Eine riesige und doch enge Baustelle – Andreas Beck berichtet von der Logistik bei der Restaurierung der Kathedrale von Notre Dame
Ein einmaliges Geschenk
Am 15. Dezember 2023 durften Andreas Beck und seine Kollegen die Baustelle von Notre Dame in Paris zusammen mit dem verantwortlichen Zimmermeister Patrick Jouenne besichtigen. Die Größe der Baustelle habe ihn überwältigt. Sie seien auf einem Gerüst unterwegs gewesen, dass 101,5 Meter in die Höhe gebaut war.
„Nach 4,5 Stunden auf der Baustelle sind wir beim Abstieg dem Chefarchitekten Philippe Villeneuve in die Arme gelaufen“, berichtet Beck. Dieser habe sich gefreut, deutsche Zimmerleute in Kluft zu treffen. Er habe sich auch mit Patrick Jouenne sehr gut verstanden. Kurzerhand habe er der kleinen Gruppe aus Deutschland ein Bautagebuch geschenkt. „Darin ist im Stundentakt aufgeführt, was in den ersten Stunden und Tagen nach dem Brand passiert ist“, so Beck.
Vertrauen in die Handwerker
In dem Bautagebuch sei ersichtlich, dass ein unheimliches Vertrauen in die Handwerker gesetzt wurde, um die Brandruine zu sichern. Binnen 3,5 Tagen war Notre Dame regendicht, wofür spezielle Planen genäht wurden. Zudem wurden die Giebel von den Seitenschiffen gesichert. Diese hatten sich um etwa 18 Zentimeter nach außen geneigt, weil das Dach eingestürzt war. Dafür wurden kurzerhand Leimbinder aus Belgien angeliefert, die eigentlich für ein Hallenbad abgebunden waren. „Sowas geht nur, wenn uneingeschränktes Vertrauen da ist“, ist Beck überzeugt. Wie die Zusammenarbeit zwischen Planern, Statikern und Handwerkern insgesamt funktioniert habe, sei höchst beeindruckend.
Stolz, Teil des Ganzen zu sein
Beeindruckend sei auch der Stolz aller Arbeiter gewesen, die an der Baustelle gearbeitet haben. „Es gab sogar Personal, dass für die Zimmerer das überschüssige Holz und die Holzspäne weggeräumt hat“, erzählt Beck. Diese Arbeiter waren unglaublich stolz, ein kleiner Teil des Ganzen sein zu dürfen. Auch auf die Arbeitssicherheit wurde sehr viel Wert gelegt.
Lieferungen per Schiff
Patrick Jouenne habe den Besuchern aus Biberach erzählt, dass bis zu 1000 Menschen gleichzeitig auf der Baustelle gearbeitet haben – nicht nur auf dem Dach, auch auf dem Boden. Darunter waren Archäologen, Steinmetze und vieles mehr. Das erfordere eine unglaubliche Logistik. Die Enge auf der Baustelle und im Gegensatz die Größe der Kathedrale seien unvorstellbar gewesen, so Beck.
Notre Dame steht auf einer Insel, vorne ist die Tiefgarage, hinten, am Chor, ist kaum Platz. „Da standen Baucontainer. Um Material lagern zu können, wurde um den Baumbestand herum ein Plateau mit zwei sechs Meter übereinander gelegenen Ebenen gebaut“, erinnert sich Beck. Materiallieferungen erfolgten ausschließlich mit Lastschiffen über die Seine. „Ein 85 Meter hoher Kran hat das Material von den Schiffen auf die Baustelle gehoben“, sagt Beck.
Hoffnung auf ein Wiedersehen
Andreas Beck ist noch heute schwer beeindruckt, wenn er an die Eindrücke denkt, die er in Notre Dame sammeln durfte. Über einen Dolmetscher ist er regelmäßig in Kontakt mit Patrick Jouenne. Obwohl die Raumschale seit dem 8. Dezember 2024 wieder begehbar ist, schätze Jouenne, dass die Baustelle noch gute 10 Jahre dauern wird. Die Arbeiten im Hintergrund gehen weiter.
Andreas Beck hoffe, sich den restaurierten Dachstuhl irgendwann nochmal anschauen zu dürfen. „Wir wünschen uns, dass uns Patrick Jouenne nochmal mitnimmt“, sagt Beck. Eine andere Chance gebe es derzeit nicht, den Dachstuhl zu besichtigen. Vielleicht, so Beck, könne er dann sogar seine Familie mitnehmen, die ihn oft entbehren musste. Ein paar gemeinsame Tage in Paris wären dafür ein schöner Dank.
Ideen über Grenzen tragen
„Wir haben sicherlich nicht Notre Dame wieder aufgebaut“, betont Beck auch in seinen Vorträgen, die er immer wieder mit Kollegen zum Thema hält. „Wir hatten eine Idee und haben diese über die Grenze getragen“. Es sei erstaunlich, was man mit einer solchen Idee alles bewirken kann, betont er. „Weißt du etwas oder hast eine Idee, dann trag diese immer weiter“, so sein Motto.
Seine Erfahrungen gibt er auch gerne an die angehenden Zimmerer und Zimmerinnen am Bildungszentrum Holzbau in Biberach in der Ausbildung weiter. Dort werden etwa 1400 Lehrlinge im zweiten und dritten Lehrjahr jedes Jahr von 21 Ausbildungsmeistern unterrichtet. Alle Informationen zum Bildungszentrum findet Ihr auf der Website.
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Bildquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach












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Handwerk kennt keine Grenzen, Nationen und politische Systeme. Was hat mein Opa, der alte Krauter, immer gesagt: Am Handwerkswesen, kann die Welt genesen. Mein Namensvetter kann ja mal so richtig stolz auf seinen Beitrag zum Wiederaufbau von Notre sein. Und mich erfüllt es mit tiefster Freude, das Andreas unsere Zunft so kolossal mit eingebracht hat. Dank dafür.