Wangen im Allgäu: Ein Turm, bei dem sich das Holz selbst formt
Holz, das sich von selbst in Form bringt
Normalerweise gilt: Je stärker die Krümmung, desto größer der Aufwand – auch beim Holz. Hier wurde das genau umgedreht. Für die Bauteile wurde Fichtenholz aus der Region verwendet. Die Brettlagen wurden so miteinander verleimt, dass während des kontrollierten Trocknens eine vorherberechnete Krümmung entsteht. Die Bauteile formen sich selbst – ohne Hydraulik, ohne Frässchablone, ohne Nachpressen.
Das Ergebnis:
- große Bauelemente mit nur 130 mm Querschnitt,
- hohe Steifigkeit durch die Krümmung
- und eine Form, die von der Statik her Sinn ergibt.
Die Form kommt nicht aus dem Designstudio, sondern aus dem Materialverhalten. Das ist moderne Holztechnik.
CNC-Verbindungen statt dicker Querschnitte
Die gekrümmten Elemente wurden im Werk CNC-bearbeitet. Keine improvisierten Lösungen auf der Baustelle, sondern saubere digitale Vorarbeit.
So konnten die einzelnen 23-Meter-Elemente wie „durchgehende“ Brettsperrholzsegment-Bauteile wirken, ohne dass riesige Querschnitte notwendig waren.
Forschung – aber greifbar und praktisch
Das Ganze ist kein Spielzeug der Wissenschaft, sondern kam von dort, wo Forschung und Handwerk zusammenarbeiten: vom Exzellenzcluster IntCDC und den Instituten ICD und ITKE der Uni Stuttgart.
Im Klartext heißt das:
- Die Forscher berechnen, wie sich das Holz verhält.
- Die Holzbaubetriebe setzen es um.
- Und gemeinsam entsteht ein Tragwerk, das effizient und handwerklich machbar ist.
Erst Material, dann Bau – aber auf der Baustelle läuft’s sauber
Die Vorfertigung war so weit durchdacht, dass der Turm in drei Tagen aufgestellt wurde.
Die gedankliche Reihenfolge:
- Material bestimmt Form
- Form bestimmt Tragwerk
- Tragwerk bestimmt Montage
Der Aufstieg wird zum Materialerlebnis
Im Inneren des Turms erlebt man die Krümmung direkt. Die Treppe folgt dem Verlauf der BSP-Flächen – man versteht beim Hochgehen, wie das Tragwerk arbeitet. Das hat nichts mit „Effekt“ zu tun, sondern mit ehrlicher Konstruktion.
Bau, der aus der Forschung kommt – aber bodenständig umgesetzt ist
Auch wenn die geometrische Idee aus der Forschung stammt, ist die Ausführung nah am praktischen Holzbau:
- Fichtenholz aus der Region
- Präzise vorbereitete Holzverbindungen
- CNC-Fertigung ohne hohen Verschnitt
- Logischer Montageablauf
Das Ergebnis ist ein Holzturm, der effizient gebaut wurde, sauber funktioniert und in kurzer Zeit steht.
Projektpartner:
Exzellenzcluster IntCDC – Integratives Computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur, Universität Stuttgart.
Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD)
Prof. Achim Menges, Martin Alvarez, Monika Göbel, Laura Kiesewetter, David Stieler, Dr. Dylan Wood
mit Unterstützung von: Gonzalo Muñoz Guerrero, Alina Turean, Aaron Wagner
Institut für Tragkonstruktionen und konstruktives Entwerfen (ITKE)
Prof. Dr. Jan Knippers, Gregor Neubauer
Blumer-Lehmann AG
Katharina Lehmann, David Riggenbach, Jan Gantenbein
mit Biedenkapp Stahlbau GmbH
Markus Reischmann, Frank Jahr
Stadt Wangen im Allgäu
Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024 GmbH
Fotos
Roland Halbe
Nina Baisch
Christoph Morlok
Conné van d’Grachten
























Sehr toll waren dort und jetzt zusehen wie das gemacht wurde einfach toll
Hab den Turm vor Ort gesehen und hat mir da schon gefallen, schön jetzt die Technischen Hintergründe zu kennen.
Wahnsinn was alles mit Holz möglich ist.
Respekt
Schönes Projekt 👍 Klasse