Strohballen – Ein Baustoff unserer Zeit und was wir Zimmerer damit anfangen können
Warum ist Bauen mit Stroh ökologisch?
Die Strohballen aus heimischen Getreidesorten sind quasi ein Nebenprodukt der Lebensmittelerzeugung, nehmen keine extra Anbauflächen weg und können direkt auf dem Feld per Kleinballenpresse gepresst werden. Nach einer Zertifizierung wird aus Stroh das Bauprodukt „Baustroh“. Somit wird für die Herstellung minimal Energie gebraucht und CO2 wird im Stroh für die Lebensdauer des Gebäudes gebunden. Mit der Energie eines konventionellen Massivbaus kann man ein Strohballenhaus errichten und 69 Jahre lang heizen (FNR, 2024). Theoretisch würde jedes Jahr in Deutschland Stroh für 350.000 Einfamilienhäuser zur Verfügung stehen.
Die Zimmerei und das Stroh
In Deutschland hat nur der nicht lasttragende Strohbau eine weitgehend bauaufsichtliche Anerkennung (ETA 017/0247, Strohbaurichtline 2024). Genehmigungsverfahren durchlaufen den üblichen Weg. Nicht lasttragender Strohbau heißt, die Lasten werden nicht über die Strohballen sondern z.B. über eine Rahmenkonstruktion aus Holz abgetragen. Hier kommen die Zimmereien ins Spiel. Ob im Betrieb vorgefertigt oder auf der Baustelle umgesetzt, im Grunde kann man von Strohgedämmten Gebäuden in Holzbauweise sprechen, die nach dem aktuellen Stand der Technik ausgeführt werden muss.
Die Gefache der Wände werden so dimensioniert, dass das Baustroh nach den Verarbeitungsrichtlinien eingebaut werden kann und mit geeignetem Werkzeug für den Putz vorbereitet werden können.
Wohnkomfort durch ökologische Baumaterialien
Ein Lehmputz innen und ein Kalkputz außen vervollständigen die nachhaltige Bauweise, indem sie Feuchteschutz, Luftdichtheit, Schall- und Brandschutz gewähren. Das Raumklima wird positiv beeinflusst durch die Eigenschaften von Lehm und die sommerliche Hitze bleibt durch den relativ schweren Aufbau draußen.
Stroh für die Zukunft
Stroh ist ein moderner Baustoff, der in unsere Zeit passt. In der Breite ist er noch nicht angekommen, aber er steht parat, seine Nische zu verlassen. Die Kosten für Strohballenbauten können ähnlich beanschlagt werden wie für vergleichbare Gebäude anderer Bauweise. Gleichzeitig können Energiestandards eines Passivhauses erreicht werden. Ob als Selbstbau-Baustelle oder in effizienter Vorfertigung, hunderte Strohballengebäude wurden in Deutschland schon realisiert. Hoffentlich kommen viele noch hinzu.
Was wisst ihr über Strohbaustellen? Ward ihr schon mal in einem Strohballenhaus? Was habt ihr für Vorurteile und Bedenken? Teilt gerne eure Erfahrungen!
Bildquellen:
Kloster Plankstetten
Zimmerei Grünspecht
Denny Winzer/Robert Wohlfahrt
Strohballen – Ein Baustoff unserer Zeit und was wir Zimmerer damit anfangen können ©Christopher Holert
Quellen und weiterführende Literatur und Links:
Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.
Interreg North-West Europe - Up Straw
Deutsches Institut für Bautechnik: Europäische Technische Bewertung ETA-17/0247 vom 21. Juni 2017.
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)(Hrsg.): Leitfaden Strohbau; Nachhaltig Bauen und Dämmen mit
Stroh; 8. akt. Aufl. 2024, Gülzow-Prüzen
FASBA e.V. (Hrsg.): Strohbaurichtlinie 2024 – SBR2024; 3. akt. Aufl. 2024; Verden (Aller)






























....Stroh - ja, auch ein geiler Baustoff zum Brandschutz wäre mir als erstes auch Lehm eingefallen.
na klar - wie soll es auch anders sein, die "DIN" wo ein Wille auch ein Weg.
Holz - Stroh - Lehm I like it
Grüßla Heinz
Der Baustoff Stroh wird in die Baustoffklasse normalentflammbar B2 nach DIN 4102 bzw. Klasse E nach DIN EN ISO 11925-2 eingeordnet, wenn er den Anspruch der Mindestrohdichte von85 kg/m3 erfüllt.
Durch den Auftrag von (Lehm-)Putz wird die Entflammbarkeit der Oberflächeweiter herab gesetzt (nach DIN 4102 dennoch nur als normalentflammbar einzuordnen, obwohl B-s1,d0 nach DIN EN 13501-1 erreicht werden kann) und je nach Ausführung könnenFeuerwiderstandsklassen von F30-B bis F90-B erreicht werden (allgemein bauaufsichtlichesPrüfzeugnis P-3048/817/08-MPA BS).
Weitere Infos findest du u.a. auch in der Strohbaurichtlinie 2024 und in dem besagten Prüfzeugnis.
Schöne Grüße
Chris
Stroh als Baustoff? Absolut genial! Vom vermeintlichen Märchenbaustoff zur ernstzunehmenden ökologischen Alternative – das zeigt, wie weit nachhaltiges Bauen heute gehen kann. In Kombination mit Holz entsteht hier eine spannende Symbiose: Der Zimmerer stellt das tragende Gerüst, und das Stroh sorgt für eine Dämmung, die ihresgleichen sucht. Wärmespeicherung, Schallschutz, minimale graue Energie – da kann der Wolf noch so pusten, das Haus bleibt stehen! Ich finde es großartig, dass sich Stroh mehr und mehr im Bauwesen etabliert – hoffentlich bald nicht mehr nur in der Nische!
Servus,
schöne Grüsse aus Bayern . Super Beitrag.
Eine Frage an alle Profis : ich saniere gerade ein Denkmalgeschütztes Anwesen,
und kann nächtelang nicht schlafen, weil ich alle Brandschutzbestimmungen erfüllen muss.
Wie sieht es bei Strohballen mit dem Brandschutzbestimmungen aus ?
Muss man den Innenraum mit Brandschutz - Platten oder Systemen gegen die Strohballen absichern,
damit das Feuer nicht in die Strohballen kommt ?
Ich wundere mich gerade auf den Bildern : Was sagen die Bestimmungen und DIN - Normen zu
Strohballen als Dämmung und Aufbau, in Bezug auf Brandschutz ?
Würde mich sehr auf Tipps freuen.
Schöne Grüsse
Thomas