Werk- und Forschungshalle Diemerstein – Holzbau zum Rückbauen gedacht
Eine Halle als Lehrstück in Kreislaufbau
Mit 13 Metern Breite, 28 Metern Länge und rund 7 Metern Höhe ist die Halle überschaubar – ihr Anspruch ist es nicht. Schon im Entwurf wurde klar formuliert: Alle Bauteile sollen zerstörungsfrei demontierbar, wiederverwendbar und wertstabil sein. Statt einmal zu bauen und später abzureißen, ist hier jedes Element so gedacht, dass es wieder auseinander- und neu zusammengebaut werden kann. Das betrifft Tragwerk, Wände, Dach und sogar den Boden.
Tragwerk: vorgespannt statt verklebt
Das Primärtragwerk besteht aus vorgespannten Dreigelenkrahmen aus BauBuche. Die Rahmen sind nicht klassisch verleimt oder verschraubt, sondern über eigens entwickelte Knoten aus Kunstharzpressholz miteinander verbunden. Die Idee dahinter ist klar und handwerklich nachvollziehbar:
- Reversibilität statt Einwegverbindungen
- Vorspannung statt dauerhafter Verklebung
- formschlüssige Anschlüsse statt versteckter Metallplatten
Die aussteifenden Wand- und Deckenmodule bestehen aus Fichten-Brettsperrholz und werden über kegelförmig gefräste Konusadapter mit den Rahmen verbunden. So entsteht ein steifes Gesamtsystem, das sich trotzdem wieder lösen lässt.
Wandaufbau ohne „Bauklebung“
Auch die Gebäudehülle folgt diesem Prinzip. Außen liegt ein klarer, reversibler Aufbau:
- Weichfaserdämmung
- Konterlattung
- vertikale Bretterschalung aus Douglasie
Keine verklebten Schichten, keine Verbundsysteme, die später nur noch mit Gewalt trennbar wären – stattdessen ein Aufbau, den Zimmerer verstehen und wieder auseinandernehmen können.
Der Boden: Holz statt Beton
Statt einer klassischen Stahlbetonplatte liegt eine Brettsperrholz-Bodenplatte. Gelagert wird sie auf reversiblen Stahlprofilen, die ihre Lasten in Mikropfähle einleiten. Materialsparend, rückbaubar und trocken – eine klare Absage an den üblichen Betonstandard.
Forschung trifft Baustelle
Entstanden ist die Halle am t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe der RPTU. Besonders ist, dass hier Forschung, Planung und 1:1-Umsetzung durch Studierende zusammenkamen. Gebaut wurde nicht im Hörsaal, sondern auf der Baustelle.
Archetypische Form, radikale Idee
Architektonisch ist die Halle bewusst einfach gehalten: Satteldach, klare Geometrie, ruhige Proportionen. Gerade diese Zurückhaltung macht die konstruktive Idee umso deutlicher – hier geht es nicht um Formspiel, sondern um Systemdenken.
Was bedeutet das für den Holzbau?
Die Werk- und Forschungshalle Diemerstein zeigt, dass zirkuläres Bauen im Holzbau nicht nur Theorie ist.
Wichtig für Zimmerer:
- lösbare, wiederverwendbare Verbindungen
- klare, nachvollziehbare Tragwerke
- Vorfertigung mit System
- Materialien, die später wieder in den Kreislauf können
Fazit:
Ein Projekt, das zeigt, wohin Holzbau gehen kann – weg vom Wegwerfen, hin zum Weiterbauen. Nicht spektakulär laut, sondern konsequent richtig gedacht.
Fotos: Andreas Labes, Berlin
Projektbeteiligte:
t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Graf, Prof. Stephan Birk
Projektleitung: Marcel Balsen, Viktor Poteschkin
Baudurchführung: Oliver Betha mit Studierenden der RPTU Kaiserslautern




















Ein sehr gelungenes projekt! Klasse
Sehr cooles Projekt.
Sehr geile Idee.
Holzbau.....ganz klar auf die 1