Tradition, Kluft und Muskelkraft – Das Narrenbaumstellen in Baienfurt
Ein einzigartiges Ritual in Baienfurt
Während in vielen anderen Orten der Baum bereits im Vorfeld gefällt und vorbereitet wird, beginnt das Spektakel bei uns schon im Wald. Die Zimmerer aus Baienfurt und den umliegenden Gemeinden versammeln sich dort, um gemeinsam den passenden Baum auszusuchen. Das ist nicht nur eine Ehrensache, sondern auch eine spannende Herausforderung. Die Wahl fällt meist auf eine bis zu 30 Meter hohe Fichte oder Tanne, dieses Jahr waren es 23 Meter. Sobald der Baum gefällt ist, wird er von uns per Hand aus dem Wald getragen – eine echte Kraftprobe!
Vorbereitung und feierlicher Umzug
Bevor der Baum seinen Weg ins Dorf antritt, werden störende Äste entfernt, beschädigte Stellen in der Krone ausgebessert und der Stamm für den Transport vorbereitet. Anschließend wird er auf einen Nachläufer gespannt und mit dem Traktor in den Ort gefahren. Doch bevor es ans eigentliche Stellen geht, gehört eine ordentliche Stärkung dazu: Wir Zimmerer gehen gemeinsam in eine Wirtschaft ein und trinken ein Bier – Tradition muss sein!
Dann folgt der feierliche Umzug durch Baienfurt. Der Clou: Während der Baum zunächst mit dem Traktor gezogen wurde, übernehmen nun die Kinder des Ortes diese Aufgabe. Mit einem langen Tau ziehen sie den Baum durch die Straßen bis zum Marktplatz. Begleitet wird der Umzug von der Narrenzunft und musikalisch untermalt vom Fanfarenzug – ein echtes Spektakel für Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen.
Mein Job war am Ende an der Krone, hier ist es wichtig, dass die Zuschauer Platz machen und zu schauen, dass die Krone nirgends hängen bleibt.
Muskelkraft und Teamarbeit beim Stellen des Narrenbaums
Am Marktplatz angekommen, ist pure Muskelkraft gefragt. Der Baum wird vom Nachläufer gehoben und auf einem Bock abgelegt, jetzt werden von den Mädels die Bunten Bänder angebunden, die den Baum schmücken. Dann beginnt der eigentliche Kraftakt: Mit Holzscheren wird der Baum Stück für Stück in die Höhe gestemmt – eine Technik, die absolute Teamarbeit erfordert. Die größten Scheren werden von vier Personen bedient, da sie sonst kaum zu handhaben wären. Mit viel Konzentration wird der Baum schließlich im vorbereiteten Loch befestigt.
Eine weitere Tradition darf dabei nicht fehlen: Sobald der Baum steht, muss das Schild der Narrenzunft am Stamm befestigt werden – dafür wird normalerweise jedes Jahr jemand anders, meist die Jungsellen auserkoren. Danach wird natürlich noch ein Gruppenfoto gemacht, bevor das Fest seinen weiteren Lauf nimmt.
Feierlaune und Fasnetsstimmung
Während des gesamten Spektakels sorgen Musik, die Moderation der Narrenzunft Henkerhaus und zahlreiche Zuschauer für ausgelassene Stimmung. Sobald der Baum sicher steht, geht es weiter mit den Fasnetsfeierlichkeiten. Die Zimmerer kehren ein, um den erfolgreichen Tag gebührend zu feiern. Am Abend trifft man sich dann auf dem Zunftball, um gemeinsam die Fasnet richtig auszukosten.
Das Narrenbaumstellen in Baienfurt ist für mich und viele andere eine unvergessliche Tradition. Es verbindet Handwerk, Teamgeist und Fasnetsfreude – ein Brauch, den wir mit Stolz pflegen und jedes Jahr aufs Neue mit großer Begeisterung erleben!
Nachdem ich natürlich selber mit angepackt habe ist die Foto Auswahl beschränkt, aber ich hoffe ihr bekommt einen guten Eindruck vom ganzen Spektakel.
Jetzt frage ich euch: Wer von euch stellt auch den Narrenbaum als Zimmerer?
























Tolle Tradition, hoffen wir, dass diese noch lange bewahrt wird!
Sehr schöne Tradition!