das diese entweichen kann. Um sich das anschaulich vorstellen zu können, man denke an eine Brotdose in der das Butterbrot wochenlang vergessen wird.
7 Goldene Regeln
Möchte man nun trotzdem ein unbelüftetes Flachdach konstruieren, sollte immer ein Nachweis des Feuchteschutzes erfolgen. Dabei ist eine hygrothermische Berechnung mit einer Simulation des Feuchteverhaltens empfehlenswert. Beachtet man die 7 goldenen Regeln (Kongress „Holzschutz und Bauphysik“ in Leipzig 2011) kann eine solche Konstruktion auch nachweisfrei ausgeführt werden:
- Mindestens 2° Dachneigung
- Dunkle, unverschattete Oberfläche
- Keine Deckschichten wie bspw. Terrasse, Dachbegrünung (-> ansonsten Simulation)
- Feuchtevariable Dampfbremse
- Keine Hohlräume -> voll ausgedämmte Gefache
- Geprüfte Luftdichtigkeit („Blower-Door-Test“)
- Trockenheit der Schalung und der Tragwerksbalken
Der raumseitigen Dampfbremse kommt bei solchen Konstruktionen eine besondere Bedeutung zu. Sie soll so diffusionsdicht wie nötig sein, um die Tauwassermenge zu begrenzen und gleichzeitig so diffusionsoffen wie möglich sein, um eine hohe Verdunstung zum Raum hin zu gewährleiste und somit das Potenzial zur Rücktrocknung im Sommer zu erfüllen. Jahrzehntelang wurden auf der Raumseite Folien verbaut, deren sd-Wert weit über 10m lag, dies entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Empfohlen wird eine feuchtevariable Dampfbremse.
Natürlich lässt sich ein so komplexes Thema nicht in dieser Kürze abhandeln, aber vielleicht konnte so ja mal ein kleiner Einblick und ein wenig Sensibilisierung zu Flachdächern in Holzbauweise geschaffen werden. Empfehlenswert ist immer eine Simulation der Konstruktion!
Weiterführende Informationen:

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort Herr Bühler! Ich habe versucht das doch nicht ganz einfache Thema mal in aller kürze darzustellen - natürlich geht das nicht in die nötige Tiefe. Ich hoffe einfach, dass es da überhaupt mal drauf aufmerksam macht, genauere Infos gibt es natürlich bei euch!
Hallo,
die Schrift zu den Flachdächern des INFORMATIONSDIENST HOLZ beitet euch ja viele Fakten! Wichtiger Inhalt der Broschüre sind neben den flachdachspezifischen Erläuterungen der zahlreichen Planungsgrundlagen für Wärmeschutz, Feuchteschutz sowie Brand- und Schallschutz die Darstellung von funktionierenden Bauteilaufbauten einschließlich ihrer Bewertung in Bezug auf die genannten bauphysikalischen Eigenschaften. Hierbei spielt der Feuchteschutz insbesondere bei den nicht belüfteten Flachdachtypen eine besondere Rolle.
Dsa kann natülich in einem kurzen Artikel nicht alle zur Geltung kommen können. Ich möchte aber den letzten Punkt ein bisschen korrigieren. Die 7 Goldenen Regeln wurden vor Einführung der derzeit geltenden DIN 68800 von namhaften Bauphysikern aufgestellt. Die Problematik dieser Dächer wurde im Übrigen schon in der Vorgängerschrift des INFORMATIONSDIENST HOLZ im Oktober 2008 beschrieben. Seit der Einführung der DIN 68800 gilt aber nun follgendes im Bezug zu diesen problematischen Dächern des Typs 2.
Eine nachweisfreie Konstruktion von Flachdächern mit der Wärmedämmung ausschließlich in der Tragebene sind Sonderkonstruktionen und sind NICHT zu empfehlen. Diese Konstruktion sind eigentlich NUR mit einer hygrothermischen Berechnung als Feuchteschutznachweis möglich. Im Anhang A der DIN 68800 wird in Bild A.20 eine nachweisfreie Konstruktion aufgezeigt. Hiert wird neben weiteren Vorgaben (die denen der 7 Goldenen Regeln sehr ähneln) aber gefordert:
"Die Verschattungsfreiheit muss baurechtlich auf Dauer sichergestellt werden." Das ist eigentlich kaum umsetrzbar, sodass diese Konstruktion nicht ausführbar ist.
Solltet Ihr Fragen zu diesem Thema oder auch andere Fragestellungen haben, dürfen sich alle Ratsuchende gerne direkt an den INFORMATIONSDIENST HOLZ wenden:
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Telefon: (030) 57 70 19 95
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Die Fachberatung Holzbau des INFORMATIONSDIENST HOLZ leistet individuelle und firmenneutrale Hilfestellung beim Planen und Bauen mit Holz - von prinzipiellen Fragen beim Gebäudeentwurf bis zum Detail in der Ausführung. Das können technische Eigenschaften von Bauprodukten, baurechtliche Belange, konstruktive und statische Fragestellungen oder bauphysikalische Zusammenhänge sein.
Architekten und Ingenieure, öffentliche und private Bauentscheider, Lernende und Lehrende sowie Medienvertreter erhalten hier qualifiziert und unbürokratisch Auskunft von Fachleuten, deren Wissen auf dem aktuellen Stand ist.
Dieser Service ist kostenfrei. Man muss darauf hinweisen, dass durch seine Inanspruchnahme ein Auskunftsvertrag nicht zustande kommt. Die Berater erteilen die kostenlosen Auskünfte nach bestem Wissen, gleichwohl kann keine Haftung für deren Richtigkeit übernommen werden. Für verbindliche Auskünfte muss man sich an die entsprechenden Berufsträger wenden.
Die Fachberatung Holzbau des INFORMATIONSDIENST HOLZ ist ein Service des Holzbau Deutschland Instituts in Kooperation mit dem Informationsverein Holz. Finanziell ermöglicht wird sie durch Förderpartner Deutscher Holzbau, Holzbau Deutschland Leistungspartner, Holzbau Deutschland und Landesverbände, Informationsverein Holz, Landesbeirat Holz Niedersachsen, proHolz Bayern, proHolz NRW sowie den Verband niedersächsischer Zimmermeister.