Ein Bundwerkstadel nach historischem Vorbild
Planung mit moderner Technik
Die gesamte Planung erfolgte vollständig in CAD. Das war eine wichtige Grundlage, um die komplexen Verbindungen, die Vielzahl an Überblattungen und den späteren Abbund sowie die Montage technisch sauber vorzubereiten. Gerade bei einem Bauwerk dieser Art ist eine exakte Planung entscheidend, um spätere Probleme auf der Baustelle zu vermeiden.
Abbund zwischen Maschine und Handwerk
Der Abbund wurde bewusst als Kombination aus moderner Technik und traditionellem Handabbund ausgeführt. Die Hauptbauteile wurden mit einer hochmodernen Hundegger Abbundanlage gefertigt. Das war notwendig, um das Projekt wirtschaftlich umsetzen zu können.
Bestimmte Verbindungen, insbesondere die Schwalbenschwanzüberblattungen, wurden jedoch vollständig von Hand abgebunden. Diese Verbindungen lassen sich mit CNC Technik nicht präzise genug herstellen, da das verwendete Bauholz teilweise verdreht und gebogen ist. Genau hier zeigt sich der Wert des klassischen Zimmererhandwerks.
Verwendete Holzarten
Es wurde ausschließlich klassisches Bauholz verwendet. Auf moderne Produkte wie BSH oder KVH wurde bewusst verzichtet.
Säulen und Pfetten wurden aus Fichte gefertigt.
Bundwerk und Kopfbänder aus Kiefer.
Die Schwellen sowie die Verschalung bestehen aus Lärche, da diese dauerhaft der Bewitterung standhalten muss.
Konstruktive Besonderheiten
Um trotz Bauholz die erforderlichen Spannweiten von sechs Metern bei den Pfetten zu ermöglichen, wurde mit zwei Firstpfetten gearbeitet. Einem First und einem Unterfirst. Dazwischen wurden Kreuze angeordnet, die mit Schwalbenschwanzblättern und echten Holznägeln zug und druckfest verbunden sind. Diese Kreuze sind nicht nur gestalterisches Element, sondern statisch voll tragend.
Die Grundmaße der gemauerten Fläche betragen 12,41 x 15,16 Meter.
Im Bundwerk wurden rund 2600 Holznägel verarbeitet.
Zusätzlich kamen etwa 5000 Lignoloc Holznägel zum Einsatz.
Insgesamt wurden rund 3000 Überblattungen ausgeführt.
Wetterseite und historische Vorbilder
Der Giebel auf der Westseite wurde mit unbesäumten Lärchenbrettern als Boden Deckelschalung verkleidet. Ein Bundwerk auf der Westseite gilt aufgrund der starken Bewitterung als ungeeignet. Bereits im 19. Jahrhundert wurden Bundwerke deshalb meist nur auf drei Seiten ausgeführt, während die Wetterseite verschalt wurde.
Große Vordächer mit kleinen Querschnitten
Die großen Vordächer wurden konstruktiv sehr durchdacht umgesetzt. An der Traufe kam eine sogenannte Flugpfette zum Einsatz. Diese liegt auf den Brettenköpfen auf, die wiederum mit geschwungenen Brettenkopfbändern abgestrebt sind. Die Brettenköpfe werden jeweils von zwei verzierten Aufdopplern flankiert, was sowohl statisch als auch gestalterisch überzeugt.
Am Giebel wurde mit einem Kreuz gearbeitet, das die Kraft vom First schräg in den Unterfirst ableitet und so den Kragarm deutlich verkürzt. Aufgrund der vielen Ausblattungen wurde ein vergleichsweise großer Säulenquerschnitt von 24 x 24 Zentimetern roh gewählt. Dadurch kommen die Schwalbenschwanzblätter der Riegel besonders gut zur Geltung.
Herausforderung Wirtschaftlichkeit
Die größte Herausforderung bei diesem Projekt war es, alles so zu planen, dass Abbund und Montage technisch, logistisch und wirtschaftlich machbar bleiben. Um die Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen, wurde der gesamte Bau ausschließlich von zwei erfahrenen Zimmermännern ausgeführt. Eingespielte Arbeitskräfte reduzieren Standzeiten und steigern die Produktivität deutlich.
Fazit
Dieses Projekt zeigt, dass traditioneller Holzbau, historische Konstruktionen und moderne Technik kein Widerspruch sein müssen. Mit guter Planung, handwerklichem Können und einem klaren Blick auf Wirtschaftlichkeit lassen sich Bauwerke realisieren, die sowohl konstruktiv als auch gestalterisch überzeugen und ein Stück Baugeschichte weiterleben lassen.






















Sehr schön👍🏻
Richtig geil 👍
Sehr beeindruckend
Kolossal!!!
Wir habe einige Werke für einen Bauherren in der Schweiz abgebunden. Er wollte eine traditionelle Abarbeitung. D.h. während der baulichen Ausführung mussten wir die eine oder andere Anpassung oder Korrektur einarbeiten. Wäre mit CAD sicherlich um einiges reibungsloser gelaufen. Aber für uns auch uninteressanter. Normalerweise restaurieren wir nur.
Für Neuwerke ist die Kombi Technik/Hand absolut akzeptabel. Für mich eher nicht. Ich habe mir dbzgl. natürlich mehrfach u.a. den Abbund mit CAD zeigen lassen. Mir fehlt der Intellekt dafür, gepaart mit extremer Bocklosigkeit für diese Technik ;-). Aber letztendlich zählt das Endresultat und das ist bei diesem Werk mehr als gelungen.
Die Frage wurde schon von Benni gestellt: Was ist die Nutzungsbestimmung von Eurem Tempel?
Nordischer Gruß
Andreas
Ein beeindruckendes Projekt, das eindrucksvoll zeigt, wie sich digitale Planung und traditionelles Zimmererhandwerk sinnvoll ergänzen. Die vollständige CAD-Planung schafft die notwendige Präzision für ein komplexes Tragwerk, während der bewusste Einsatz von Handabbund – insbesondere bei anspruchsvollen Schwalbenschwanzverbindungen – die handwerkliche Qualität und Materialkenntnis unterstreicht.
Besonders bemerkenswert ist die konsequente Verwendung von klassischem Bauholz sowie die konstruktiv durchdachten Lösungen bei Spannweiten und Vordächern. Die hohe Anzahl an Holznägeln und Überblattungen verdeutlicht den Anspruch an Authentizität und Detailtiefe.
Das Projekt beweist, dass Wirtschaftlichkeit, moderne Technik und historische Bauweise kein Widerspruch sind, sondern sich bei klarer Planung und fachlicher Kompetenz gegenseitig stärken können.
Freut uns, dass dir das Projekt so gut gefällt!😊
Habe es auf Instagram schon gesagt - absolut wunderschöne Arbeit!! Hut ab vor dieser Leistung und noch beeindruckender finde ich, dass sowas früher ohne moderne Technik, ohne CAD, ohne PC ausgeführt wurde. Ausschließlich per Hand.Für was ist das Stadl am Ende? Was kommt rein, was wird daraus?
Sauber Männer!
⚒️ Hut ab!
Das nenn ich mal echte handwerkskunst mein vollen respekt 👏
Einmalig und SUPER!
Ein Hoch auf die Zimmererkunst
Respekt. Hab selbst schon Bundwerke abgebunden, und euer Werk lässt sich wirklich sehen!
Respekt saubere mega schöne Arbeit 👍🏻👍🏻
Super schön 👍
👍
Ein mega Projekt. Reife Leistung!
Gratulation zu eurem klasse Projekt. Schade dass die Zimmerleute nirgends richtig zu sehen sind, oder wollten sie vielleicht nicht aufs Bild. Gratuliere den beiden und natürlich allen anderen auch. Deshalb bin ich auch Zimmerer, und das seit 47 Jahren.
Sehr Schick!Wie lange habt ihr denn daran gewerkelt? Und in was für einer Größenordnung liegt der Kostenrahmen?
Hallo,
vielen Dank für deinen Kommentar.
Für den Stand, der auf den Fotos zu sehen ist, haben wir ca. zehn Wochen mit zwei Mann gebraucht.
Respekt ! 💪
Der schönste aller schönen das ist der Zimmermann! Er darf auch endlich aufrichten was er so da ersann.... Drum sind Zimmerleit ,auf der Baustelle ein eingespieltes Gespann!
Gratuliere , zu diesem sehr gut aufgeführten und geplanten Bau !!
Mega,…