Deutsch - französische Zusammenarbeit: Unser gemeinsames Tiny House Projekt in Chile
Mein französischer Kollege von den Compagnons du Devoir
Aus dem ersten Blogbeitrag kennt ihr vermutlich meinen französischen Kollegen Quentin schon. Er kommt von den Compagnons du Devoir, einer Vereinigung die schon seit dem Mittelalter besteht. Dort werden Handwerker verschiedener Gewerke ausgebildet. Bekannt sind sie für ihre sehr traditionelle Ausbildung und ihre Tour de France, einer Art Wanderschaft durch Frankreich, in der sie in eigenen Herbergen untergebracht sind. Nach dieser Zeit gehen die jungen Handwerker auch ins Ausland wie beispielsweise in diesem Fall nach Chile. Bei Tronconoble sind über die Zeit schon einige Compagnons untergekommen. Es war für mich sehr spannend zu sehen wie die Ausbildung in Frankreich läuft, wie sie sich von der deutschen Ausbildung unterscheidet und weshalb sie so einzigartig ist. Gleichzeitig hatten wir eine lustige und trotzdem sehr lehrreiche Zeit miteinander.
Das Projekt
In diesem Blogbeitrag geht es um mein aktuelles Projekt bei Tronconoble: Das Tiny House. Ursprünglich aus den USA ist der Trend vor einiger Zeit auch in Chile angekommen. Egal ob, wie in diesem Fall, als Ferienhaus oder tatsächlich als dauerhafte Wohnlösung: Mit 30qm, einem Schlafzimmer, Bad und Küche hat es alles was man zum Leben braucht und ist dazu noch flexibel! Die Maße sind nämlich so ausgelegt, dass das Haus jederzeit per LKW an einen neuen Ort gebracht werden kann.
Wie sieht's hier eigentlich mit dem Material aus?
Das Holz
Die Holzqualität ist in jedem Fall nicht mit deutschen Standards zu vergleichen, trotzdem findet man mit etwas Glück einigermaßen gute Qualität. Wo wir schon gerade bei Qualität sind - im Gegensatz zu Deutschland wird die Holzqualität und ihr zugelassener Einsatzbereich in Farben dargestellt:
Blau - zugelassen für tragende Bauteile wie z.B. Sparren und Deckenbalken
Orange/Rot - für den Bau von z.B Wänden geeignet, benötigt aber beispielsweise OSB Platten als statische Unterstützung
Grün - schlechte Qualität, deshalb nur für z.B. Baustellensicherung zugelassen. Sollte nicht konstruktiv im Gebäude eingesetzt werden.
Da wir uns für das Tiny House aber auf absolut gerades Holz verlassen mussten, beschlossen wir die Ständer aus Furnierschichtholz (Plywood) zu sägen. Nach anfänglichen Zweifeln, ob das alles so funktioniert, waren wir recht schnell vom Material überzeugt. Es funktionierte super und wir hatten absolut keine Probleme mit verdrehtem Holz. Für die Plattform und den Dachstuhl nutzen wir, auch aus Kostengründen, trotzdem Vollholz der Farbe Blau.
Die Dämmung
Als Dämmung setzten wir hier Schafwollmatten ein. Diese sind super einfach zu verarbeiten und auch der typische Juckreiz bleibt aus. Sie sind sogar so angenehm, dass wir es uns nicht nehmen ließen, den ein oder anderen Mittagsschlaf darin zu machen (Bild Quentin, mein französischer Zimmererkollege liegt gleich mal Probe).
Verbindungsmittel
Schrauben, Klebebänder und auch z.B. die Klammern haben alle europäische Qualität und kommen u.a. von Rothoblaas, die einen eigenen Stützpunkt in Chile haben.
Und das Werkzeug?
Wer an Chile denkt, denkt vermutlich nicht direkt an Mafell, Altendorf und wie die ganzen für uns bekannten Hersteller auch heißen. Dadurch, dass Andrés lange Zeit in Deutschland und der Schweiz tätig war, hat er viele Maschinen per Container nach Villarrica bringen lassen. Somit können wir mit Mafell Akkuschrauber, Altendorf Formatkreissäge und (logisch) Makita Werkzeug arbeiten.
Was machen wir in unserer Freizeit
Ja so schnell kann es gehen! Wenn die Arbeit Spaß macht, dann ist der Tag/die Woche im Handumdrehen vorbei. Am Wochenende sind wir viel unterwegs, schlafen draußen in der Hängematte und bewundern den wunderschönen chilenischen Sternenhimmel. Das liegt nicht nur an der herrlichen Landschaft um Villarrica, sondern viel mehr an super netten Kollegen, die uns immer wieder mitnehmen, ihre Kultur zeigen und uns dadurch eine unvergessliche Zeit bescheren. Danke dafür!
Vorschau
Im nächsten Blog möchte ich euch das aus Amsterdam stammende Wikkelhouse vorstellen. Dies ist ein innovatives, ökologisches Modulhaus, welches unter anderem hier bei Tronconoble hergestellt wird.
Wie läuft die Produktion ab? Was für Material wird verwendet und was macht das Wikkelhouse so besonders? Ein kurzes Update zum Tiny House wird es natürlich auch geben!
Diese und weitere Fragen werde ich im nächsten Blogbeitrag beantworten.
Wer nicht auf den nächsten Blog warten möchte oder gerne noch mehr Einblicke in meinen Arbeitsalltag bekommen mag, kann mir gerne auf Instagram zimmerer.auf.reisen folgen
Zünftige Grüße und bis zum nächsten Mal
Euer
Jannis



























