Teil V: Social-Media als Chance fürs Handwerk
Nachwuchswerbung fürs Handwerk
Einer der größten Bereiche, in denen das Handwerk diese Medien nutzen kann, liegt meiner Meinung nach bei der Nachwuchswerbung. Durchschnittlich verbringen die Jugendlichen in Deutschland mehr als 3 Stunden täglich in Sozialen Netzwerken, Tendenz steigend. Dabei sind die meistgenutzten Plattformen YouTube, WhatsApp und Instagram. Nimmt man sich jetzt mal Instagram raus und betrachtet sich, was da so gezeigt wird, so geht es meistens um Mode, teure Autos und Reisen. Gerade Personen, die einen extrem hohen Lebensstandard präsentieren bekommen viel Aufmerksamkeit, dabei spielt oft auch Neid und eine gewisse Vorbildfunktion eine Rolle. Die Jugendlichen die das sehen möchten ein ähnliches Leben führen, immer mehr von ihnen geben Influencer als Traumberuf an. Gerade da sehe ich eine Chance, oder besser gesagt eine Verpflichtung fürs Handwerk, dort auch präsent zu sein und sich von seiner besten Seite zu zeigen.
Um mal aus eigener Erfahrung zu sprechen: Ich habe während meiner Ausbildung angefangen mit Instagram, ich wollte einfach mal ein paar Einblicke in meinen Beruf bieten. Ich kenne viele Leute, die mit dem Beruf des Zimmerers nicht mal was anfangen können, was macht der überhaupt? Und genau das wollte ich zeigen. Mit der Zeit wurden es immer mehr Follower, viele Jugendliche waren dabei und die Rückmeldung war einfach überragend. Viele haben mir geschrieben und die Sache gelobt, einige haben davon berichtet, nur durch mich auf den Beruf aufmerksam geworden zu sein und manche haben mir stolz erzählt, dass sie mittlerweile einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben. Durch Instagram etc. bekommt man einfach die Möglichkeit einen Einblick in den kompletten Tagesablauf zu bieten.
Chance für die Betriebe
Noch wichtiger finde ich allerdings den Social-Media-Auftritt der Betriebe. Abgesehen von Praktikanten oder den Jungs und Mädels, die den Betrieb kennen, werden sich viele erstmal über das Internet ein Bild von der Firma machen, bevor auch nur ein Anruf oder sogar eine Bewerbung raus geht. Haben die eine Instagram-Seite? Wie sieht die Website aus, welche Informationen bietet mir diese? Gibt es Bilder vom Team? Usw. Gerade in Regionen, in denen es aktuell einfach sehr schwierig ist Auszubildende zu bekommen, ist das extrem wichtig. Abgesehen von den Azubis, auch um einfach Fachkräfte zu finden. Wenn eine Firma im Netz einen guten Eindruck macht, bestehen auf jeden Fall höhere Chancen auf Bewerbungen.
Kostenlose Werbung
Viele Betriebe geben einiges an Geld aus, um Anzeigen zu schalten, in regionalen Zeitungen o.ä. Doch wer clever ist, nutz das Internet für sich. Hier kostet die Werbung quasi nichts und man hat eine extrem hohe Reichweite. Man kann direkt auf die Fragen der potentiellen Kunden eingehen, so eine recht persönliche Bindung aufbauen und ganz einfach Imagepflege betreiben. Ich persönlich habe schon von Zimmerern gehört, die nur wegen des Online-Auftritts der Firmen den Kontakt gesucht haben und letztendlich so begeistret waren, dass sie sogar ans andere Ende von Deutschland oder auch ins Ausland gingen. Ohne das Internet wäre an dieser Stelle gar kein Kontakt zustande gekommen.
Austausch mit anderen Handwerkern
Besonders interessant finde ich es immer wieder zu sehen wie andere Handwerker gewisse Arbeiten ausführen, welche regionalen Unterschiede es gibt oder sogar mögliche Vorgehensweisen und Methoden, die für den eigenen Arbeitsalltag vielleicht auch hilfreich sind. Man hat einfach ein riesen Spektrum und kann weltweit kommunizieren. Durch diesen Kontakt untereinander entsteht teilweise sogar das ein oder andere Projekt, wie zum Beispiel den Zimmerer-Treffpunkt auf der DACH+HOLZ in Stuttgart. Dort haben sich einige Handwerker getroffen, die durch Social-Media schon einiges an Aufmerksamkeit erreicht haben. Die Stimmung dabei war überragend, es wirkte teilweise so, als ob man sich schon ewig kennt. So wurde auf der Messe eine Anlaufstelle für alle Zimmerer geschaffen, an welcher man sich austauschen konnte.
Um hier mal einen Abschluss zu finden: Meiner Meinung nach ist es gerade für Betriebe sinnvoll einen guten Online-Auftritt zu pflegen, aber auch für Handwerker privat ist das eine großartige Chance sein Spektrum zu erweitern und mal über den Tellerrand hinaus zu schauen. Also nutzt die Corona-Zeit und zeigt her euer Handwerk!
Wie sind eure Erfahrungen mit Social-Media? Hat euer Betrieb eine eigene Homepage? Welche Plattformen nutzt ihr sonst noch so?
Hier noch ein paar sehr interessante Instagram-Auftritte:
- Dachdecker Weiss
- Dachdeckerin Chiara
- Carpenter Flo
- Holzbau Muschelknautz
- DachPro
- und viele mehr...

Wir haben gerade erst deinen Artikel gesehen. Unsere Gedanken gehen in die gleiche Richtung! Wir haben Facebook und Instagram, unsere Homepage natürlich und TikTok - wobei das mehr ein Versuch ist. Außerdem sind wir vor Kurzem bei Pinterest gestartet, das Hauptaugenmerk ist und bleibt aktuell aber Instagram: Perfekt zum Austausch, für die tägliche Arbeit, für Highlights,...