Zimmerer-Treffpunkt
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16.12.2024

Im Herzen Handwerker – was ein Star-Koch und ein Zimmerer gemeinsam haben

Als Spitzenkoch und Landwirt arbeitet Lucki Maurer viel mit den Händen. Schon deshalb ist der 43-jährige Niederbayer einer, der Handwerker viel mehr schätzt als Mundwerker. Der Rocker unter den Star-Köchen hält viel von der Zimmererkunst und liebt altes Holz. Für den »Fleischpapst« hat die Kunst des Kochens mit der Kunst des Zimmerns viel gemeinsam. Im Herzen ist er selbst ein Handwerker. Wir haben ihn auf seinem Hof in Schergengrub besucht.
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Klar gibt es Zeiten, in denen Lucki Maurer der Kopf raucht, in denen er neue Ideen erdenkt, Konzepte für Veranstaltungen entwickelt oder einfach E-Mails beantwortet. »Man arbeitet ja als Selbstständiger immer, selbst, wenn man nur über etwas spekuliert. Richtig gut geht’s mir aber, wenn ich was Praktisches machen darf, und wenn ich nur einen Rehrücken auslöse«, verrät der Koch.

Mit kundigen Handgriffen legt er drei Steaks in die Pfanne und beobachtet, wie sich das Premiumfleisch seiner japanischen Wagyu-Rinder langsam appetitlich bräunt. Nichts, was er nicht schon tausende Male getan hätte. Dennoch blitzen seine Augen. Es ist die Leidenschaft, die ihn antreibt, Tag für Tag, Steak für Steak. Wie bei einem Handwerker, der mit Herzblut Balken an Balken fügt, bis das große Ganze fertig ist. 

Drei Dinge braucht’s in jedem Handwerk

Drei Dinge braucht ein Spitzenkoch für das perfekte Essen, verrät Lucki Maurer: Das richtige Material (also Lebensmittel), die richtigen Menschen (also Mitarbeiter) und eben diese Leidenschaft. Das hat der Koch mit einem Zimmerer gemeinsam, weiß er. Schon allein deshalb versteht er sich mit seinem Freund, dem Zimmerermeister Stefan Heigl aus dem Landkreis Cham, so gut.

Lucki hat einen Zimmerer gesucht, der für seine Halle mit Hofladen das Altholz aus einem abgerissenen Schuppen seines Bauernhofes verbauen kann. »Ich mache selbst außergewöhnliche Sachen und möchte daher auch ein außergewöhnliches Umfeld und nichts von der Stange«, erklärt der bodenständige Rocker. 

Zimmerer gesucht – Freund gefunden 

Lucki Maurer ging also auf die Suche nach einem Fachmann, der seine Ideen umsetzen könnte. »Man hat mir gesagt: ›Ruf doch mal den Stefan an, das ist auch so ein langhaariger Bombenleger wie Du‹«, blickt Lucki Maurer mit einem Augenzwinkern zurück. Das tat er dann auch.

Und als die beiden sich vor zwei Jahren zum ersten Mal trafen, war die Sympathie sofort da. »Es hat einfach gepasst«, sind sich die beiden einig. Und das lag beileibe nicht nur an der gleichen Frisur. 

Alles echte Handarbeit 

Vielmehr haben die beiden einiges gemeinsam. Lucki Maurer ist Koch und Landwirt, das sind per Definition keine klassischen Handwerksberufe, aber irgendwie doch: »Ich mache daheim alles selber von Hand, auch bei meinen Wagyu-Rindern – vom Stechen der Ohrmarke bis zum Zerlegen des Fleisches.« Das tut auch Stefan Heigl, der großen Wert darauf legt, noch selbst abzubinden. »Ansonsten wäre man ja nur Monteur«, erklärt er. 

Von der Nase bis zum Schwanz 

»From nose to tail« heißt es in der Gastronomie, wenn alle Teile eines Tieres verwendet werden, »von der Nase bis zum Schwanz«. Ähnliches hat Stefan Heigl auch mit Lucki Maurers Holz getan: »Es ist kein einziger Balken übriggeblieben.« Aus dem alten Material, das durchaus mehr Verarbeitungszeit benötigt als neues Holz, ist auf Maurers Hof die Verkleidung des Hofladens und ein Freisitz geworden.

Auch ein Unterbau für eine Outdoorküche wurde aus dem Altholz gebaut. Für das sieht der Starkoch auch einen Markt für Zimmerer: »Gerade in Zeiten von Corona haben sich immer mehr Menschen daheim so eine Outdoorküche eingerichtet, in der gegrillt oder geräuchert werden kann.« Nachhaltigkeit ist ihm sowohl beim Kochen als auch beim Bauen wichtig. Stefan Heigl geht es genauso. 

Jeder Tag ist anders 

Und der Fernsehkoch und Event-Gastronom sieht noch weitere Parallelen zum Zimmererhandwerk: »Jeder Tag ist anders.« Lucki ist mal hier ein gefragter Keynote-Speaker, mal da ein gebuchter Caterer, stellt daheim in seinem Restaurant »Stoi« Events auf die Beine oder kümmert sich um seine rund 60 Wagyu-Rinder.

»Ich würde nie jeden Tag das Gleiche tun wollen«, bekennt er, und Stefan Heigl nickt zustimmend mit dem Kopf: »Ich auch nicht. Es ist super, wenn es immer neue Herausforderungen gibt. Gerade deshalb arbeite ich auch so gern mit altem Holz.«  

Der Meistertitel 

Beide tragen auch den gleichen Titel: Den Meister. Lucki Maurer bildete sich auf eigenen Wunsch zum Küchenmeister weiter: »Weil ich einfach Meister sein wollte.« Und er war in seinen jungen Jahren als Koch auf Wanderschaft, quasi fast wie auf der Walz, um im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand zu blicken.

Mit 23 wurde er aber sesshaft und machte sich selbständig, baute gleichzeitig seinen Hof auf. Ein Heimkommen, immer wieder, nach jedem neuen Auftrag. Zuhause – das ist aber nicht nur der Hof, sondern auch seine Frau Stephanie. Sie hält ihm den Rücken frei und behält die Finanzen im Blick. Genau wie auch bei Stefan Heigl. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – auch das eint den Star-Koch mit dem Zimmerer. 

An Lucki Maurers Hof gibt es noch etwas, das sein Kumpel Stefan Heigl für ihn umsetzen soll: Einen Glockenturm, der aufs Dach kommt. Denn was Lucki Maurer sich vorgenommen hat, setzt er auch in die Tat um. Was die Zukunft für ihn bringt, kann er in einem Satz verraten: »Es geht weiter vorwärts.« Stefan Heigl nickt. Das gilt auch für seinen Betrieb. Denn Stillstand ist Rückschritt. In der Küche genauso wie im Handwerk. 

Über Lucki Maurer

Eigentlich wollte er ja Rockstar werden. Mit seiner Band »Seasons in Black« zog Lucki Maurer durch die Lande und spielte auf Festivals. Doch die Eltern, Inhaber des Hotels Waldschlößl im Landkreis Cham, wirkten auf Lucki Maurer ein, er solle doch »was Vernünftiges« lernen. So startete er 1996 seine Kochlehre und fing Feuer. Jahrelang arbeitete er für Starkoch Stefan Marquard. 2008 gründete er auf seinem Hof in Schergengrub im Bayerischen Wald die erste Bio-Wagyu-Zucht Europas und startete nach harten Anfangsjahren richtig durch.

Lucki Maurer rangiert mit seinem Restaurant »STOI« auf Platz 27 der 100 besten Restaurants Deutschlands, tritt im Fernsehen auf, bekocht die Stars und ist Autor zahlreicher Kochbücher. Er betreibt einen Laden und einen Online-Shop und seine Event-Abende im »Stoi« sind stets nach wenigen Augenblicken ausverkauft. Er beschäftigt 21 Mitarbeiter. Das Faible für die Rockmusik ist geblieben. Seine Gäste hören Gitarrenriffs und Schlagzeug statt klassischer Klänge. 

Text: Melanie Bäumel-Schachtner 
Bild 01: Vor dem aus Altholz wieder aufgebauten Hof im Bayerischen Wald.
Bild 02: Lucki Maurer und Stefan Heigl in der Küche des Restaurants »Stoi« in Schergengrub.
Bild 03: Am Freisitz vor dem Hofladen. 
Bild 04: Eine gute Auswahl an Werkzeug braucht ein Koch genauso wie ein Zimmermann. | Bilder: Andreas Winkler 
Bild 05: Lucki Maurer | Bild Volker Debus

 

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