Zimmerer-Treffpunkt
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27.03.2026

Ein Opel-Blitz aus Holz – wie in der JVA Attendorn Fahrzeuge originalgetreu nachgebaut werden

Ihr feiert originalgetreue Holzfahrzeuge genauso sehr wie wir! Zuletzt haben wir euch einen VW T1 Samba gezeigt. Diesmal dürfen wir Euch einen Opel-Blitz vorstellen. Und das nur, weil uns der Baumeister des Bullis nach Veröffentlichung unseres Blogs kontaktiert hat.

Im Dezember haben wir Euch den VW T1 Samba aus Holz, der über Umwege im Café Mauerwerk in Minden ein Zuhause gefunden hat, vorgestellt. Wenige Wochen nach Veröffentlichung auf unserem Blog hat sich Ludger Schröder bei uns gemeldet. Er war es, der den Holz-Bulli gemeinsam mit Häftlingen der JVA Attendorn gebaut hat. Sein Sohn und kurz darauf auch einige Kollegen, haben ihn auf unseren Beitrag aufmerksam gemacht. Wir haben mit dem Baumeister gesprochen und haben spannende Einblick in seine Arbeit und in weitere Holz-Fahrzeugprojekte bekommen. 

Schreinermeister in der JVA

Ludger Schröder ist Schreinermeister und Justizvollzugsbeamter in der JVA Attendorn. Dort leitet er die Spielzeugwerkstatt und Arbeitstherapie, in der Häftlinge des offenen Vollzugs arbeiten. Die JVA hat einen kleinen geschlossenen und einen großen offenen Vollzug. Alle Insassen sind verpflichtet, zu arbeiten. In Schröders Obhut sind meist zwischen zehn und 30 Häftlinge, pro Jahr insgesamt zwischen 100 und 150.

Die Selbstständigkeit sei nach dem Meisterbrief für Schröder nicht in Frage gekommen. Also habe er noch die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten gemacht. „Auch wenn ich das am Anfang selbst nicht geglaubt habe, das ist genau das, was ich machen möchte“, sagt er. Hier könne er kreativ sein und seine Ideen ohne finanziellen Druck umsetzen. 

Normalerweise stelle er mit den Häftlingen hauptsächlich Holzspielzeug (https://www.jva-attendorn.nrw.de/aufgaben/arbeit_ausbildung/arbeitsbetriebe/at-holz/Produktkatalog2025.pdf) her. Mittlerweile hat sich Schröder mit seinem Team und den Häftlingen aber schon dreimal an eine 1:1-Fahrzeug-Nachbilung aus Holz gewagt. 

Ein Lanz-Bulldog war das erste Fahrzeug

Schröders Amtsvorgänger habe die Idee zum ersten Projekt, einem Lanz Bulldog, gehabt. Es sollte ein gemeinsames Projekt zum Abschied und Einstand werden und die Öffentlichkeit auf die Arbeit der JVA aufmerksam machen. Der Holz-Bulldog kann heute im Motorenmuseum Heitmann in Warendorf besichtigt werden.

Der VW T1 Samba war das dritte Holzfahrzeug-Projekt in der JVA Attendorn. „Es stimmt nicht ganz, dass der Bulli auf dem Dachboden verstaubt ist“, sagt Schröder und berichtigt damit unseren Bericht. Er habe nämlich zahlreiche Messen und Stationen erlebt, bevor er versteigert wurde.

Umso mehr habe er sich gefreut, als er den Blogbeitrag vom Zimmerer-Treffpunkt  gelesen habe. Dass der Bulli nun im Café Mauerwerk in Minden einen würdigen Stellplatz bekommen hat und dort von vielen Menschen gesehen wird, sei großartig. Ein Besuch im Café habe sich Schröder schon fest vorgenommen.

Auf die Menschen kommt es an

Zwischen Bulldog und Bulli, von 2002 bis 2004, wurde in der Spielzeugwerkstatt in der JVA Attendorn schließlich ein Opel-Blitz aus Holz gefertigt. Auf den ist Ludger Schröder besonders stolz. Das Fahrzeug ist in der JVA ausgestellt. Leider bekommen ihn dort nur einmal im Jahr die Besucher des Adventsmarktes zu sehen, bedauert Schröder. Es habe sogar schon Überlegungen gegeben, ihn in eine Glasvitrine vor der JVA zu platzieren. 

Entscheidend für ein gelungenes Projekt seien die Häftlinge, mit denen die Projekte umgesetzt werden. Schröder brauche jemanden, der die ganze Zeit an einem Fahrzeug arbeite und Verständnis für das Handwerk habe, sonst funktioniere es nicht. Und genau solche Häftlinge gebe es nicht oft. Außerdem sei die Zeit im offenen Vollzug meist auf maximal 24 Monate begrenzt. 

Beim Opel Blitz habe Schröder das Glück gehabt, einen talentierten und engagierten Häftling zu haben, der mit viel Herzblut bei der Sache war. Dieser Inhaftierte leitete das Projekt federführend. So konnte eine gleichmäßig gute Qualität gewährleistet werden. Zudem war er Opel-Fan und leidenschaftlicher Modellbauer – perfekte Voraussetzungen also.

Original-Pläne der Fahrzeughersteller

Für alle drei Fahrzeuge habe Schröder Originalpläne der jeweiligen Fahrzeughersteller bekommen und sich immer wieder mit ihnen ausgetauscht. 

Von der Adam – Opel AG haben Schröder und sein Team eine Vielzahl von Fotos, Kopien von Originalzeichnungen und Maßtabellen bereitgestellt bekommen. Im Januar 2004 konnte dann ein originaler Opel – Blitz in Ibbenbüren bei der Fa. Brinkmann Transporte besichtigt und etwa 100 Mal fotografiert werden.

Über 6000 Teile in 4565 Stunden

Insgesamt stecken in dem Opel-Blitz 4565 Arbeitsstunden von 13 Inhaftieren, die von zwei Beamten angeleitet wurden. Er besteht aus 6183 Einzelteilen, für die 6,3 m3 Massivholz (Lärche, Buche, Sipo und Eiche) sowie 9,56 m2 Sperrholz verbaut wurden. Zusätzlich kamen 147 lfm Rundholz (Dübelstangen und Schrauben) zum Einsatz. Zusammengehalten wird der Opel-Blitz von 130 Holzschrauben. Besonders bemerkenswert ist, dass für das gesamte Fahrzeug nur 14 Metallteile benötigt wurden – fünf Federn für die Türen und Pedale sowie neun Bolzen in den Getrieben. Das fertige Fahrzeug bringt stattliche 854 kg auf die Waage. Es ist 570 cm lang, 194 cm breit und 190 cm hoch – genau wie das Original. Zudem kann der Opel-Blitz einfach zerlegt und transportiert werden. 

Ein Faible für Fahrzeuge der 50er Jahre

Die Modell-Auswahl hat Ludger Schröder nie ganz zufällig getroffen. Er sei ein Fan von 50er-Jahre-Fahrzeugen, gibt er zu. Beim Opel-Blitz sollte es zudem ein großes Fahrzeug sein, das beeindrucken sollte. Außerdem war es das Lieferfahrzeug, dass die Krombacher Brauerei in den 50ern genutzt hatte, erklärt Schröder. Die Brauerei ist nur wenige Kilometer von der JVA Attendorn entfernt. 

Pläne für nächstes Projekt, ein Mercedes SL 190 Cabrio, stehen

Wenn es die Umstände zulassen, würde Schröder gerne noch einen weiteren Holznachbau umsetzen. Die Pläne für ein Mercedes SL 190 Cabrio stehen schon. Ein paar Jahre habe er noch bis zur Rente und die Pläne seien schon gemacht. Wenn es soweit ist, berichten wir natürlich gerne wieder darüber.

Fotos: Ludger Schröder, JVA Attendorn

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2 Kommentare
Paul Schier
28.06.2026

Krasse Kunst die dort steht 🔥

Marcus Gehrling
21.04.2026

Moin,

super Projekte.

Wir haben schon bei dem Artikel über den T1 andächtig gestaunt und sind gespannt auf euer neues Projekt.

Viele Grüße an den Kollegen in der JVA Attendorn von den Zimmerern aus der "Festung Ziegenhain" (JVA Schwalmstadt)

 

 

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