Die erste Frau in der Zimmerer-Nationalmannschaft
"Als Teammitglied möchte ich zeigen, dass es ganz normal ist als Frau im Zimmererhandwerk zu arbeiten", sagt Katja M. Wiesenmüller. Fotos: Florian Braun
Steckbrief von Katja M. Wiesenmüller
Alter: 21
Zimmerer-Gesellin
Hobbys: Fußball und Tennis spielen, Segeln, Skifahren
Du bist die erste Frau in der Zimmerer-Nationalmannschaft. Was bedeutet’s dir?
Katja M. Wiesenmüller: Es ist eine besondere Ehre. Als Teammitglied möchte ich zeigen, dass es ganz normal ist als Frau im Zimmererhandwerk zu arbeiten – da kommt es nicht aufs Geschlecht an. Wir können die gleiche Leistung bringen wie Männer! Ein Beispiel: Um in die Nationalmannschaft zu kommen, musste ich mich genauso bei Wettbewerben durchsetzen wie meine fünf Teamkollegen.
Wie schwer war es, ins Team zu kommen?
Der erste Schritt: Mit meiner Gesellenprüfung war ich die Beste in der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und habe danach den Landesentscheid Niedersachsen gewonnen. Dann ging es zur Deutschen Meisterschaft 2019 in Rostrup/Bad Zwischenahn, dort habe ich den 3. Platz belegt.
Zu diesem Wettbewerb kam auch der stellvertretende Leiter der Zimmerer-Nationalmannschaft Andreas Großhardt. Am Abend der Siegerehrung hat er mich angesprochen, ob ich es mir vorstellen könnte Mitglied des Teams zu werden. Eigentlich hatte ich mich schon für die Meisterschule angemeldet, aber diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen!
Warum bist du Zimmerin geworden?
Bei einem Test vor meinem Abitur stellte sich heraus, dass der Beruf Bootsbauerin zu mir passen würde. Aber auf diesem Gebiet habe ich keinen Ausbildungsplatz bekommen. Ich habe dann zwischen Zimmerin und Tischlerin geschwankt - das Handwerk liegt bei mir in der Familie, schon mein Opa war Tischler und mein Vater ist selbstständiger Elektriker.
Meine Entscheidung ist gefallen, als ich beim Hausbau meiner Eltern mitgeholfen habe, denn beim Dachausbau habe ich meinen heutigen Chef kennengelernt. Ursprünglich habe ich auch überlegt Bauingenieurwesen oder Architektur zu studieren, aber an der Uni hätte mir einfach der Praxisbezug gefehlt.
Zurück zum Nationalteam - welche Vorteile hast du als Mitglied?
Der größte Vorteil ist, dass man viele Erfahrungen sammelt, zum Beispiel Dachmodule baut, die sehr tückische Stellen haben. Das bringt mich weiter, wenn ich noch die Meisterschule besuche. Unsere Trainer haben echt was drauf, da habe ich großen Respekt! Außerdem werden wir bei Trainingslagern von unseren Holzbau Deutschland-Leistungspartnern finanziell unterstützt, so dass wir uns gut auf die internationalen Wettbewerbe vorbereiten können. Und ich finde es schön, dass ich meinen Beruf präsentieren darf.
Auf jeden Fall. Und wie ist aktuell die Stimmung in eurem Team?
Wegen der Corona-Pandemie sehen wir uns momentan nicht so oft, da einige unserer Trainingslager leider ausgefallen sind. Auch die geplante Europameisterschaft in Klagenfurt im September wird nicht stattfinden. Darüber bin ich natürlich traurig. Mal schauen, auf wann sie verschoben wird, und ob ich noch daran teilnehmen kann. In den folgenden Jahren kann ich nämlich wegen der Altersgrenze eventuell nicht mehr an einer EM teilnehmen.
Wir drücken die Daumen! Einige Trainingslager konnten heuer aber stattfinden, wie in Bühl und auf der Messe DACH+HOLZ – wie verläuft ein typischer Trainingstag?
Das sind sehr anstrengende Tage. Wir trainieren meist von morgens bis abends, manchmal auch mit Open End. Das gehört dazu und macht auch Spaß. Wir wollen die Zeit zusammen optimal nutzen. Danach gehen wir noch was essen und trinken mal ein Bier zusammen – so lernt man auch voneinander und erzählt, wie die Arbeit im Heimatbetrieb abläuft. Ich komme aus einem eher kleinen Betrieb, deshalb ist es interessant zu hören, wie es in anderen Betrieben zugeht.






Ich habe den größten Respekt von allen Frauen, die im Zimmerer Handwerk arbeiten. Obwohl es glaub immer noch mehr Männer als Zimmerer arbeiten, finde ich es sogar wichtig, dass sie die Chance bekommen, weil es erstens einen neuen Wind und Sichtweiße geben, und zweitens auch das Zeug dazu haben, den Meister oder das hier zu machen. Ich selbst habe in meiner Klasse 2 Mädchen, die auch was draufhaben, nicht nur wir Männer. Wie schon gesagt, finde iches richtig schön, dass sie es bis dahin geschafft hat und wünsche ihr alles Gute
Gruß
Jan
Hallo,
es ist auf jedenfall eine Bereicherung in der Nationalmannschaft zu sein.
Das erlernte und vor allem die Kontakte die man hier Knüpft sind Gold Wert im späteren Arbeitsleben.