Mehr als nur Tradition: Warum die Zimmererkluft uns seit Jahrhunderten begleitet
Der Hut – Schutz vor jedem Wetter
Die meisten Zimmerer, tragen einen Schlapphut – einen schwarzen, dichten Filzhut mit einer breiten Krempe. Ein Zylinder oder eine Melone sind auch gängige Varianten. Ob Sonne, Regen oder Schnee – dieser Hut hat uns stets geschützt. Klappen wir die Krempe hoch, haben wir eine bessere Sicht, lassen wir sie unten, bleiben wir trocken und warm. Früher war er der einzige Kopfschutz auf der Baustelle – heute muss er dem Helm weichen. Doch sein praktischer Nutzen bleibt unbestritten.
Die Staude – Das Hemd mit Tradition
Das klassische weiße, kragenlose Hemd mit oder ohne Biesen sorgt für ein seriöses Auftreten. Während es auf der Baustelle selten geworden ist, bleibt es bei Kundenterminen ein starkes Statement. Unsere Umfrage von 2023 zeigte, dass viele Zimmerer darauf verzichten – doch für den ersten Eindruck bei potenziellen Kunden bleibt sie unschlagbar.
Die Schlaghose – Robust, praktisch, unverzichtbar
Die Schlaghose ist wohl das meistgetragene und somit wichtigste Kleidungsstück unserer Kluft. Sie ist aus Kord gefertigt und hat meist Taschen, um unseren Meter und Bleistift griffbereit zu haben.
Sie schützt vor Kälte, Wind und Verletzungen. Der weite Schlag verhindert, dass Späne in die Schuhe gelangen, und doppelte Reißverschlüsse ermöglichen es, die Hose im Notfall schnell auszuziehen. Bei den Schiffszimmerern hilft der Schlag beim Hochkrempeln der Hose, und die doppelten Reißverschlüsse helfen, die Hose schnellstmöglich zu verlassen, falls sie sich mit Wasser vollsaugt und den Zimmerer in die Tiefe zieht
Die Weste – Mehr als nur ein Kleidungsstück
Mit acht weißen Perlmuttknöpfen, meist mit einem Z (wie Zimmerer) Stich angenäht, die die acht Arbeitsstunden pro Tag symbolisieren. Auch sie hält mit robustem Kord die Nieren warm und den Rumpf leicht gestützt, was das Arbeiten unterstützt.
Das Jackett – Wärme und Schutz in einem
Mit sechs weißen Perlmuttknöpfen, die für die Sechs-Tage-Woche stehen, und drei Knöpfen pro Ärmel für die drei Ausbildungs- und Wanderjahre, ist das Jackett ein echtes Traditionsstück. Gefertigt aus demselben robusten Kord wie die Hose, hält es warm und schützt vor Wind. Der hochklappbare Kragen ist eine zusätzliche Hilfe gegen Kälte.
Der Charlottenburger – Mehr als nur ein Halstuch
Dieses Halstuch ist nicht nur Zunftsymbol, sondern auch ein praktischer Begleiter. Wandergesellen nutzen es zur Aufbewahrung ihres Besitzes, während es auf der Baustelle vor Sonne und Staub schützt.
Die Koppel – Ein Gürtel mit Bedeutung
Die Koppel mit dem Koppelschloss ist der Gürtel des Zimmerers. Ideal, um Nagel- und Werkzeugtaschen daran zu befestigen. Das Koppelschloss gibt Aufschluss über den Stand des Zimmerers. Der Azubi hat ein Koppelschloss ohne Emblem. Der Geselle hat ein silbernes Koppelschloss mit goldenem Zunftzeichen. Der Meister hat ein goldenes Koppelschloss mit silbernem Zunftzeichen, und der Altmeister hat ein goldenes Koppelschloss mit goldenem Emblem.
Der Stenz – Der Stock des Wandergesellen
Der Stenz ist mehr als nur ein Wanderstock – er ist ein Symbol der Freiheit und des Handwerksstolzes. Wandergesellen müssen sich ihren Stenz selber suchen, er begleitet sie auf ihrer Walz.
Der Ohrring – Ein Schmuckstück mit Geschichte
Ein einzelner Ohrring im linken Ohr ist ein altes Erkennungszeichen der Handwerksgesellen. Ursprünglich hatte er eine sehr praktische Bedeutung: Wenn ein Zimmerer auf Wanderschaft verunglückte und niemand ihn kannte, konnte der Gold- oder Silberohrring als Zahlungsmittel für eine ehrenvolle Beerdigung genutzt werden. Heute ist der Ohrring vor allem ein Symbol der Verbundenheit mit der traditionellen Wanderschaft.
Die Ehrbarkeit – Das Fundament unseres Handwerks
Ehrbarkeit ist das Fundament unseres Handwerks. Sie steht für Zuverlässigkeit, Respekt und den Willen, mit ehrlicher Arbeit Großes zu schaffen. Besonders auf der Walz wird dieser Wert hochgehalten: Wandergesellen verpflichten sich, auf ihrer Reise ehrlich und fleißig zu sein, keine Schulden zu machen und ihrem Handwerk treu zu bleiben. Auch wer nicht auf Wanderschaft geht, trägt diesen Grundsatz in sich – denn ohne Ehrbarkeit gäbe es unser Handwerk nicht in dieser Form.
Fazit: Unsere Kluft ist Identität
Jedes Detail unserer Kluft erzählt eine Geschichte. Sie ist nicht nur Arbeitskleidung, sondern auch ein Zeichen unserer Zunft, unserer Werte und unserer Geschichte. Vom schwarzen Stoff über den Stenz bis hin zum Ohrring – alles hat seinen Sinn und verbindet uns mit den Generationen vor uns. Wer einmal in Kluft gearbeitet hat, weiß: Sie macht uns nicht nur äußerlich zu Zimmerern, sondern auch im Herzen.










⚒️🪓♥️
Bin seit über 30 Jahren im Job. In der Lehre wurde großer Wert auf eine saubere Kluft bei der überbetrieblichen wie in der Firma/Baustelle gelegt. Für Richt und Firmenfeste muste immer eine saubere Kluft da sein. Natürlich ohne Hut in der Lehre 😜
Bis heute trage ich diese mit Stolz.
Hat eben einen wieder Erkennungswert und macht einen bleibenden positiven Eindruck 😜👍🍻
Schade, dass viele die Kluft nicht mehr so schätzen und nicht mehr so oft tragen. Viele Zimmerleute die ich kenne tragen mittlerweile keine Kluft mehr. Mir persönlich ist die Kluft wichtig und ich finde sie auch besser, praktischer und robuster als E.S. Hosen zum Beispiel.
Ich muss gestehen ich habe bis jetzt immernoch keine Kluft und schäme mich auch ein wenig dafür jedoch da ich gerade dabei bin meinen Meister zu machen wird es Zeit mir eine zuzulegen weil das werd ich mir nicht nehmen lassen meinen Meisterbrief in Kluft entgegen zu nehmen.
Viel Erfolg, aber die Kluft ist dabei ein absolutes Muss 😉
Dem Fazit ist nichts mehr hinzuzufügen.
Redliche Handwerker, seit brüderlich umarmt.
Leider gibt es unter den Azubis bei uns an der Berufsschule nur wenige, die jeden Tag in Kluft kommen und somit auch Ihren Stolz auf unser Handwerk ausdrücken. Manche ziehen sich sogar um, wenn sie in die Pause ...!
Ich jedenfalls gehe mit Klufthose und meist mit schwarzem Hemd/Shirt in die Schule, und zeige so auch als Lehrer, dass wir Zimmerer was besonderes sind. Einmal meinte ein Kollege aus der Wirtschaftabteilung, dass ich mich "mit meinen Schülern gemein" machen würde. Meine Antwort darauf war, dass ich die Kluft tragen dürfe, da ich ja schließlich mal ein ehrbares Handwerk gelernt hätte.
In den letzten Jahren war ich mehrfach mit unseren BGJ Schülern zu einer Fachwerkführung in Nördlingen mit anschließender Zeugnisübergabe. Wenn 20 Zimmerer in Kluft durch eine Stadt spazieren, fällt das auf. Die Leute erkennen dich an deiner Kluft und freuen sich benahe so, wie wenn sie einen Kaminkehrer sehen. Ist doch klasse!