Feuerwehrhaus Aalen-Unterkochen – Holzbau trotz Feuer? Gerade deshalb.
Kompakt geplant – klar organisiert
Mitten im Ort, zwischen Straße, Fluss und Bahnlinie, entstand ein teilweise zweigeschossiger Baukörper mit geradliniger Funktionsachse. Ankommende und ausrückende Einsatzkräfte kreuzen sich nicht – Abläufe bleiben sauber getrennt.
Vier Fahrzeugstellplätze, Umkleiden, Duschen sowie ein abtrennbarer Schulungs- und Veranstaltungsraum decken die Anforderungen ab. Dachterrasse, Turm und Hof stärken zusätzlich den Gemeinschaftsgedanken.
Massivholz ohne Schichtaufbau
Mit Ausnahme von Gründung und Bodenplatte wurde das Gebäude als Holz-Massivbau ausgeführt. Die monolithischen Vollholzwände kommen ohne zusätzliche Dämmschichten oder innenliegende Folien aus.
Das bedeutet:
- einschaliger Wandaufbau
- hochdämmend
- verschraubt statt verklebt
- trennbar statt verklebt
Weniger Schichten bedeuten hier mehr Übersicht – und später bessere Rückbaubarkeit. Die Fassade aus unbehandelter Weißtanne bleibt bewusst natürlich und wird mit der Zeit vergrauen. Ein Betonsockel schützt das Holz konstruktiv vor Wasser und mechanischer Beanspruchung.
Sichtbare Technik, ehrliche Konstruktion
Auch innen bleibt das Konzept konsequent. Die Holzwände sind nicht verkleidet, Installationen laufen sichtbar an Wänden und Decken entlang. Das ist wartungsfreundlich und langlebig – und es reduziert unnötige Materialverbunde.
Holz als Rohstofflager
Der Neubau wurde von Anfang an als Rohstofflager der Zukunft gedacht. Materialien sind einfach gehalten, verschraubt und gut trennbar.
Das Ziel: ein Gebäude, das sich später wieder auseinandernehmen lässt, ohne dass Bauteile zerstört werden. Die monolithischen Vollholzwände kommen ohne zusätzliche
Dämmschichten und ohne Folien aus – weniger Verbund bedeutet weniger Abfall im Rückbau.
Durch die reduzierte Bauteilvielfalt und die mechanischen Verbindungen können viele Elemente sortenrein getrennt und erneut verwendet werden. Der Holzbau wird damit nicht als Endprodukt verstanden, sondern als temporär gebundene Ressource, die im nächsten Lebenszyklus wieder eingesetzt werden kann.
Der Holzbau speichert rund 278 Tonnen CO2. Dem stehen 157 Tonnen Emissionen aus Rohbau und Ausbau gegenüber. Rein rechnerisch ist die Baukonstruktion damit bereits klimapositiv.
Mit Wärmepumpe, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Photovoltaik mit Speicher und begrünten Dachflächen ist auch der Betrieb energieeffizient ausgelegt. Die Prognosen gehen von einem klimapositiven Gebäudebetrieb aus.
Feuer und Holz – kein Gegensatz
Gerade bei einer Feuerwache zeigt sich, wie sehr sich der Holzbau weiterentwickelt hat. Der vermeintliche Gegensatz löst sich auf, wenn Konstruktion, Brandschutzplanung und Materialverständnis zusammenkommen. Das Feuerwehrhaus Aalen-Unterkochen ist kein spektakulärer Sonderbau, sondern ein bewusst einfach gehaltener Holzbau. Robust, rückbaubar und klimapositiv gedacht.
Nicht trotz Holz – sondern mit Holz.
Architekt: Liebel Architekten BDA
Fotos: Valentin Schmied












Sehr tolles Projekt
Sehr spannendes Projekt - das muss es öfter geben 💪🏻💪🏻
Davon müsste es noch viel mehr geben!