Veranstaltungen
Philip Bucher
13.03.2025

Tradition, Kluft und Muskelkraft – Das Narrenbaumstellen in Baienfurt

Wenn die fünfte Jahreszeit beginnt und die Fasnet in vollem Gange ist, gibt es in Baienfurt ein besonderes Ereignis, das für mich und viele andere jedes Jahr aufs Neue ein absolutes Highlight ist: das traditionelle Narrenbaumstellen am Gumpigen Donnerstag (auch als Weiber Fasnacht, Schmutziger Donnerstag... bekannt). Während in ganz Oberschwaben, und natürlich auch darüber hinaus, in der Fasnetszeit – oder anderswo als Karneval oder Fasching bekannt – die Narrenbäume gestellt werden, hat unser Brauch in Baienfurt eine ganz besondere Tradition.
Gruppenfoto nach dem erfolgreichen Narrenbaumstellen

Gruppenfoto nach dem erfolgreichen Narrenbaumstellen

Die Suche nach dem passenden Baum im Wald

Die Suche nach dem passenden Baum im Wald

Der Baum wird gefällt

Der Baum wird gefällt

Aufarbeiten des Baums mit Motorsäge und Axt

Aufarbeiten des Baums mit Motorsäge und Axt

Die gebrochenen Äste werden ausgeflickt

Die gebrochenen Äste werden ausgeflickt

Verladen auf dem Nachläufer

Verladen auf dem Nachläufer

Der Umzug durch den Ort

Der Umzug durch den Ort

Angekommen, der Baum liegt auf dem Bock und die Mädels binden die bunten Schleifen an.

Angekommen, der Baum liegt auf dem Bock und die Mädels binden die bunten Schleifen an.

Instruktionen vom Stellmeister Anton

Instruktionen vom Stellmeister Anton

Das Schild der Narrenzuft wird angenagelt

Das Schild der Narrenzuft wird angenagelt

Wer nichts zu tun hat beobachtet kritsch oder tut so als ob erwas zu tun hat

Wer nichts zu tun hat beobachtet kritsch oder tut so als ob erwas zu tun hat

Der Baum steht!

Der Baum steht!

Ein einzigartiges Ritual in Baienfurt
Während in vielen anderen Orten der Baum bereits im Vorfeld gefällt und vorbereitet wird, beginnt das Spektakel bei uns schon im Wald. Die Zimmerer aus Baienfurt und den umliegenden Gemeinden versammeln sich dort, um gemeinsam den passenden Baum auszusuchen. Das ist nicht nur eine Ehrensache, sondern auch eine spannende Herausforderung. Die Wahl fällt meist auf eine bis zu 30 Meter hohe Fichte oder Tanne, dieses Jahr waren es 23 Meter. Sobald der Baum gefällt ist, wird er von uns per Hand aus dem Wald getragen – eine echte Kraftprobe!

Vorbereitung und feierlicher Umzug
Bevor der Baum seinen Weg ins Dorf antritt, werden störende Äste entfernt, beschädigte Stellen in der Krone ausgebessert und der Stamm für den Transport vorbereitet. Anschließend wird er auf einen Nachläufer gespannt und mit dem Traktor in den Ort gefahren. Doch bevor es ans eigentliche Stellen geht, gehört eine ordentliche Stärkung dazu: Wir Zimmerer gehen gemeinsam in eine Wirtschaft ein und trinken ein Bier – Tradition muss sein!

Dann folgt der feierliche Umzug durch Baienfurt. Der Clou: Während der Baum zunächst mit dem Traktor gezogen wurde, übernehmen nun die Kinder des Ortes diese Aufgabe. Mit einem langen Tau ziehen sie den Baum durch die Straßen bis zum Marktplatz. Begleitet wird der Umzug von der Narrenzunft und musikalisch untermalt vom Fanfarenzug – ein echtes Spektakel für Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen.

Mein Job war am Ende an der Krone, hier ist es wichtig, dass die Zuschauer Platz machen und zu schauen, dass die Krone nirgends hängen bleibt.

Muskelkraft und Teamarbeit beim Stellen des Narrenbaums
Am Marktplatz angekommen, ist pure Muskelkraft gefragt. Der Baum wird vom Nachläufer gehoben und auf einem Bock abgelegt, jetzt werden von den Mädels die Bunten Bänder angebunden, die den Baum schmücken. Dann beginnt der eigentliche Kraftakt: Mit Holzscheren wird der Baum Stück für Stück in die Höhe gestemmt – eine Technik, die absolute Teamarbeit erfordert. Die größten Scheren werden von vier Personen bedient, da sie sonst kaum zu handhaben wären. Mit viel Konzentration wird der Baum schließlich im vorbereiteten Loch befestigt.

Eine weitere Tradition darf dabei nicht fehlen: Sobald der Baum steht, muss das Schild der Narrenzunft am Stamm befestigt werden – dafür wird normalerweise jedes Jahr jemand anders, meist die Jungsellen auserkoren. Danach wird natürlich noch ein Gruppenfoto gemacht, bevor das Fest seinen weiteren Lauf nimmt.

Feierlaune und Fasnetsstimmung
Während des gesamten Spektakels sorgen Musik, die Moderation der Narrenzunft Henkerhaus und zahlreiche Zuschauer für ausgelassene Stimmung. Sobald der Baum sicher steht, geht es weiter mit den Fasnetsfeierlichkeiten. Die Zimmerer  kehren ein, um den erfolgreichen Tag gebührend zu feiern. Am Abend trifft man sich dann auf dem Zunftball, um gemeinsam die Fasnet richtig auszukosten.

Das Narrenbaumstellen in Baienfurt ist für mich und viele andere eine unvergessliche Tradition. Es verbindet Handwerk, Teamgeist und Fasnetsfreude – ein Brauch, den wir mit Stolz pflegen und jedes Jahr aufs Neue mit großer Begeisterung erleben!

 

Nachdem ich natürlich selber mit angepackt habe ist die Foto Auswahl beschränkt, aber ich hoffe ihr bekommt einen guten Eindruck vom ganzen Spektakel.

 

Jetzt frage ich euch: Wer von euch stellt auch den Narrenbaum als Zimmerer?

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2 Kommentare
Zimmerer - Treffpunkt
18.03.2025

Tolle Tradition, hoffen wir, dass diese noch lange bewahrt wird!

Maxderzimmermann
17.03.2025

Sehr schöne Tradition! 

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