Ökologischer Holzrahmenbau – Die Zukunft im Holzbau?
Start mit den eigenen vier Wänden
Ein Sportunfall bedeutete im Jahr 2002 das frühe Aus der Zimmerei von Florian Wissels Vater Bernhard Wissel. Nach eigenen beruflichen Umwegen folgte für Florian Wissel sieben Jahre später die Rückkehr ins Handwerk. „Mein Vater und ich haben die Sache langsam wieder hochgefahren“, erinnert er sich. Zunächst wurden im Nebenerwerb Dachstühle, Carports, Vordächer und das eigene Wohnhaus in Holzrahmenbauweise gebaut.
Nach und nach wurden die Anfragen immer mehr. „Mein Vater hat die Projekte geplant, ich habe sie umgesetzt“, so Florian Wissel. Bald musste Unterstützung her. Die hat er in Dominik Breitenberger gefunden. Der kam 2012 als Auszubildender zu ihm. Heute ist er Zimmerermeister und rechte Hand des Chefs. „Dominik war von Anfang an Feuer und Flamme und hatte richtig Bock“, sagt Florian Wissel.
Mittlerweile ist das Team der Zimmerei auf 19 Mitarbeiter angewachsen. Darunter Zimmerer, Schreiner, ein Architekt, eine Bauzeichnerin und Bürokräfte.
Professioneller Holzrahmenbau
Wer mit Wissel baut, der bekommt ein Haus in professioneller Holzrahmenbauweise. Das Ziel von Florian Wissel: So viel wie möglich daheim im Betrieb vorzufertigen. So soll es den Mitarbeitern so einfach wie möglich gemacht werden. Sie sind seltener dem Wetter auf der Baustelle ausgesetzt.
Vorfertigung im Betrieb
Nach dem Aufmaß und der Werkplanung haben die Weinmann-Maschinen in der Zimmerei ihren großen Auftritt. Die Mitarbeiter bestücken die Maschinen, der Rest läuft weitestgehend automatisch. Abnageln, Fräsen, Sägen, Platten aufbringen, die Fassade fertigen – unzählige Schritte, die auf der Baustelle vor Ort viel Zeit brauchen würden.
So viel Zeit, dass ein Wissel-Haus vor Ort in ein bis zwei Wochen steht. „Im Winter ziehen wir die Kräfte zusammen, dann stellen fünf bis sechs Mitarbeiter ein Haus in einer Woche auf, im Sommer teilen wir uns auch mal auf, dann kann es ein paar Tage länger dauern“, so Florian Wissel.
Für die Werkplanung setzt der Chef zwei bis vier Wochen an, die Produktion dauert zwei bis drei Wochen, dann kann aufgestellt werden.
Die vorgefertigten Teile werden auf der Baustelle mit Würth-Verbindern, sogenannten Schwalbenschwänzen, verbunden. In den Ecken werden zum Schluss zur Sicherung noch Vollgewindeschrauben angesetzt.
Serielle Sanierung
Vor etwa vier Jahren, nach seinem Meisterbrief, hat Dominik Breitenberger den Startpunkt für die serielle Sanierung gesetzt. „Das Wort war uns damals noch gar nicht bekannt“, sagt Florian Wissel.
Dominik habe sich damals getraut und mit Senkellot, Bleistift, Schnüren und Maßband ein ganzes Haus vermessen. Nach drei Tagen und unzähligen Maßen habe er sich überlegt, wie er um das Steinhaus mit vorgefertigten Elementen ein Holzhaus bauen könnte. Der Plan ist aufgegangen und hat perfekt funktioniert. Da war klar: „Das machen wir jetzt immer so“. Nur geht das Vermessen und die AV Dank des neuen Digitalscanners inzwischen erheblich schneller.
Mittlerweile teilen sich die Aufträge etwa 50/50 zwischen Neubauten und Sanierungen auf.
„Wenn die Statik passt, dann gibt es bei Sanierungen keine Grenzen“, sagt Dominik Breitenberger. Der Grundsatz Bei Wissel laute sowieso: Geht nicht, gibt’s nicht! Es gibt keine Probleme, nur Lösungen!
Ökologisches Bauen
Wer mit Wissel baut, der baut ausschließlich mit ökologischen Materialen. „Früher hatte ich das selbst gar nicht auf dem Schirm, mein eigenes Haus habe ich noch mit Steinwolle gedämmt“, erinnert sich Florian Wissel. Bis ein befreundeter Schreiner ein möglichst ökologisches Haus wollte. Nach Verarbeitung der Holzwolle als Dämmung war klar: Das ist unsere Zukunft, etwas anderes wird den Kunden gar nicht mehr angeboten.
Kein Jucken und kein Kratzen mehr – ökologische Dämmstoffe, egal ob Holzfaserdämmung, Cellulose oder Stroheinblasdämmung, haben nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Mitarbeiter entscheidende Vorteile. „Sie sollen auch noch mit 64 gerne bei uns arbeiten und nicht mit Lungenproblemen kämpfen müssen“, sagt Florian Wissel.
Statt OSB-Platten verwendet die Zimmerei Wissel Eco-Platten der Firma Pfleiderer, die einen wesentlich geringeren Leimanteil haben. „Die Krone setzen wir unseren Vollausbauhäusern mit Lehmputz auf“, so Florian Wissel. Beim Innenausbau werden vorverputzte Holzfaserdämmplatten der Firma Naturbo aus dem Allgäu verwendet.
100 Prozent Sicht
Wer Vollausbau mit Innenausbau bestellt, der bekommt zudem 100 Prozent Sicht an Dach-Decken und auch vielen Innen-Wänden, natürlich mit Holznägeln der Firma Beck genagelt . „Nachdem unsere Kunden das einmal gesehen haben, wollen sie es nicht mehr anders“, sagt Florian Wissel aus Überzeugung.
Die Zimmerei baut die Fenster selbst sein, fräst Steckdosen, Lichtschalter, plant und definiert Kabelschächte – alles vorab in der Halle. Das Setzen der Steckdosen und das Einziehen der Kabel erfolgt dann auf der Baustelle. Den Kunden werden Komplettlösungen geboten.
Gesundes Wohnklima
Holzhäuser sind nicht nur schön, sondern vor allem auch wohngesund. „Ich habe mal eine Zeit lang zur Miete in einem gemauerten Haus gewohnt“, erinnert sich Dominik Breitenberger. Egal wie warm der Boden ist, man merke immer eine gewisse Kälte, die von den Wänden ausgeht. Ein Holzhaus vermittle ein ganz anderes Wohngefühl, man merke sofort, dass das Haus atmet und die Oberflächen warm sind.
Langfristig günstiger
Wer denkt, dass ökologisches Bauen wesentlich teurer ist als eine herkömmliche Bauweise, der müsse bedenken: „Spätestens die Kinder oder Enkel bezahlen dann bei der Entsorgung“, sagt Florian Wissel. Langfristig lohnt sich ökologisches Bauen also auch finanziell.
Jedes Projekt hat seine Besonderheiten
Die Zimmerei Wissel zeigt, wie individuell Holzrahmenbau sein kann. Jedes Projekt hat seine Besonderheiten.
Bei einem Neubau wurde beispielsweise im vergangenen Jahr ein Treppenturm über drei Stockwerke nach oben gezogen, Die Treppe aus massiver Eiche aus dem Spessart wurde in die Holzrahmenelemente eingefräst und sieht aus, als würde sie freischweben. „Am Ende hat es über drei Stockwerke auf den Millimeter gepasst – da ist man dann schon stolz“, so Florian Wissel.
Und auch ein Haus aus den 60ern, das diagonal um elf Zentimeter abgesunken war, konnte mit vorgefertigten Holzrahmenelementen am Ende exakt gerade seriell saniert und für eine 2. Wohneinheit weiter aufgestockt werden.
Miteinander statt gegeneinander
Florian Wissel teilt sein Wissen gerne. „Wenn jemand mit einer Frage zu mir kommt, dann helfe ich gerne weiter“. Er finde grundsätzlich, dass Zimmerer mehr zusammenarbeiten sollten. Neid habe auf der Baustelle nichts zu suchen. Zimmerer sollten sich vernetzten und zusammenhelfen.
Ist Vorelementierung die Zukunft?
Florian Wissel freut sich auch, dass ein Umdenken bei jungen Leuten und auch deren Eltern stattfindet. Das Handwerk bekomme wieder mehr Anerkennung und werde attraktiver für junge Leute.
„Wir brauchen gute, fähige Leute, die Verständnis haben für das, was sie machen“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass die Vorelementierung die Zukunft im Holzbau ist.
Wie siehst Du das? Hast Du schonmal mit vorelementierten Teilen gearbeitet? Lass es uns in den Kommentaren wissen?




























Toller Bericht !
Schaut doch mal hier rein. Wer wirklich ökologisch anbieten möchte, wird hier fündig liebe Kollegen.
www.maxit-strohpanel.de
www.hanffaser.de
www.strohballenhaus.org
www.strohnatur.at
www.istraw.de
www.claytec.de
Viel Spaß beim Stöbern
Endlich mal eine Zimmerei die komplett Ökologisch denkt 💪🏻
ein sehr schöner Beitrag und eine vernünftige DenkweiseMacht weiter so schönen 2.Advent
Vielen Dank für das Feedback. Freut uns, wenn dir der Blog gefällt. Wir versuchen immer wieder Einblicke in die Arbeit von Zimmereien zu geben. Wenn euch speziell ein Unternehmen interessiert, sagt uns gerne welches das ist. Ich wünsche dir auch eine schöne Adventszeit.
Toller Beitrag! Macht weiter so!
Danke für das Feedback. Das freut uns :)
Spannender Blog!
Finde es klasse zu sehen, dass ökologischer Holzrahmenbau mehr ist als nur ein Trend. Viele Leute sehen ökologisches Bauen als „Wald-Kindergarten-Ökologie“ (ohne jemanden angreifen zu wollen). Dabei ist diese Bauweise handwerklich, materialtechnisch und qualitativ eine der hochwertigsten Arten zu bauen.
Ich hoffe sehr, dass das langsam immer mehr in der Gesellschaft ankommt. Erst kürzlich haben wir ein Massivholzhaus aufgestellt, der Bauherr wollte eigentlich mauern lassen. Während der Aufrichtung sah man sofort, wie begeistert er war. Nicht nur, wie schnell das Haus stand, sondern auch, wie gemütlich sich der Rohbau anfühlte. Und der Raumgewinn ist deutlich: Mit 14 cm tragender Wand + 16 cm Holzfaser-Außendämmung bekommst du Platz und Effizienz, da kann ein Beton- oder Ziegelhaus kaum mithalten.
Cooler Beitrag, danke für die Einblicke!