Weltfrauentag: "Jenni vom Dach" ist Handwerkerin, Mama und Powerfrau
Zwischen Baby und Baustelle
Auch Jennis Tag hat nur 24 Stunden. Was sie in dieser Zeit alles schafft, ist bemerkenswert. Die 27-jährige Jenniffer Kirschbaum-Konsek, besser bekannt als Jenni vom Dach, ist Mutter einer fast vier Monate alten Tochter. Alleine das ist ein Vollzeitjob. Jenni ist aber auch Spenglermeisterin im Betrieb ihres Vaters, den sie bald übernehmen wird. Die Übergabe ist in vollem Gange. Zwischen Stillen, Wickeln und Spielen übernimmt sie Büroarbeiten und arbeitet sich in verschiedenste Themen ein. Ein, zwei oder sogar drei Jahre Elternzeit? Fehlanzeige. Im April möchte sie wieder auf den Dächern von München und Umgebung stehen.
Von der Aushilfe zur Meisterin
Nach der Schulzeit sei sie sich unsicher gewesen, welcher Beruf der Richtige sei, erzählt sie uns. Ihr Vater, ein Dachdeckermeister, habe ihr dann angeboten, eine Zeit lang als Aushilfe im Betrieb mitzuarbeiten und Baustellenluft zu schnuppern. Das war im Februar 2015.
„Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Spaß macht“, sagt sie. Im September des gleichen Jahres hat sie ihre Ausbildung angefangen und diese 2018 abgeschlossen. Ein Jahr später ging es auch schon auf die Meisterschule.
Seit 2020 ist Jenni Spenglermeisterin im Betrieb des Vaters. „Ich leite eigene Baustellen und werde den Betrieb in den kommenden Jahren übernehmen“, sagt sie. Die Betriebsübergabe sei bereits in vollem Gange. Derzeit ist Jenni gemeinsam mit einem Freund der Familie angestellte Geschäftsführerin.
Rollenbilder verschwimmen
„Ich habe meinem Papa früh genug von meinen Familienplänen erzählt“, sagt Jenni. Ein „entweder – oder“ habe es für sie nie gegeben. „Ich habe zum Glück eine sehr entspannte Tochter“, sagt sie. Auch ihr Mann unterstütze sie, wo er kann und geht im April, wenn Jenni wieder aufs Dach steigt, in Elternzeit. Und wenn der Betrieb einmal übergeben ist, dann habe ja auch der Opa mehr Zeit, sagt sie schmunzelnd.
Die Zeiten, in denen Frauen wie selbstverständlich zuhause bleiben, seien zum Glück vorbei. Männer übernehmen immer mehr Aufgaben rund um die Kindererziehung und können sich Elternzeit nehmen, ohne schief angeschaut zu werden.
Natürlich müsse man sich rechtzeitig Gedanken machen, wie Familie und Beruf gemeinsam funktionieren können, aber es sei möglich, wenn alle an einem Strang ziehen.
Auch mal ins kalte Wasser springen
Mit Gegenwind und Vorurteilen wegen ihres Geschlechts habe Jenni bisher wenig kämpfen müssen. „Ich weiß, dass andere Frauen da leider schlechtere Erfahrungen gemacht haben“, sagt sie. Bei ihr seien es lediglich vereinzelte Sprüche gewesen. Aber auch hier merke man ein Umdenken und eine immer größere Akzeptanz von Frauen auf den Baustellen. „Außerdem arbeiten wir fast immer mit den gleichen Firmen zusammen, da kennt man sich schon“, so Jenni.
Mädchen und junge Frauen sollten sich von Sprüchen und Vorurteilen nicht abschrecken lassen. „Nutzt Chancen, um ins Handwerk reinzuschnuppern, zum Beispiel bei einem Praktikum“, appelliert sie. Manchmal müsse man auch ins kalte Wasser springen.
Der beste Lohn: Sehen, was man geschafft hat
Jenni liebt es, draußen zu arbeiten und sich zu bewegen. Am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat, sei ein großartiges Gefühl. Sie liebe es auch, an alten Baustellen vorbei zu fahren und sich die Dächer nochmal anzuschauen. „Zu wissen, dass mich viele der Dächer, die ich gemacht habe, überdauern werden, ist ein besonderes Gefühl“, sagt sie.
Und weil ein Tag ja ganze 24 Stunden hat, nimmt sich Jenni auch noch die Zeit, ihren Baustellenalltag auf Instagram zu teilen. Ihr findet sie dort als @jenni_vom_dach. „Mehr als eine Stunde am Tag nehme ich mir aber nicht für Instagram“, sagt sie. „Ich stelle mein Handy hin und mache ganz normal meine Arbeit“. Mit den Kollegen habe sie außerdem den Deal, dass sie morgens zur Baustelle fährt und dafür auf der Rückfahrt schonmal das neue Material schneiden kann.
Wir finden, Jenni ist eine absolute Powerfrau und Vorbild für viele junge Handwerkerinnen. Sie zeigt, dass Familie und Beruf zusammen funktionieren können. Denn eins ist nicht nur am Weltfrauentag klar: Frauen können Handwerk und Männern können Kindererziehung.














Liebe Jenni, du bist eine absolute Powerfrau! Meinen größten Respekt 🖤💪🏻
Ich kann nur das Beste für die Dame Wünschen, und hoffen, dass sie sich nicht übernommen hat mit der Familie.
Jenni hat auf alle Fälle viel Freude an ihrer Arbeit.
Wer mit Freude dabei ist, hat viel Energie.
Klar zehrt das an der Arbeitszeit, aber Werbung ist einfach wichtig, besonders in der aktuellen Situation. Und das läuft einfach auf instagram besser, als das Plakat am Bahnhof.
Ich verfolge Jenny auch schon länger. Ehrlicher content, nicht übertrieben.
Das bringt am ende dem ganzen Handwerk was.
Wir verfolgen ihren Alltag auch sehr gern - schön zu sehen, dass so begabte Damen mit uns auf dem Bau stehen! Immer weiter so. Alles gute für die Übergabe und natürlich für die junge Familie.
LG von der Zimmerei Küchle aus dem Illertal