Manuelles Aufmaß und 3D-Scan mit Punktwolke im direkten Vergleich
Nachtrag: nach Veröffentlichung des Beitrages wurden wir darauf hingewiesen, dass Christian Appelhans von Scan auf Maß nicht nur für das digitale Aufmaß zuständig war, sondern auch die komplette Arbeitsvorbereitung von ihm übernommen wurde.
Das Dachgeschoss eines Altenpflegeheimes in Osnabrück wurde 2018 und 2024 aufgestockt. Beide Projekte wurden von der Zimmerei Bäker realisiert, jedoch wurde 2018 von Hand aufgemessen und 2024 kam ein Laserscanner zum Einsatz.
Durch die konstruktive Ähnlichkeit der Projekte lassen sich die beiden Methoden sehr gut vergleichen.
Das Bauprojekt im Überblick:
- Zwei Dachaufstockungen in Holzrahmenbauweise auf bestehende Gebäudeflügel, durchgeführt 2018 und 2024
- Die Bauarbeiten fanden im laufenden Betrieb des Altenheimes und der Pflegeschule statt
- Im zweiten Bauabschnitt 2024 wurde auf ein digitales Aufmaß gesetzt, während im ersten Bauabschnitt von Hand Maß genommen wurde
Vermessung und Planung im Vergleich
- Aufwand manuelles Aufmaß 2018:
zwei Personen mit je 1,5 Tagen, inkl. Nachtermin zur Überprüfung und Ergänzung - Aufwand mit Laserscan 2024:
eine Person, 1,5 Stunden(!), kein Nachtermin nötig, da alle Maße erfasst wurden
Die generierte Punktwolke bildete ein exaktes Abbild des nicht rechtwinkligen Grundrisses, bildet Höhenunterschiede, Durchbiegungen der Bestandsbauteile, die Lage der Mittelpfetten sowie die Ausrichtung des Treppenhauses 1:1 ab. Auch ließ sich der Architektenplan über die Punktwolke legen um Kollisionen zwischen Neubau, Altbau und Leitungen vorab zu prüfen.
--> Insgesamt konnte so ca. eine Woche Arbeitszeit in der Arbeitsvorbereitung gespart werden.
Vorfertigung
Die Wände wurden in Holzständerbauweise vorgefertigt und dann samt Grundputz, Fenster, Fensterblechen und Rolläden angeliefert. Höhenunterschiede von bis zu 4,6 cm wurden dank einer Ebenheitsanalyse und der Visualisierung in SEMA einfach erkannt und noch in der Montagehalle mit Klötzchen ausgeglichen – siehe auch in den Bildern.
Beim Dach war der Vorfertigungsgrad aufgrund vieler Durchdringungen ein wenig niedriger. Diese Dachdurchdringungen waren aber vorab gut in SEMA sichtbar und wurden in der Montagehalle entsprechend markiert und ausgeschnitten.
Abbruch
Durch den Laserscan profitierte auch der Abbruch.
Zimmermeister Martin Hugenberg, Geschäftsführer der Bäker GmbH & CO KG: „Durch das exakte Aufmaß wussten wir genau, wo die Sparren aus dem Bestand abgeschnitten werden mussten.“ Das Bestandsdach wurde in drei Etappen abgetragen und sofort wieder aufgebaut, um es nicht zu lange offen zu lassen.
Montage
Die drei Etappen mit Abbruch und direkt wieder aufbauen wurden in nur einer Woche durchgezogen.
Die Wände wurden nach der Montage vor Ort mit Feinputz und Anstrich versehen, die einseitig beplankten Deckenelemente wurden mit Zellulose gedämmt und in Zusammenarbeit mit einem Dachdecker abgedichtet.
Fazit
Ob von Hand oder digital aufgemessen, beides ist erprobt und funktioniert. Doch um wie viel schneller und genauer ein Aufmaß mit einem Laserscanner sein kann und welche Möglichkeiten sich dadurch im Abbruch, Vorfertigung und Montage ergeben hat der Vergleich der beiden Bauabschnitte eindrucksvoll bewiesen.
Die Summe der Vorteile der Punktwolke haben dieses Projekt sogar erst ermöglicht: das Projekt war angesichts der engen finanziellen Vorgaben der Diakonie sehr knapp kalkuliert. „Wäre es wie im ersten Bauabschnitt umgesetzt worden, hätte es sich unter den aktuellen Kosten nicht gerechnet. Das präzise Aufmaß hat enorm Zeit und Geld gespart.“ so Zimmermeister Hugenberg.
Beteiligte:
Zimmerei: Zimmerei Bäker GmbH & CO KG
Aufmaß: SCAN auf Maß
Architektin: Andrea Wessendorf




















Genial!!! Liebe den Beitrag. Liebe neue Technologien, welche in Hand mit der alten Tradition gehen.Nur - kenne noch keine Zimmerei mit eigenem Equipment. Der Auftrag wird in dem Fall also an einen externen Profi outgesourct - jener erledigt den Job und übergibt eine saubere Punktewolke.Wäre es nicht toll solche neuen Methoden direkt in den weiterbildenden Kursen einzubinden, damit zukünftige Meister zumindest die Wahl haben, zwischen dem altbekannten, händischen Aufmaß und der ordnungsgemäßen Nutzung von entsprechenden Lidar-3D-Scannern inkl. Bearbeitung der Rohdaten... damit diese auch den richten Weg in das Zeichenprogramm finden.Finde solche "Hilfsmittel" sehr wichtig, kümmern wir uns nicht drum........ werden andere Industriezweige kommen und uns "die Butter vom Brot holen" :-/
Toller Beitrag.
Ein wirklich sehr schöner Beitrag