Handabbund oder Abbundanlage? Schrauben oder Nageln?
Arbeitsvorbereitung und Abbund
Um diese Umfrage mal von A-Z durchzuarbeiten, beginnen wir mal bei der ersten Frage. Dabei ging es um das Thema Arbeitsvorbereitung und Abbund, wie zu erwarten wird in den meisten Betrieben (ca. 80%) mit CAD-Programmen gearbeitet und Zeichnungen erstellt. Überraschend war, dass immerhin noch 15% die Zeichnungen von Hand erstellen und auch ein kleiner Teil noch mit 1:1-Aufrissen arbeitet. Einer davon ist Thomas Muschelknautz (Holzbau Muschelknautz), er hat in seiner neuen Halle „genug Platz und einen glatten Boden, da funktioniert das richtig gut.“ Das liegt daran, dass er keine Abbund-Software besitzt, sollte es zu kompliziert und zu groß werde, „wird es ans Abbund Zentrum abgegeben.“ Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären, Abbund.
Abbund und Vorfertigung
Dabei hat die Hälfte der Teilnehmer für Handabbund gestimmt, es hat sich allerdings auch herausgestellt, dass das stark Regionsabhängig ist. Bei vielen Betrieben, die von Hand abbinden, gibt es weit und breit kein Abbundzentrum, von daher bleibt das die einzige Alternative. Ansonsten wird auch bei Altbau-Sanierungen etc. noch viel von Hand gemacht, oder die Größe der Projekte erlaubt noch den Handabbund. Für Denis Aler ist der Handabbund einfach Traditionssache: "Mich macht es stolz wenn ich ein ganzes Gebälk von Hand abbinden kann. Das gelernte in der Praxis umzusetzen und nicht bloß ein paar Knöpfe drücken zu müssen. Leidenschaft und Liebe zu einem Handwerk, kann kein Geld und vor allem keine Maschine ersetzen."
Die andere Hälfte der Befragten hat für den Abbund per CNC gestimmt, dabei teilt sich das nochmal 50/50 auf eigene Abbundanlage und Lohnabbund auf. Einen Vorteil beim Thema CNC-Abbund sehe ich bei den Holzverbindungen, viele Verbindungen die vorher längst ausgestorben waren kommen so wieder mehr zum Zuge, wenn auch nur von der Maschine gefertigt.
Als nächstes kommen wir zum Thema Vorfertigung, dabei haben ca. 50% gesagt, dass sie manchmal Holzrahmenbau machen, 30% machen es sehr häufig und der Rest quasi gar nicht. Wenn Holzrahmenbau-Wände gemacht werden, werden diese in der Halle zu 60% einseitig beplankt vorgefertigt. Besonders interessant finde ich persönlich das Thema Dachelemente, ich war erstaunt, dass 20% schon auf die Elementierung im Dachbereich setzen. Einer davon ist Laurenz Degenhardt (anselm schoen.holzbau planung), er ist der Meinung: "Es überwiegen die Vorteile der Vorfertigung von Dachelementen. Zum einen können die Dachelemente unter konstanten und prüfbaren Bedingungen in der Werkhalle vorgefertigt werden. Zum anderen wird durch die Elementbauweise die Montagezeit bis zur regendichten Gebäudehülle erheblich verkürzt. Gerade bei Projekten mit ebenfalls vorgefertigten Wand - und Deckenelementen die ggf. schon mit Dämmung, Fenster, Installationen und Trockenbau auf die Baustelle geliefert werden muss es schnell gehen, damit die feuchteempfindlichen Bauteile vor Niederschlag und Feuchtigkeit geschützt werden."
Gedämmt wird dabei zu 48% mit Steinwolle, 28% mit Holzfaserdämmung und 24% mit Einblasdämmung. Für Aaron Wilhelmi (Günter Wilhelmi Holzbau) ist die Sache klar, er verwendet Holzfaser-Einblasdämmung und da ist vor allem die Verarbeitung ein wichtiger Punkt: "Man hat keinen Verschnitt, keinen Zuschnitt und vor allem nur einen Dämmstoff aufm Lager. Gerade beim Thema Stegträgern sind normale Dämmstoffe einfach Geschichte."
Richten und Dachdeckerarbeiten
Die nächsten Fragen drehen sich um das Thema Baustelle. Dabei ging es um den Kran beim Richten, in 90% der Fälle wird demnach mit Kran gestellt und wenn einer steht hält sich das Verhältnis zwischen Baukran und eigenem Kran ungefähr die Waage. Bei der Sparrenbefestigung ergab sich ein Bild, welches ich im Voraus schon so erwartet hätte, zu 85% werden Tellerkopfschrauben verwendet, nur noch 15% setzten auf den guten alten Sparrennagel. Ist das Dach erstmal gerichtet, machen 70% der Zimmerer auch noch die Dachdeckerarbeiten komplett mit. Das ist auch stark regionsabhängig, so wurde mir berichtet, dass es im süddeutschen Raum quasi gar keine Dachdecker gibt, wenn werden diese nur für die Spengler Arbeiten hinzugezogen. Bei uns (Taunus, Grenzgebiet RLP und Hessen) ist das eigentlich ziemlich strikt getrennt. Der Zimmermann stellt den Dachstuhl, danach kommt der Dachdecker und macht den Rest.
Auftragsstruktur
Das letzte Thema der Umfrage waren Fragen zur Struktur der Aufträge, hier ergab sich ein Ergebnis, welches dem aktuellen Lagebericht sehr ähnlich ist. Dabei sind 75% private Kunden, 15% gewerbliche Kunden und die restlichen 10% der Aufträge kommen aus öffentlicher Hand. Das Verhältnis zwischen Altbau und Neubau ist ungefähr 50/50. Weitere Statistiken dieser Art hat Holzbau Deutschland erst kürzlich in ihrem Lagebericht veröffentlicht und in einem Blog-Beitrag hier zusammengefasst.
Meiner Meinung nach ist es mal interessant zu sehen, wie in anderen Regionen gearbeitet wird. Deshalb kommentiert doch einfach mal, wie die Situation bei euch aussieht, würde mich freuen!
(Die Daten dieser Umfrage wurden auf Instagram erfasst, ca. 2.500 Leute haben die Umfrage gesehen. Die Fragen wurden dann von jeweils 1.000-1.200 Zimmerern beantwortet. Quelle: @zimmerer_fuchs )

@Max König: Danke für den umfangreichen Einblick in deinen Arbeitsalltag. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie andere Zimmerer arbeiten.
Sehr interessant zu lesen, ich werde nun mal Punkt für Punkt meine Situation schildern. Ich arbeite in einem kleinen Vier Mann Betrieb auf der Schwäbischen Alb, wir machen zu 70% Altbausanierungen.
Die dreißig Prozent Neubau werden per Hand abgebunden, wir haben zwar im Nachbarort eine große Zimmerei die Lohnabbund anbietet, allerdings sind sowohl mein Chef als auch ich Fan des Handabbundes.Da wir wenn wir etwas abbinden in einer Größenstruktur unterwegs sind die es erlauben die Aufträge händisch zu bewältigen, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben.
Zum Thema Pläne, mein Chef fertigt die Pläne im Büro mit einem CAD Programm an, falls man dann für den Abbund einzelne Details noch einmal genauer braucht, werden diese per Hand 1:10 Aufgerissen.
Vorbeplanken in der Werkstatt war uns leider nie vergönnt, da unsere bisherige Werkstatt ein ehemaliger alter Landwirtschaftlicher Schuppen ist, der keinen Hallenkran besitzt. Deshalb haben wir bisher immer das angebundene Holz auf die Baustelle gefahren, und dort auf der Bodenplatte liegend elementiert und dann aufgerichtet. Zum Glück bauen wir gerade unsere neue Halle, dann können wir auch drinnen elementieren😊
Thema aufrichten, in ca. 20% der Fälle können wir einen Baustellenkran des Maurers verwenden, der Normalfall ist, dass wir unseren Mobilkran bringen.
Wenn einmal aufgerichtet ist, machen wir auch alle Dachdeckerarbeiten, da es bei uns in der Nähe nicht einen einzigen Dachdecker gibt, bei uns ist das Standard dass der Zimmerer deckt.
Außerdem führen wir die Spenglerarbeiten selbst durch, da die meisten Flaschner bei uns rum nur Installateure sind und wenig Blech machen. Außerdem hat der Kunde so den Vorteil, nur eine Firma zu haben, die als Ansprechpartner für alles dient.
Und zu guter letzt noch ganz kurz, die Sparren werden mit Tellerkopfschrauben befestigt.
Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in unseren Arbeitsalltag geben.
Gruß Max König