Baugewerbe korrigiert Umsatzprognose wegen Corona nach unten
Die Abfolge von Pandemie und freiheitsbeschränkenden Maßnahmen hat einen Angebotsschock quer durch die Volkswirtschaft mit einem nachfolgenden Nachfrageschock ausgelöst. Die Corona-Krise zwingt auch die Bauwirtschaft zu einer Neubewertung der Erwartungen. Aus verschiedenen Umfragen ist erkennbar, dass bereits Aufträge in deutlichem Umfang storniert wurden. Im zweiten Halbjahr 2020 wird mit einem weiteren nachlassenden Auftragseingang gerechnet.
Die Forschungsinstitute erwarten einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 4,2 %. Besonders betroffen sind der Einzelhandel, der Tourismus und die Dienstleistungen. Das alles sind Bereiche, die den Wirtschaftsbau im vergangenen Jahr mit getragen haben. Dieser Rückgang sorgt in dieser Bausparte nominal für ein Minus von 3,5 % bzw. real von ca. 7 %.
Auch die öffentliche Hand leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Der Ausfall an Steuern beträgt laut aktueller Steuerschätzung 100 Mrd. Euro. Davon betroffen sind alle staatlichen Ebenen. Besonders hart trifft das die Kommunen, die neben Steuerausfällen auch höhere Sozialabgaben zu verkraften haben. Gleichzeitig sind die Kommunen mit einem Anteil von 60 % der wichtigste Auftraggeber öffentlicher Bauinvestitionen. Der ZDB unterstützt hier die Forderung nach einem kommunalen Rettungsschirm um die Handlungsfähigkeit der Kommunen aufrechtzuerhalten.
Nur für den Wohnungsbau rechnet das Baugewerbe mit einem Umsatzplus (nominal) von nur 3 %. Stützend wirkt hier der auch in den letzten Jahren nicht abgebaute Bedarf an Wohnungen. Die Nachfrage ist in dieser Bausparte noch nachhaltiger. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden wohl eher begrenzt sein. Auf der anderen Seite bremst die Situation am Arbeitsmarkt die Investitionsbereitschaft privater Eigenheimbauer. Da viele Menschen von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sind, werden viele nicht mehr in eine eigene Immobilie investieren. Das haben Auftragsstornierungen deutlich gezeigt.
Angesichts dieser schrumpfenden Nachfrage nach Bauleistungen, ist mit einem erhöhten Preiswettbewerb zu rechnen. „Wir haben daher auch ein intelligentes Konjunkturprogramm vorgeschlagen, das dazu beiträgt, die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und wichtige Zukunftsaufgaben voranzubringen, nämlich den Klimaschutz, den Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie den Wohnungsbau. Die Baubranche hat ihre Kapazitäten ausgeweitet und angesichts der erwarteten geringen Nachfrage vor allem aus dem Wirtschaftsbau ausreichend Kapazitäten, diese Zukunftsaufgaben zeitnah zu bewältigen,“ so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.
Quelle: Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), Berlin
