Teil VII: Moderne Zimmerei – Traditioneller Beruf mit modernsten Methoden
Die Rückkehr traditioneller Holzverbindungen
In weiten Teilen Deutschlands ist der Handabbund langsam aber sicher Geschichte. Natürlich ist das nicht überall so, es gibt durchaus Betriebe, die mit damit sehr gut fahren und weiter überzeugt daraufsetzen, mich persönlich freut das. Trotzdem hat der maschinelle Abbund mit CNC-Anlagen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Die Vorteile dabei liegen klar auf der Hand: In Zeiten des Fachkräftemangels kann so das fehlende Personal ausgeglichen werden und die Produktivität gesteigert werden. Wenn man vergleicht, wie schnell die kompliziertesten Dachkonstruktionen mit einer Hundegger o.ä. gefertigt werden können und wie lange man mit beispielsweise zwei bis drei Gesellen dafür brauchen würde, kommt die enorme Zeitersparnis deutlich zum Vorschein. Zudem kann man sich das Erstellen der einzelnen Abbundpläne sparen, denn über das Programm der Maschine werden die Daten vollautomatisch übergeben. Dabei werden Fehler beim Anreißen und mögliche Ungenauigkeiten beim Ausarbeiten der Hölzer von vornherein ausgemerzt und es entstehen größtenteils Hölzer mit enormer (Sicht-)Qualität.
Aus Sicht eines sehr traditionsbegeisterten und -bewussten Zimmerers, wo ich mich auch dazu zähle, ist dabei vor allem der Verlust der Handwerkskunst ein Nachteil und das Thema Abbundanlage wird kritisch betrachtet oder von Vornherein abgelehnt. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig das Wissen beim Schiften und der traditionellen Holzbearbeitung an die kommenden Generationen von Zimmerern weiterzugeben. Trotzdem muss man auch die positiven Auswirkungen sehen, die Rückkehr traditioneller Holzverbindungen. In Sekundenschnelle sind Versätze, Zapfen, Gerberstöße und Schwalbenschwanzverbindungen gefertigt und die unzähligen hässlichen Metallverbinder in den Holzkonstruktionen werden auf ein Minimum reduziert.
CNC-Abbundtechnik erfordert genauste Planung
Damit ein Abbund vollautomatisch auch reibungslos funktioniert, muss eine fundierte und genaue Planung in der Arbeitsvorbereitung voraus gehen. Dabei wird auf ein breites Spektrum an CAD-Programmen zurückgegriffen, jedes Programm hat so seine Vor- und Nachteile. Die Kunst liegt dann darin, die für den jeweiligen Betrieb und Anwender am besten passende Software auszuwählen und die Planung inklusive Planausgabe etc. auf seinen Betrieb zuzuschneiden. Gerade dabei ist es beim CNC-Abbund umso wichtiger genau zu Arbeiten und jedes Bauteil noch einmal zu kontrollieren. Beim Handabbund ist der Zimmerer viel näher am Bauteil und erkennt durch sein Fachwissen frühgenug wenn etwas nicht stimmt, die Maschine führt nur die vorher gezeichneten Verbindungen aus und man kann Fehler erst nach der Bearbeitung erkennen. Dann ist es meist schon zu spät, die Folge können Mehrkosten oder Bauverzögerungen sein, die in der aktuellen Phase am Bau wirklich keiner gebrauchen kann.
Elementierung gewinnt an Bedeutung
Ein großer Vorteil an Baukonstruktionen aus Holz, sei es Holzrahmenbau, Brettsperrholzelemente oder ähnliches, ist die kurze Bauzeit auf der Baustelle. Es wird gerade im Wand- und Deckenbereich in großem Maße Vorelementiert, so muss das Haus auf der Baustelle nur noch aufgerichtet werden. In einigen Betrieben geht der Trend nun auch zur Dachelementierung, allerdings eher schleppend, doch was sorgt für die vorsichtigen Schritte der Branche in diesem Bereich?
Beim Elementieren kommt der Punkt der exakten Planung und Arbeitsvorbereitung wieder zum Tragen. Je größer der Grad der Fertigung in der Halle, desto höher sind die Ansprüche an die Planung von Details und Anschlüssen. Wird beispielsweise auf der Baustelle gedämmt, beplankt usw. kann man sich während der Ausführung von Lage zu Lage seine Gedanken machen. Wird allerdings schon vorher alles gefertigt, müssen diese Sachen ausgereift sein, denn man kommt ganz einfach beim Richten nicht mehr überall dran. Die Luftdichtigkeit beispielsweise ist dabei ein wichtiges Thema, beplankt man schon vorher beispielsweise mit Gipsplatten ohne Rücksicht auf die Anschlüsse, kommt man eventuell nicht mehr dazu wichtige Anschlüsse herzustellen.
Gerade bei Dachelementen sind viele Zimmereien noch vorsichtig, denn hier muss alles zu 100 Prozent stimmen. Was ist, wenn Sparren einen Bogen haben? Solche Sachen können sich zum Beispiel bei einer Trauflänge von 10 bis 15 Metern und Elementen von ca. 3m schnell hochschaukeln und am Ende passt das letzte Element nicht aufs Dach, eine sehr peinliche Aktion für jeden Zimmermann. Dabei gibt es allerdings sehr viele Schöne Ideen, die eine genaue Vorfertigung ermöglichen, sei es ein Elementbaubautisch von Weimann oder ein System wie das Tectofix von der Firma Bauer.
Dazu kommen Aspekte wie Logistik, die Elemente müssen transportfähig dimensioniert werden, es muss eine Aussteifung vorhanden sein und dein entsprechender Kran muss auch organisiert werden. Diese Gesichtspunkte sorgen dafür, dass der Anteil der Büroarbeit an solchen Projekten natürlich erheblich steigt. Trotzdem wird es sich in Zukunft immer mehr durchsetzen, gerade beim Thema Arbeitssicherheit punktet die Vorfertigung. So kann man beispielsweise an Ortgangelementen einen seitlichen Absturzschutz montieren und wenn die Lattung schon vorher drauf ist, muss keiner mehr auf der freien Dachkonstruktion rumklettern. Die Produktion ist über das ganze Jahr möglich und dabei Witterungsunabhängig, die Zeit auf der Baustelle und damit auch die Fahrzeiten etc. werden reduziert und das Dach ist sofort regensicher.
Deutliche Unterschiede in der Detailausführung von Dachelementen ergeben sich aus dem Grad der Vorfertigung. Soll nur die Lattung in der Vorfertigung montiert werden? Oder sollen die Elemente bereits im Betrieb gedämmt und beidseitig beplankt werden? Bei zweiterem ist der schon erwähnte hohe Anspruch an die Planung enorm, zudem muss eine Fremüberwachung durchgeführt werden. Zum Einstieg in die Dachelementierung empfiehlt es sich daher, erstmal mit einseitigem Aufbau zu beginnen.
Empfehlung zur weiteren Information: Tectofix 3000 der Firma Bauer Holzbau GmbH
Wie ist es bei euch im Betrieb? Inwieweit wird schon Elementiert? Nutzt ihr Abbundsoftware? Handabbund, CNC-Anlage oder Lohnabbund? Gerne mal kommentieren!

Wir arbeiten mit Weinmann Tischen, hier hast halt den Vorteil dass es ein geschlossener Tisch ist bei dem die kurzen Ständer oder Wechsel auch auflegen kannst. Bei den Tectofix kannst allerdings zum auflegen schön hinlaufen, es hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Der Abbund läuft bei uns auch durch die WBZ160 von Weinmann hier scheiden sich ja auch die Geister,... aber bei uns Läuft sie :-)
Servus Flo, das sehe ich genauso. Da sollte schon jemand mit Verstand dran stehen der auch weiß auf was es zu achten gilt (z.B. Bogen eines Sparrens, Macken am besten nicht in den Sichtbereich usw.) Zudem sollte die Beschriftung möglichst so sein, dass man vor Ort beim Richten gar nicht, oder nur selten auf den Plan schauen muss. Die Pakete sollten auch sinnvoll geordnet sein, sodass ein reibungsloses verladen und richten möglich ist!
Hallo Marvin,
Erst mal, gut geschrieben!
Ich arbeite selbst mit einer Abbundanlage und ja, die Anlage ist nur so gut wie ihr Bediener bzw der Arbeitsvorbereiter, wenn in der Konstruktion schon Fehler, fehlende Verbindungen oder keine Positionskennzeichnungen sind erkennt das die Maschine nicht und fügt diese auch nicht automatisch ein.
Zum Thema Fachwissen, ich würde keinen nicht gelernten Zimmerer an eine Abbundanlage stellen da in einer Zimmerei doch häufiger die individuelle Bauweise vorkommt und die Bauwerke meist komplexer sind als nur Ständer kappen und Satteldächer,...
grüße fLo