Handwerk in der Krise – Ein Erfahrungsbericht, der Mut machen soll
Als Unternehmer im Handwerk ist man es gewohnt, Verantwortung zu tragen. Wir führen Projekte, treffen Entscheidungen, lösen täglich neue Herausforderungen – auf der Baustelle wie im Büro. Doch es gibt Momente, in denen es nicht mehr um das nächste Haus oder den nächsten Kunden geht, sondern um die Substanz und Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens.
Ende 2024 war bei Nafz genau so ein Moment erreicht. Der Markt war eingebrochen, der Vertrieb stagnierte und das starke Wachstum der vergangenen Jahre ließ sich unter den veränderten Marktbedingungen so nicht fortführen. Und trotzdem war klar: Wir haben ein starkes Produkt, ein motiviertes Team und eine klare Vision.
Mit diesem Blogbeitrag möchte ich bewusst einmal aus meiner Sicht (Lukas Nafz) erzählen, wie wir diesen Weg gegangen sind. Wie sich eine Sanierung in Eigenverwaltung wirklich anfühlt. Was sie auslöst, was sie fordert aber auch was sie möglich macht.
Nicht als Rechtfertigung und nicht als Heldengeschichte. Sondern als ehrlicher Erfahrungsbericht für Kollegen, Partner und für alle, die wissen wollen, wie man ein Unternehmen neu aufstellt, ohne seine Substanz, seine Kultur oder seine Menschen zu verlieren.
Von außen gewachsen – von innen gefordert
Die wirtschaftlichen Gründe, warum es zur Sanierung kam, sind schnell erklärt: Wir sind in den Jahren zuvor stark gewachsen – personell, strukturell, strategisch. Wir hatten viele Projekte, ein funktionierendes Geschäftsmodell und ein starkes Team.
Doch dieses Wachstum brachte auch ein gewisses Maß an Fixkosten und Strukturen mit sich - und im Baugewerbe ist das nur tragbar, wenn der Vertrieb mitzieht und wenn man die Wachstumskurve nachhaltig aufrechterhält. Als die Nachfrage plötzlich einbrach, neue Aufträge ausblieben und Kundengespräche zögerlicher wurden, hat sich gezeigt: Unsere Struktur war auf Wachstum ausgelegt – doch als der Markt plötzlich kippte, stand das in keinem Verhältnis mehr zueinander.
Was in so einer Situation wichtig ist: Nicht erst handeln, wenn es zu spät ist. Es gibt nie einen perfekten Zeitpunkt für so eine Entscheidung, aber es braucht den Mut, sie zu treffen, bevor es zu spät ist.
Mit der Kanzlei Pluta aus Stuttgart, insbesondere mit Herrn Steffen Beck, Jonas Scheble und Sarah Dingler hatten wir ab dem ersten Gespräch die richtige Unterstützung an unserer Seite. Die Entscheidung, diesen Weg mit Pluta zu gehen, war goldrichtig. Die Kanzlei bringt nicht nur juristische und betriebswirtschaftliche Expertise mit, sondern auch das unternehmerische Verständnis, das man in so einer Phase braucht.
Die Sanierung in Eigenverwaltung ist ein Instrument, das nicht jeder kennt und das auch nicht in jeder Situation passend ist. Man braucht ein tragfähiges Konzept, eine ehrliche Ausgangsanalyse und eine Zukunftsperspektive. All das konnten wir im Dezember 2024 vorlegen und mit Pluta gemeinsam erarbeiten. So wurde der Antrag vom Gericht dann auch genehmigt.
Die Sanierung in Eigenverwaltung bedeutet, dass kein klassischer Insolvenzverwalter das Tagesgeschäft übernimmt. Als Geschäftsführer bleibt man selbst im Amt und führt mit externer Kontrolle und mit Beratung das Unternehmen weiter. Die Verantwortung bleibt voll bei einem selbst und man führt so das Unternehmen durch das Verfahren hindurch.
Mein erster Gedanke damals?
„Okay – es wird hart. Aber wir haben einen Weg. Und wir gehen ihn.“
Auch wenn das am Anfang schwer war zu realisieren, was nun bevorsteht war eines klar. Als Unternehmer trägt man die Verantwortung voll und ganz und auch in schlechten Zeiten muss man einen klaren Weg finden und alles dafür geben. Ab diesem Moment war klar: Jetzt zählt jeder Tag. Jedes Gespräch. Jede Entscheidung. Und wir haben genau da angesetzt – Schritt für Schritt.
Was Verantwortung wirklich bedeutet
Wenn man sich für die Eigenverwaltung entscheidet, entscheidet man sich auch dafür, alles zu tragen. Die Gespräche mit Kunden, die Verhandlungen die anstehen, die interne Kommunikation, die Neuordnung von Strukturen und den täglichen Druck, der auf einem lastet, mit dem Wissen, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat – für das Team, die Kunden und die Zukunft des Unternehmens.
Was ich in dieser Phase gelernt habe?
Dass Eigenverwaltung mehr ist als ein juristisches Verfahren. Es ist auch eine persönliche Prüfung. Denn bevor du das Unternehmen neu ausrichtest, musst du dich selbst ausrichten.
Führung beginnt mit Selbstführung. Du musst die Kontrolle über dich selbst behalten über die Gedanken, deine Entscheidungen, deine Energie. Du musst aufstehen, wenn es keiner sieht und dich selbst immer wieder neu sortieren.
Berater und Anwälte stehen einem zur Seite und Sie sind auch eine große Hilfe ohne die so ein Verfahren nicht machbar ist. Aber das Tagesgeschäft liegt bei einem selbst. Die Verantwortung kannst du nicht abgeben. Und genau das ist der Kern, denn wer eine Eigenverwaltung macht, übernimmt. Nicht nur juristisch, sondern auch menschlich.
Ein zentraler Moment war für mich, als ich nach den ersten 2 Monaten zum ersten Mal gespürt habe: Es funktioniert und unsere Strategie geht auf. Die Arbeit, die unzähligen Stunden und die vielen Gespräche tragen Früchte - für eine Zukunft, in der das, was funktioniert, wieder ganz vorne steht.
Ehrlich zum Team – und dafür getragen werden
In herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie stabil ein Team wirklich ist und wie viel Vertrauen im Raum steht. Als klar wurde, dass wir den Weg in die Eigenverwaltung gehen, war auch offensichtlich: Wir können das nur gemeinsam schaffen, oder gar nicht.
Mir war bewusst, dass eine solche Nachricht Fragen aufwirft. Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie steht es wirklich um das Unternehmen? Oder ist das wirklich ein geplanter Weg und keine Notlösung?
Wir haben deshalb von Anfang an aus voller Überzeugung auf maximale Transparenz gesetzt. Denn jeder, der seine Zeit, seine Energie und sein Engagement in dieses Unternehmen investiert, verdient es, auch in schweren Momenten respektvoll und ehrlich mitgenommen zu werden.
Bereits vor der offiziellen Bekanntmachung haben wir intern offen gemacht, was auf uns zukommt. Es gab Gespräche, Sitzungen, viele offene Fragen aber auch viel Verständnis. Und je klarer wir die Perspektive kommuniziert haben, desto mehr hat sich im Team etwas bewegt.
Natürlich war das keine einfache Zeit. Das Team war zuvor deutlich größer – über die Jahre gewachsen, mit vielen Rollen und Zuständigkeiten. Und nun haben sich über Wochen und Monate hinweg Strukturen verändert, Rollen neu sortiert und manche haben auch neue Wege eingeschlagen.
Was geblieben ist, ist ein kleineres Team – aber eines mit Rückgrat, Loyalität und echter Überzeugung. Menschen, die nicht einfach auf ihre Aufgaben schauen, sondern auf das Ganze. Die gefragt haben: „Was können wir tun, damit es weitergeht?“
In Einzelgesprächen wurde deutlich, wie tief das Verständnis saß. Es war sehr ruhig, ehrlich und oft ohne große Worte. Ein Satz ist mir besonders im Kopf geblieben: „Mich bringt hier nichts mehr weg.“ Das ist eine Haltung, die einen in solchen Situationen auch Stolz macht.
Und diese Haltung ist es, die uns heute trägt. Nicht, weil alles einfacher geworden ist, sondern weil wir wissen, dass wir gemeinsam schon durch eine schwierige Phase gegangen sind.
Sanierung heißt nicht nur Zahlen – sondern Haltung
Wenn Unternehmen in die Sanierung gehen, wird von außen oft nur auf das Offensichtliche geschaut: auf Zahlen, auf Verbindlichkeiten, auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Es geht um Gläubigerverhandlungen, um Zahlungspläne und operative Maßnahmen. All das ist notwendig, und ohne diese Grundlagen kann eine Sanierung nicht funktionieren. Doch wer nur auf Excel-Tabellen und juristische Verfahren blickt, verpasst das Wesentliche: was im Inneren eines Unternehmens wirklich passiert.
Denn Sanierung betrifft nicht nur die Struktur, sie betrifft auch den Kern. Sie fordert heraus, was man glaubt, wie man führt, wie man miteinander umgeht und was man wirklich lebt. In der Eigenverwaltung ist das nicht nur eine theoretische Erkenntnis, sondern tägliche Realität. Man spürt in jedem Gespräch, in jeder Entscheidung, ob man als Unternehmen ein stabiles Fundament hat oder ob die Krise alles infrage stellt.
Für uns war das ein Prozess der Rückbesinnung. Wir mussten nicht erfinden, wofür wir stehen aber wir mussten es schärfen. Unsere Werte, unser Anspruch, unsere Haltung – sie standen nie zur Debatte. Gerade in Zeiten, in denen viele Sicherheiten wanken, braucht es etwas, das bleibt. Für uns war das der Glaube an unser Produkt, an unsere Philosophie und an die Art und Weise, wie wir bauen: individuell, natürlich, hochwertig und mit einer Haltung, die sich nicht im Quadratmeterpreis bemisst, sondern in der Wirkung, die ein Haus auf seine Bewohner hat.
Daher sprechen wir bei Nafz auch von Lebensräumen die wir tagtäglich erschaffen.
Natürlich gab es Kompromisse und Natürlich mussten wir Prozesse verändern, Rahmenbedingungen akzeptieren, an einigen Stellen auch loslassen. Aber was wir nicht aufgegeben haben und auch nicht aufgeben werden ist der Kern dessen, was Nafz ausmacht.
Die Eigenverwaltung hat uns nicht davon abgebracht, wofür wir stehen, sie hat uns vielmehr daran erinnert.
Man kann Zahlen neu sortieren und man kann Strukturen verschlanken. Aber das Entscheidende ist: Das Unternehmen muss wissen, warum es das alles tut. Und dieses Warum war bei uns nie verschwunden es war nur überlagert von Wachstum, von Tempo, von Komplexität. Jetzt ist es wieder klar sichtbar. Und das verändert mehr als jede betriebswirtschaftliche Maßnahme.
Ein neuer Alltag – und was man dabei über sich selbst lernt
Seit Beginn der Eigenverwaltung hat sich unser Arbeitsalltag grundlegend verändert. Nicht unbedingt in seiner Intensität, aber in seiner Klarheit. Früher lief vieles im Hintergrund: Entscheidungen, Abläufe, Informationsfluss. Heute ist nichts mehr selbstverständlich: Jede Entscheidung ist sichtbar, jede Verantwortung spürbar und genau das hat eine neue Form von Aufmerksamkeit geschaffen. Jede Entscheidung zählt, jedes Gespräch trägt Gewicht, und jedes Teammitglied spürt, dass sein Beitrag sichtbar und wichtig ist. Die Transparenz, die das Verfahren mit sich bringt,fordert uns heraus, offener, ehrlicher und näher miteinander zu sprechen. Auch über Dinge, die früher manchmal unausgesprochen blieben. In regelmäßigen Betriebsversammlungen sprechen wir offen über Auftragslage, Fortschritte, Herausforderungen. Jeder weiß, wo das Unternehmen steht, jeder weiß, worauf es jetzt ankommt. Und das verändert die Kultur spürbar.
Es ist ein Arbeiten, das wieder Sinn stiftet – mit Verantwortung, mit Identifikation und mit einem klaren Ziel.
Es geht weiter – und zwar mit Perspektive
Wenn man durch eine solche Phase gegangen ist, stellt sich irgendwann nicht mehr nur die Frage, wie man es bis hierhin geschafft hat sondern wohin es jetzt geht. Genau das ist für uns ein wesentlicher Punkt: Der Blick richtet sich nach vorn, denn dafür ist die Eigenverwaltung da. Das Fundament steht und die Richtung ist klar. Und das, was wir tun, tun wir heute bewusster denn je – auf Basis unserer Werte, mit klarem Anspruch und mit einem starken Team.
Auch wenn die Eigenverwaltung formal noch nicht abgeschlossen ist, arbeiten wir bereits gemeinsam mit der Pluta Rechtsanwaltskanzlei an einem geregelten Ausstieg aus dem Verfahren. Die Abläufe und Strukturen funktionieren, Entscheidungen werden im Alltag souverän getroffen, und das Vertrauen unserer Bauherren hat sich nicht nur gehalten, sondern weiter gefestigt.
Unsere Auslastung reicht aktuell bis in die Mitte des Jahres 2026 mit vielen konkreten und aktiven Projekten im individuellen Einfamilienhausbau.
Seit Dezember 2024 haben wir mit neun festen Kunden Lösungen gefunden – ein Auftrag wurde bereits fertiggestellt, acht weitere sind in der konkreten Planung oder bereits im Bau. Zusätzlich haben uns bereits drei neue Bauherren inmitten der Sanierungsphase ihr Vertrauen ausgesprochen, mit uns gemeinsam Ende 2025 bzw. Anfang 2026 in die Planung und Umsetzung ihres Hauses zu gehen. Die Verträge sind geschlossen und die Planungsphase hat begonnen. Das ist ein starkes Zeichen für unsere zukünftige Auslastung und auch für den Geist, mit dem wir weiterarbeiten.
Heute verstehen wir uns als Eigenheim-Manufaktur für individuelle Lebensräume.
Wir arbeiten nicht für Volumen, sondern für Wirkung. Für Häuser, die berühren. Für Kunden, die das Besondere suchen.
Und für ein Team, das sich nicht mit Mittelmaß zufriedengibt. Jedes Projekt wird mit einem klaren Qualitätsversprechen bearbeitet. Unsere Kapazitäten sind bewusst begrenzt, denn nur so können wir jedem Detail, jeder Planung und jeder handwerklichen Umsetzung die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient.
Dazu braucht es Menschen, die diesen Weg mitgehen.
Daher suchen wir weiterhin auch Zimmerer für unser Team, die ihr Handwerk lieben, die nicht einfach nur mitarbeiten wollen, sondern auch gerne mitdenken. In der Fertigung und auf der Baustelle – wer diesen Anspruch teilt, wird sich bei uns wohlfühlen und auch von unseren Arbeitsbedingungen profitieren.
Und: Wer Fragen hat – zur Sanierung, zum Verfahren oder zu unserem Alltag – bekommt ehrliche Antworten. Für uns ist das kein Tabu, ganz im Gegenteil. Wir stehen zu dem Weg, den wir gehen. Offenheit ist Teil unserer Kultur, intern wie extern. Niemand muss sich davor scheuen, mit uns ins Gespräch zu kommen.
Wir haben eine klare Perspektive und wir nehmen Menschen mit, die Lust haben, Teil davon zu werden.
Lukas Nafz
Geschäftsführer Nafz Holzhaus GmbH




















Danke dir Michael! 😊
Tolle Ehrliche Worte! Toller Erfahrungsbericht! Macht weiter so und viel Mut weiterhin.
Vielen Dank Emil für das Feedback und deine lieben Worte! 😌
Starker Einblick, ehrlich und auf den Punkt. Genau solche Geschichten braucht’s im Handwerk nicht beschönigt, sondern echt. Respekt, wie ihr das angegangen seid und dabei Haltung gezeigt habt!
Danke Flöru für deine Worte 😊
Wow!!
Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht und herzlichen Glückwunsch das du/ihr es geschafft habt aus dieser Krise mehr als nur " das Beste " zu machen!!