Afrika trifft auf Japan - Lodgebau aus japanischem Zedernholz
Nachdem ich meine erste Zeit hier in Namibia hauptsächlich in und um Windhoek verbringen durfte, ging es Mitte November für mich in den Norden des Landes. Zusammen mit zwei deutschen und zwei einheimischen Zimmerern richteten wir dort insgesamt fünf Dachstühle auf. Für mich interessant war neben der Dachkonstruktion die Holzart, die wir dort verbauten. Während der Verarbeitung der japanischen Zeder hatte ich immer wieder Flashbacks an meine Zeit in Japan. Allein der Geruch des Holzes ließ immer wieder Erinnerungen an die erste Etappe meiner Reise wach werden. Darum soll es heute aber logischerweise nicht gehen, deshalb geht es jetzt mit meinen Eindrücken von Otjiwa los.
Das Bauvorhaben
Bevor ich euch vom Bauvorhaben erzähle, möchte ich euch erst mal was über die Lodge erzählen. Die Otjiwa Safari Lodge liegt ca 250 km nördlich von Windhoek. Im Moment gibt es dort die Hauptlodge mit Apartments und Campingplatz und die sehr luxuriöse Mountainlodge. Nun soll mit der Savanna Luxury Villa ein dritter sehr exklusiver Teil entstehen. Das Zentrum bildet dabei ein Häuserensemble, welches aus fünf Guest Houses und einem Restaurant besteht.
Erste Eindrücke von der Baustelle
Nachdem der LKW geladen war und wir uns mit Proviant versorgt hatten, ging es dann los nach Otjiwa. Sehr herzlich wurden wir dort vom Chef Willam und seinen Mitarbeitern empfangen. Der LKW wurde durch die Hilfe der Mitarbeiter schnell entladen und so waren wir pünktlich zur einstündigen Mittagspause fertig. Eine ganz lustige Geschichte ereignete sich dann bei der Übergabe unserer Unterkunft, einem kleinen Häuschen direkt an einem Wasserloch. Auf die Frage wo denn unser Capo schläft, konnten wir logischerweise nur mit "wir sind die Capos" antworten, worauf Willam nur meinte: "Dann werden wir ja sehen ob die Dächer am Ende gerade sind oder nicht" :) Kleiner Spoiler! Nach dem zweiten Tag kam er mit dem Kommentar: "Good work guys!" Am Nachmittag legten wir zusammen mit den einheimischen Mitarbeitern noch die Schwellen aus und fingen an sie auszurichten. Abends fielen wir, nachdem wir noch eine Kleinigkeit gekocht hatten, geschafft ins Bett.
Titelbild: Gruppenbild mit unseren Kollegen
Bild 1: Die ersten Schwellen liegen
Der weitere Bauverlauf und das Thema mit der Maßhaltigkeit
In den nächsten Tagen kamen wir gut voran und konnten jeden Tag ungefähr einen Dachstuhl stellen. Dies war nicht zuletzt auch durch die Hilfe der einheimischen Mitarbeiter möglich. Während die letzten Stühle gestellt wurden, durfte ich mit der Schalung aus sägerauen Zedernbrettern beginnen. Diese sollten wild verlegt werden und für einen rustikalen Look sorgen. Dabei stieß ich schon am ersten Tag auf mehr oder weniger große Herausforderungen. Zum einen waren die Bretter nicht maßhaltig, weshalb wir teilweise Differenzen von 5-10mm hatten, zum anderen waren die Längsstöße noch ein Problem, da diese auch im Feld gestoßen werden sollten. Damit der Dachstuhl trotzdem edel aussieht, fanden wir die Lösung dann in Lamellos, die den Stoß auf gleicher Höhe halten sollen.
In der letzten Woche ging es dann noch an die Giebel. Sie dienen einmal durch die Post-Beam-Konstruktion als große Fensterfront und gleichzeitig auch als Komplettierung des Statischen Systems, denn durch den freitragenden Dachstuhl kommt ein großer Druck auf die teilweise freistehenden Außenwände. Tricky hierbei war, dass die gebürsteten Hölzer wiederum teilweise nicht maßhaltig waren. Doch auch diese Herausforderung meisterten wir und konnten den Bauherren am Ende stolz und zufrieden fünf wunderschöne Dachstühle präsentieren.
Bild 2;3;4: Nach dem ersten Tag steht der erste Dachstuhl
Bild 5: Blick auf das Family House und das zukünftige Restaurant
Bild 6: Die Zangen kommen rein
Bild 7;8;9: Los geht's mit Schalen/ Lamelloverbindung/ Abnageln der Schalung
Herausforderungen
Herausforderungen gab es vor allem in Bezug auf das Holz und das Thema Strom. Da die Lodge im Busch gebaut wird und im Moment noch keine Stromversorgung vorhanden ist, mussten wir unseren Strom, falls benötigt, über ein Aggregat selbst produzieren.
Die zweite Herausforderung bestand darin, das teilweise nicht maßhaltige Holz so einzubauen, dass man es als sichtbaren Dachstuhl zeigen konnte. Gerade die Sparren sind durch die Trockenheit gerissen und haben nun teilweise Differenzen von +-1cm was bei den Ausblattungen von 18cm etwas zu Problemen führt. Der Grund für die starke Rissbildung sind die zwei völlig verschiedenen Klimazonen. Auf der einen Seite Japan, wo die Zeder heimisch ist und mit der hohen Luftfeuchtigkeit gut auskommt. Auf der anderen Seite dann das sehr trockene namibische Klima.
Persönliche Eindrücke
Angefangen bei den Kollegen und Bauherren über die Unterbringung bis hin zum Bauprojekt im allgemeinen, waren es zwei an Eindrücken reiche Wochen. Vor allem die Lage mitten im Busch machte das Projekt für mich so besonders. Auch durch Zusammenarbeit mit den einheimischen Mitarbeitern, im speziellen mit unseren Kollegen Tangeni und Makuzi von Holzbau Hess, erlebten wir tolle Wochen und bekamen beim Feierabendbier immer wieder sehr spannende Einblicke in deren Kultur. Ein Highlight für mich war der Sundowner Gamedrive, den wir von Willam für unsere gute Arbeit bekommen haben. Bei einer Rundfahrt über das 12000 ha große Lodgegelände zeigte er uns Nashörner, Zebras und verschiedenste Arten von Antilopen.
Alles in allem eine sehr lehrreiche Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde. Falls ihr noch Fragen zum Bauprojekt habt, könnt ihr mir jederzeit gerne schreiben. Ich versuche dann schnellstmöglich zu antworten.
Bild 10: Kollege Tangeni beim Verlegen der Schalung
Bild 11: Die Giebel sind fertig, Zeit für ein Gruppenfoto
Bild 12;13: Das Resultat
Vorschau
Mit diesem Blogbeitrag endet ein spannendes Jahr 2024. Ich möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern für die allzeit motivierenden Kommentare und nicht zuletzt die für mich überwältigende Anzahl an Aufrufen bedanken. Wie es für mich im nächsten Jahr weitergeht und wie lange ich noch auf Reisen bin, ist noch nicht final entschieden. Eines ist für den Moment aber sicher: Es geht weiter und ich werde euch 2025 auf jeden Fall noch mit hoffe für euch spannenden Blogbeiträgen versorgen.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Zünftige Grüße aus Namibia
Euer Jannis Grieb
Wer noch mehr Bilder und Eindrücke von meinen Reisen sehen möchte kann gerne mal auf meinem Instagram zimmerer.auf.reisen vorbeischauen



























