Mit 70 kann man kein Dach mehr decken! Politiker diskutieren über Renten-Reform
Aktuelle Situation: Wer darf wann abzugsfrei in Rente gehen?
Das derzeitige Renteneintrittsalter liegt bei 67 Jahren. Zumindest für alle, die 1964 und später geboren wurden. Wer Jahrgang 1964 ist, der kann 2031 an seinem 67. Geburtstag abschlagsfrei in Rente gehen. Alle, die vorher geboren wurden, können sogar schon etwas früher abschlagsfrei in Rente gehen.
Konkret heißt das: Für alle, die vor 1947 geboren wurden, galt die Altersgrenze von 65 Jahren. Für alle, die nach 1947 geboren wurden, erhöht sich das Renteneintrittsalter dann zunächst pro Jahr um einen Monat.
Bis 1946 Geborene konnten also mit 65 in Rente gehen, 1947 Geborene mit 65 und einem Monat und so weiter… Wer 1959 geboren wurde, also im Laufe diesen Jahres 66 Jahre alt wird, kann zwei Monate nach seinem 66. Geburtstag in Rente gehen. Für 1960 Geborene ist der abzugsfreie Renteneinstieg mit 66 plus 4 Monate möglich. Jahrgang 1961 kann bei 66 plus 6 Monate, Jahrgang 1962 bei 66 blus 8 Monate und Jahrgang 1963 bei 66 plus 10 Monate in Rente gehen.
In der Fotogalerie haben wir das alles nochmal übersichtlich in einer Tabelle für Euch zusammengefasst.
35 oder 45 Betragsjahre
Wer 35 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt hat, gilt als langjährig versichert. Wer sogar 45 Jahre lang gearbeitet hat, sogar als besonders langjährig versichert. Wann man in diesen Fällen in Rente gehen kann, hängt auch wieder vom Geburtsjahr ab. Seit 2012 wird das Renteneintrittsalter nämlich stufenweise angepasst.
Wer zwischen 1949 und 1963 geboren wurde und 35 Jahre anrechenbare Zeit in der Rentenversicherung hat, der kann auch vor dem 67. Geburtstag abzugsfrei in Rente gehen. Allgemein ist diese Möglichkeit als „Rente mit 63“ bekannt. Für alle anderen Jahrgänge gilt die oben aufgeführte schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters.
Jahrgänge ab 1964 können frühestens mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen und auch nur dann, wenn sie 45 Jahre lang gearbeitet haben.
Früher in Rente mit Abschlägen
35 Jahre eingezahlt aber nach 1963 geboren? Dann ist es möglich mit 63 Jahren in Rente zu gehen – aber mit Abzügen! Für jeden Monat, den man vorzeitig in Rente geht, werden 0,3 Prozent der Rente abgezogen – maximal bis zu 14,4 Prozent.
Derzeit 48 Prozent des Durchschnittseinkommens
Die Bundesregierung steht vor einem Problem. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Rente, die Beitragszahlenden werden immer weniger, die Rentenbezugsdauer steigt. Das Rentensystem trägt sich finanziell nicht mehr selbst.
Langfristig werden also die Beiträge in die Rentenversicherung steigen und die Rentenhöhe sinken. Derzeit liegt die Rentenhöhe bei 48 Prozent des Durchschnittseinkommens.
Mögliche Lösungen
Der aktuelle Gesetzesentwurf beinhaltet die Möglichkeit, dass ältere Menschen auch im Rentenalter bei ihrem Arbeitgeber bleiben und bis zu 2.000 Euro steuerfrei verdienen können.
Politiker verschiedener Parteien haben bereits Vorschläge gemacht, wie eine Renten-Reform aussehen könnte. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat angeregt das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Die SPD sieht das kritisch und nennt den Vorschlag eine „Rentenkürzung durch die Hintertür“.
Geplant ist außerdem eine „Frühstartrente“ für Kinder und Jugendliche, für die es zwischen 6 und 18 Jahren 10 Euro pro Monat geben. Andere Vorschläge sehen vor, auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rente miteinzubeziehen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat kürzlich sogar eine Begrenzung von Verbeamtungen gefordert.
Vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kam der Vorschlag eines „Boomer-Solis“, von dem vor allem die geburtenstarken Jahrgänge betroffen wären. Mit den Einnahmen könnten schlecht verdienende Rentnerinnen und Rentner unterstützt werden.
Was heißt das für Handwerker?
Handwerker und andere körperlich arbeitende Berufsgruppen sehen sich vom Vorschlag, das Rentenantrittsalter zu erhöhen, vor den Kopf gestoßen. Die Bild-Zeitung hat Leserinnen und Leser gefragt. „Mit 70 kann man kein Dach mehr decken“, sagt einer davon. Andere, die in Handwerksberufen oder in der Pflege arbeiten, seien schon froh, wenn sie überhaupt bis zur regulären Rente durchhalten.
Eure Meinung ist gefragt
Was meint Ihr? Sollte es Sonderregelungen für Handwerksberufe geben? Welches Renteneintrittsalter ist realistisch? Schreibt Eure Meinung in die Kommentare und diskutiert mit.












Niemand arbeitet bis ins hohe Alter auf der Baustelle das funktioniert einfach körperlich nicht
Kenne keinen Handwerker, der bis 65 auf Baustelle durchgehalten hat.
Hallo liebe Frau Reiche,
Ich hoffe doch sehr, dass Sie selber ein gutes Vorbild sind, und einmal für einen Tag mit aufs Dach kommen. Was ihr einfach nicht kapiert, ist dass es eben nicht nach dem Alter gehen sollte, sonderrn wie lange man gearbeitet hat, und somit auch in die Rentenkasse eingezahlt hat. Beispiel: Ein heute 63jähriger hat damals mit 16 Jahren eine Zimmermanns-Lehre angefangen. ( Lehrzeit von 1978-1981 ) Heute hat diese Person bereits 47 volle Arbeits-Jahre auf dem Buckel !!! Die damaligen Gymnasiasten fingen dann erst einmal an zu studieren, und schaukelten sich dabei jahrelang ihre Eier . Dann mussten diese nach Abschluss des Studiums feststellen, dass es keine Arbeitsplätze in ihrem Wunsch-Job gab. Sie machten eine Umschulung, und landeten danach dann mit bereits knapp 30 Jahren mit ihrem Hintern auf dem Bürostuhl. Bitte Bitte liebe Ministerin !!! Lassen Sie genau diese Leute bis zu ihrem 70. Lebensjahr arbeiten, dann wissen auch diese Menschen eventuell, was Arbeiten ist. Dass hat aber immer noch nichts mit der körperlich schweren Arbeit eines echten Handwerkers zu tuen !!! Denken Sie einmal darüber nach liebe Ministerin Reiche, dass hier erst einmal genau aussortiert werden muss, bevor Sie so einen Blödsinn aussprechen !!! Denn sonnst möchte kein junger Mensch mehr in das Handwerk, ( Bezahlbaren Wohnraum schaffen ) sondern landet nach der Schule als junger Sessel-Furzer in der Politik !
Ich denke bis 65 jahre arbeiten zu müssen, um dann rente zu bekommen reicht wohl föllig. Meiner Meinung nach würden auch bis 60 reichen. Problem ist aber viele arbeiten ja länger, weil einfach die rente nicht reicht um zu leben. Eher sollten die Renten steigen und nicht die Arbeitsjahre.
@Ben Becker: Danke für deinen Kommentar und das Feedback. Freut uns, wenn Du den Blog wichtig findest.
Ich denke, dass die vergangenen Jahre sehr viel passiert ist, um die Arbeit auf den Baustellen und in der Vorfertigung zu erleichtern. Moderne Maschinen, ergonomisches Werkzeug und Anlagen wo man nicht mehr schwer heben muss. Dazu noch deutlich bessere Arbeitszeitregelungen wie früher. Vielleicht sollte man auch in diese Richtung denken, um den Beruf auch mit einem Alter von 50 oder 60 Jahren noch angenehm zu gestalten.
Renteneintritt bei Handwerkern sollte aber definitiv nicht mit 70 sein! 45 Arbeitsjahre sollten, wenn man das ganze Leben auf der Baustelle gearbeitet hat reichen! Wenn wer freiwillig gerne länger arbeitet, ist das natürlich schön, auch dafür könnte der Staat steuerliche Anreize setzen.
Das ist ein sehr wichtiger Beitrag.
Meiner Meinung nach sollte man es ab nem gewissen Alter seinen lassen mit Schwerer körperlichen Arbeit damit Mann sich nicht komplett kaputt macht klar macht man sich als Zimmerer sowieso kaputt aber wenn ein gewisser Punkt erreicht ist muss Mann immer abwägen und sich entscheiden o BC man weiter schwer körperlich arbeiten will oder langsam zur Ruhe kommen will und sich dann z.b. ins Büro zurückzieht
Als jemand, der sowohl auf dem Dach als auch am Schreibtisch arbeitet, sehe ich das Thema aus beiden Perspektiven.Die körperliche Belastung auf der Baustelle ist enorm – und das Tag für Tag über Jahrzehnte durchzuhalten, ist realistisch kaum machbar. Gleichzeitig weiß ich, wie fordernd und zeitintensiv die Arbeit im Büro sein kann, auch wenn sie physisch weniger beansprucht.Ich habe noch mein ganzes Berufsleben vor mir, aber schon jetzt wird klar: Wir müssen im Handwerk realistisch über die Zukunft sprechen.Vielleicht brauchen wir flexible Rentenmodelle, die stärker berücksichtigen, wie belastend ein Beruf wirklich ist – körperlich wie mental.
Spannender und wichtiger Beitrag, danke dafür! Gerade im Handwerk – für Zimmerer wie Dachdecker – ist Körperarbeit bis zur Rente kaum durchzuhalten. Sollte man daher darüber nachdenken, die Rentenregelungen berufsbezogen anzupassen? Also früher in Rente gehen für körperlich belastende Berufe – und dafür Büroberufe länger arbeiten lassen, weil das ausdauernder machbar ist? Würde das nicht der Realität vieler Handwerker:innen besser gerecht werden? Eure Meinung interessiert uns!