Zimmerer-Treffpunkt
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07.08.2025

Von Biberach nach Paris – eine Idee hilft bei der Restaurierung von Notre Dame

Am 15. April 2019 stand die Kathedrale von Notre Dame in Paris in Flammen. Die Bilder sind um die Welt gegangen. Eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt wurde von den Flammen stark zerstört. Schnell war klar, dass die Kathedrale restauriert werden soll – eine gigantische Herausforderung für Planer und Handwerker. Andreas Beck und Georg Göppel, Ausbildungsmeister am Bildungszentrum Holzbau in Biberach, hatten eine Idee, die den Handwerkern vor Ort geholfen hat, die komplizierten Holzverbindungen schneller zu realisieren. Als Dank haben sie exklusive Einblicke in die Abläufe auf der Baustelle bekommen. Davon hat uns Andreas Beck berichtet. In einer dreiteiligen Serie erfahrt ihr, was er zu erzählen hatte. Im ersten Teil der Reihe geht es darum, wie es überhaupt zum Kontakt mit der Baustelle von Notre Dame kam, wie die Idee entstanden ist und wie diese schließlich umgesetzt wurde.
BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

BIldquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

Brand bei Feuerwehrübung verfolgt

Andreas Beck kann sich noch genau daran erinnern, wie er von dem Brand gehört hat. „Wir hatten an diesem Abend eine Feuerwehrübung. Ich bin Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wir haben die Übung ausfallen lassen und die Bilder vom Brand verfolgt“, erinnert er sich. Gegen 18.15 Uhr ist der Brand ausgebrochen. „Um kurz nach 20 Uhr ist der Turm umgestürzt. Diese Bilder habe ich immer noch im Kopf“, sagt Beck.

Ein Traum, der in Erfüllung ging 

Schnell war klar, dass die Kathedrale originalgetreu restauriert werden soll. „Es wäre ein Traum, da mitarbeiten zu dürfen“, war für Beck, der am Bildungszentrum Holzbau in Biberach in der Ausbildung unterrichtet und vor allem auf die Bereiche Restaurierung und Treppenbau spezialisiert ist, von Anfang an klar. Dass er tatsächlich einen Beitrag zum Gelingen der Restaurierung beitragen würde, das ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Erster Kontakt auf Exkursion

Im Mai 2023 durften Andreas Beck und sein Kollege Georg Göppel eine Abschlussklasse der Karl-Arnold-Berufsschule bei der Abschlussfahrt nach Frankreich begleiten. Natürlich durfte die Besichtigung der Baustelle von Notre Dame nicht fehlen. „Wir konnten uns die Baustelle von außen anschauen. In der Tiefgarage der Kathedrale gab es eine Ausstellung und um die Kathedrale herum waren Bauzäune mit Infotafeln zum Brand und zum Wiederaufbau aufgestellt. Das war hochinteressant“, so Beck. Die Baustelle selbst sei ein Sicherheitsbereich gewesen „Da kommt nur rein, wer da was verloren hat“.

Auf dem Heimweg durfte die Gruppe in Val de Briey in der Region Grand Est bei Metz die Zimmerei „Le Bras Frères” besichtigen, die am Vierungsturm von Notre Dame gearbeitet hat. „Wir haben erst am selben Tag in der Früh die endgültige Zusage erhalten, dass wir kommen dürfen. Die hatten so viel zu tun und haben uns trotzdem reingelassen“, sagt Beck.

Empfangen wurde die Gruppe von Patrick Jouenne, dem verantwortlichen Zimmerermeister des Vierungsturmes von Notre Dame. „Der beste Zimmerer der Welt“, wie Beck für sich später feststellen wird.

Eine Idee entsteht

„Diesen Eichenholzgeruch“ in der riesigen Halle wird Andreas Beck nicht mehr vergessen. Durch eine 15 Meter große Glasscheibe konnte die Biberacher Gruppe hunderte Holzverbindungen sehen. „Nach kurzer Zeit war uns klar, dass wir eine Idee hätten, die dabei helfen könnte, das Projekt schneller abschließen zu können, denn hier war viel Zeitdruck dahinter. Im Dezember sollte die Einweihung stattfinden und von Hand war hier noch viel Arbeit an den Verbindungen notwendig“, erinnert sich Beck.

Es habe Überwindung gekostet, Patrick Jouenne zur Seite zu nehmen und ihm von der Idee zu berichten. „Da waren schließlich Zimmerleute, die uns weit überlegen sind“, sagt Beck. Jouenne habe aber gleich recherchiert. Die Planfräse, die Beck und sein Kollege Göppel im Sinn hatten, kannte der Franzose nicht und konnte sie sich auch nicht vorstellen. „Kein Wunder, die Maschine wurde ursprünglich für Treppenbauer entwickelt“, so Beck. Außerdem musste Jouenne ja am Turm arbeiten und hätte keine Zeit gehabt, sich mit so etwas zu beschäftigen.

Andreas Beck habe die Planfräse der Firma Mafell auf einer Messe entdeckt und schon länger daran getüftelt, wie man sie für das Zimmererhandwerk weiter einsetzen könnte. Er nutzt sie auch regelmäßig in den Restauratoren Weiterbildungskursen in Biberach.

Zuhause angekommen, haben Georg Göppel und er unabhängig voneinander an Schablonen getüftelt. Fünf Wochen später ging es zurück Richtung Metz. „Von den drei Maschinen, die wir dabeihatten, hat Patrick Jouenne gleich zwei behalten“, sagt Beck. Auch die Schablonen haben er und Georg Göppel seitdem nicht mehr gesehen. „Später habe ich erfahren, dass Patrick am nächsten Tag 30 Stück der Planfräsen bei der Firma Mafell bestellt hat“, so Beck.

Schräg und über Kopf arbeiten

Die Planfräse saugt sich über einen Staubsauger an der zu bearbeitenden Oberfläche fest. Das ermöglicht das Arbeiten in allen möglichen Positionen, egal ob waagrecht, senkrecht, schräg oder auch über Kopf. Entscheidend sei laut Andreas Beck eine vorgelagerte Fläche, die in der Neigung verstellbar ist. Zudem müsse sie schnell zu montieren sein. „Der Vierungsturm von Notre Dame ist nicht quadratisch, nicht im rechten Winkel, es ist alles verschoben“, so Beck. Die Zimmerer mussten immer schräg durchs Holz. „Und genau das ist mit unserer Schablone sehr einfach“, so Beck.

Die Zimmerleute in Metz waren begeistert. Sie waren nun viel flexibler und schneller bei der Arbeit. Die 65 Meter lange Mittelstütze des Vierungsturms beispielsweise, musste zuvor immer mit speziellen Gestellen für die Oberfräse waagrecht gedreht werden. Die Schablonen für die Planfräse sind in jede Lage montierbar, was wesentlich schneller geht, erklärt Beck.

Mafell baut Planfräse um

Beck erinnert sich, dass die Maschine zwischenzeitlich nicht mehr so einfach zu bekommen war, weil der Absatz zu gering war. Dann habe der Restauratoren-Verband 200 Stück bestellt, die sehr schnell vergriffen waren. Bei Mafell habe man dann schnell gemerkt, dass die Planfräse mit der richtigen Vermarktung doch gut verkauft werden kann.

Mafell hat Andreas Beck ebenfalls für einen Vortrag über den Einsatz der Planfräse in Paris zu sich nach Oberndorf eingeladen. Bei diesem Vortrag waren auch die zuständigen Konstrukteure anwesend, was einen Austausch möglich machte.

Mittlerweilte gibt es die Planfräse nun auch Akkubetrieben und unter anderem mit wegklappbarem Schutz. „Dadurch ist die Maschine jetzt für Restauratoren noch besser einzusetzen“ sagt Beck.

Hier kommt Ihr zur Akku-Version der Planfräse.

Fortsetzung folgt

Wie es Andreas Beck doch noch auf die Baustelle von Notre Dame geschafft hat, was er dort für Eindrücke gesammelt hat und vieles mehr erfahrt ihr in Teil zwei unseres Blogs…

Ihr wollt mehr über das Bildungszentrum Holzbau in Biberach erfahren? Hier geht es zur Website.

Neugierig wie es weitergeht? Hier geht´s zu Teil zwei. 

Und hier geht es zum dritten Teil der Reihe.

Bildquelle: Bildungszentrum Holzbau Biberach

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3 Kommentare
Jan Tober
23.10.2025

Die Planfräse ist schon eine tolle Maschine 

Philip Bucher
14.08.2025

Spannender Beitrag! Den Zusammenhang mit der Planfräse von Mafell hatte ich vorher gar nicht auf dem Schirm – danke für den Einblick. Schön, dass auch wir in Deutschland unseren Teil zur Restaurierung von Notre-Dame beitragen konnten. Das zeigt mal wieder: Unser Handwerk verbindet!

Lars Filbert
14.08.2025

Ein sehr Interessanter Beitrag, bin auf den zweiten Teil gespannt. 

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