Meisterfortbildung soll kostenlos sein - Wie ist das genau gemeint?
Dem Fachkräftemangel entgegenwirken
Der Entschluss, sich den Meisterbrief zu erarbeiten, ist ein wichtiger Schritt in der persönlichen Karriere. Sei es die angestrebte Selbstständigkeit oder andere Aufstiegswünsche. Das Zertifikat ist der Grundstein dafür. Bisher musste man neben Zeit, Ausdauer und Energie auch viel Geld in die Ausbildung stecken.
Jedoch hat sich nun in verschiedenen Länderregierungen einiges getan, um dem Fachkräftemangel in Industrie und Handwerk zu begegnen und das Handwerk wieder attraktiver zu machen. Der Meisterbrief soll nun kostenlos sein und damit den kostenfreien Hochschulabschlüssen gleichgestellt werden. Jedoch hat diese Aussage mancher Landesregierung auch für Verwirrung gesorgt.
Gebühren bleiben bestehen, werden aber durch Förderungen reduziert
Es ist nämlich keineswegs so, dass nun die Lehrgänge an den einzelnen Schulen plötzlich nichts mehr kosten. Und auch die Prüfungsgebühren an den Handwerkskammern bestehen weiterhin. Die Meisterschüler müssen doch erst einmal in die eigene Tasche greifen, um die Weiterbildung zu zahlen. Die Gebühren unterscheiden sich auch von Schule zu Schule und Kammer zu Kammer teils erheblich.¹
Allerdings unterliegt die Weiterbildung zum Meister staatlicher Förderung und zwar durch das Aufstiegs-Bafög (früher Meister-Bafög) nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG). Dies soll den Absolventen bei ihrer Qualifizierung finanziell unter die Arme greifen. Einkommens- und vermögensunabhängig werden die Kosten der Fortbildung zum Teil bezuschusst, bei Vollzeitmaßnahmen auch der Lebensunterhalt, dies jedoch abhängig von eigenen Finanzen.
Wie sieht die Förderung aus?
Die anfallenden Gebühren werden bis zu einer Höhe von 15.000€ gefördert. Davon sind 50% ein nicht zurückzahlbarer Zuschuss. Die andere Hälfte kann über ein zinsgünstiges Darlehen über die KfW gefördert werden. Bei bestandener Prüfung werden dem Absolventen auf Antrag 50% dieses Darlehens erlassen. Bei anschließender Existenzgründung sogar 100%.
Somit sind 75% der Gebühren schon mal ausgeglichen. Der Lebensunterhalt kann abhängig von eigenen finanziellen Mitteln bezuschusst werden, was nicht zurückgezahlt werden muss.²
Und wie ist das nun mit dem kostenlosen Meisterbrief?
Ein Großteil der Kosten ist also durch das Aufstiegs-Bafög ausgeglichen. Die Aussage, dass die Weiterbildung nun kostenlos ist, zielt auf den Meisterbonus (in manchen Ländern Meisterprämie, Aufstiegsprämie...) ab, der von den einzelnen Ländern nach bestandener Meisterprüfung ausgeschüttet wird und sich je nach Bundesland unterscheidet.
Mit dieser Zusatzzahlung können die restlichen Kosten für die Weiterbildung zum großen Teil gedeckt werden und damit kann rechnerisch der Meisterbrief „kostenlos“ sein.
Eine Beispielrechnung:
Prüfungs und Lehrgangsgebühr 12.000€
- Zuschuss Aufstiegs-Bafög (50%) 6.000€
- Darlehenserlass bei bestandener Prüfung (50%) 3.000€
- Meisterbonus (z.B. Bayern 3.000€) = 0€
Fazit
Die Weiterbildung zum Meister ist weiterhin mit erheblichen Kosten verknüpft. Je nach Voraussetzung können jedoch die Kosten zum Großteil oder sogar ganz durch die staatliche Förderung nach AFBG in Kombination mit dem Bonus bzw. der Prämie gedeckt werden. Die Schüler müssen in Vorleistung gehen und die Anträge fristgerecht stellen, damit der Geldfluss dann auch zeitig kommt.
Die Förderungen und Boni sind ein wichtiger und richtiger Schritt, um das Handwerk zu fördern und neue Fachkräfte zu bilden. Durch die Kostenreduktion hat der Schritt zum Meisterbrief auf jeden Fall an Attraktion gewonnen.
Quellen und Infos, weitere Links:
Über die jeweiligen Gebühren informieren die einzelnen Schulen und Handwerkskammern. Die Förderungsvoraussetzungen und -bedingungen und weitere Infos sind unter www.aufstiegs-bafög.de einsehbar. Daneben gibt es teilweise auch weitere Förderungsmöglichkeiten wie z.B. Begabtenförderungen etc. Auch hierüber sollte man sich bei seiner Schule und HWK informieren.
¹ https://www.meisterschulen-info.de/meisterkurse/bau-zimmerer-dachdecker
² https://www.aufstiegs-bafoeg.de/aufstiegsbafoeg/de/home/home_node.html










Um mehr Azubis und Gesellen zu gewinnen muss auch noch mehr getan werden. Dafür machen wir das ganze Jahr Werbung fürs Zimmererhandwerk.
Ich finde das ganze an sich gut und richtig, jedoch brauchen wir um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken nicht einen günstigen Meistertitel für jedermann, sondern mehr Azubis und Gesellen und Attraktivität für deren Job. Auch ein Geselle ist ein anzusehender Status, viele glauben erst mit Meister oder Studium ist man etwas…
Wenn man es genau nimmt, ist der Meister ja so gut wie kostenlos. Mit dem BAföG oder mit einem Stipendium werden dir 75 und mehr % geschenkt! Aber klar, eine gute Idee ist es allemal.
Hey Zimmerertreffpunkt verwirrende Aussagen und Headlines, in den Medien verständlich gemacht ! Sehr Gute Erklärung von dem Autor ! Schade damit Wörter wie "kostenlos" fehlinterpretiert werden können und über deren Bedeutung erst recherchiert werden muß. Sieht so aus, als muß auf politischer Ebene noch viel passieren, um das Gleichstellungsziel, den Bachelorstudiengang und die Meisterweiterbildung, hinsichtlich Finanzierungsbeantragungen/-genehmigungen, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Danke für den Beitrag.