Fachthemen
Paul Borisch
03.10.2024

Modellwerkstück in der überbetrieblichen Ausbildung: Azubis erlernen traditionelle Techniken

Hallo zusammen! Mein Name ist Paul, ich bin Zimmerer-Azubi im zweiten Lehrjahr in Berlin und ich würde euch gerne ein Werkstück aus der überbetrieblichen Ausbildung näher bringen.
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Die Aufgabe

Aufgabe war es, ein gleichgeneigtes Krüppelwalmdach mit Anbau, zwei verschiedenen Firsthöhen, verschieden hohen Traufen, einer Trapezgaube und einem von Flugsparren erzeugten giebelseitigen Dachvorsprung aufzureißen, auszuarbeiten und schließlich zu richten. Gegeben war die Grundansicht, eine Holzliste und das Normalsparrenprofil des Hauptdaches.

Die Besonderheit bei dem Werkstück war definitiv das Volumen an auszuarbeitenden Hölzern und das Verbinden von lotrechten und verkanteten Hölzern.

Materialien, Werkzeuge und Methoden

Die Holzliste umfasste 4/4 Hölzer, zum Beispiel für die Gaubenkonstruktion, 3/5 Hölzer für alle Sparren innerhalb einer Dachfläche und 4/6 Hölzer für Grat- und Kehlsparren, sowie für die Pfetten und Stiele. Für Komplexwerkstücke dieser Art verarbeiten wir Dachlatten aus Fichte/Kiefer. Wir haben ein Holzlager in dem bereits genutzte Hölzer, die noch verwendbar sind, gelagert werden. Neue Dachlattenpakete werden erst genutzt wenn wirklich Bedarf besteht. Dies dient der effizienten Materialverwertung und soll unnötigen Holzabfall verhindern. Gerichtet wird das Werkstück am Ende mit 4,0 x 70er Teilgewindeschrauben.

Werkzeugliste

  • Stemmeisen (10/20/30)
  • Japansägen (für verschiedene Schnitte)
  • Stoßaxt
  • Hobel
  • Klopfholz
  • Zimmermannswinkel
  • Alphawinkel

Methoden

  • Flächenschiften
  • Maßlatten-Methode
  • Ausklappen von lotrechten Hölzern
  • Umklappen von verkanteten Hölzern im Profil

Konstruktionsdetails

Wichtig war es bei der Abnahme, dass alle ästhetischen und funktionalen Anforderungen an einen Dachstuhl erfüllt sind. Es folgt eine Aufzählung der einzuhaltenden Standards:

  • Traufhöhe
  • Firsthöhe
  • Kraftschlüssigkeit der Verbindungen
  • Einheitliche Traufabschnittsflucht
  • Einheitliche Dachfläche (alle Oberkanten auf einer Höhe)
  • Genaue Abgratung
  • Genaue Schnitte
  • Einhalten der Grundmaße
  • Konstruktiver Holzschutz

Einzuhalten war außerdem der 90-Grad Abschnitt an allen Normalsparren und verkanteten Sparren und der Hexenschnitt an allen schrägen-, Grat- und Kehlsparren. Besonderheiten waren die Kehlbohlenschiftung in Verbindung mit einem schrägen Giebelsparren und die überblatteten Flugsparren. Alle Schifter (Grat- und Kelsparrenschifter) wurden außerdem als Klauenschifter ausgearbeitet. Bis dato unbekannte Hölzer waren für uns sowohl der Verfallgratsparren, welcher sich mit dem Kehlsparren verschneidet und deshalb besonders interessant in der Ausarbeitung war, als auch die Geißfußgratsparren welche auf ein Schappelholz treffen. Das Schappelholz, welches den Krüppelwalm ausbildet, war ebenfalls eine Neuheit. Für mich persönlich war die Vermischung von lotrechten und verkanteten Hölzern der lehrreichste Aspekt an diesem Werkstück.

Weitere Besonderheiten

  • Stichsparren an der Gaube
  • Aufschieblinge auf Gaubensparren 
  • Fluchtabschnitt Fuß- und Firstpfette (Bild 7)
  • Schräger Gratklauenwechsel

Reflexion

Insgesamt waren wir anderthalb Wochen mit diesem Werkstück beschäftigt und für den ein oder anderen war die Komplexität dieses Werkstückes eine große Herausforderung. Doch durch die Hilfe unseres Lehrmeisters und das gegenseitige Unterstützen hat am Ende jeder etwas großes geleistet und viel gelernt. Auch ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung und durch die Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge durch meinen Meister weiß ich, worauf ich beim nächsten mal mehr achten muss. Ein besonderes Augenmerk lag bei diesem Lehrgang auf dem Flächenschiften. Der Lehrgang war im übrigen der Erste im zweiten Lehrjahr und erstreckte sich insgesamt über drei Wochen. Was haltet ihr von dem Werkstück? Hattet oder habt ihr ähnliche Werkstücke in der Überbetrieblichen? Kommentiert gerne diesen Beitrag mit Anmerkungen oder Fragen!

Zünftige Grüße und ein erholsames langes Wochenende

Euer Paul

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11 Kommentare
Lukas Schuth
06.11.2025

Sehr gut!

Lukas schuth
06.11.2025

Sehr schönes Werkstück, gut gelungen!

Hinrich Fuchs
15.10.2024
Respekt!!!!Stecke selbst in der Ausbildung, 3. Lehrjahr.... unsere überbetriebliche Ausbildung absolvieren wir in Göttingen ----> am meisten würde mich dieser selbstgebastelte Sägetisch / Schraubstock interessieren. Damit, oder einem ähnlichen Modell, zieht unsere Zimmerer-Nationalmannschaft ja auch los.Welchen Schraubstock hast Du dafür bei Amazon bestellt und hast Du pläne, was das gute Stück so alles drauf hat????? GrüßeHinrich
Miron Costin
15.10.2024
Sehr sehr stark Paul. Bin beeindruckt. Weiter so! 💪  
Philip Bucher
11.10.2024
Klasse, ich bin mir nicht sicher ob ich das in nur 1,5 Wochen schaffen würde!
Sven Jäckel
09.10.2024
Wow, Hut ab! Sieht sehr gelungen aus. Sowas haben wir bei uns im 3. Lehrjahr als Gruppenarbeit gemacht.  Liebe Grüße 
Silvan Hoffmann
09.10.2024
Echt beeindruckend, was ihr da für den Start ins zweite Lehrjahr auf die Beine gestellt habt! Respekt an alle für die tolle Arbeit!
Benne
07.10.2024
Sieht auf jeden Fall gut aus. Respekt👌
David Wu
07.10.2024
Danke für den Beitrag! War das eine gruppenarbeit? Respekt für so ein komplexes Werkstück in so kurzer Zeit. Das sind ne Menge Hölzer für 1,5 Wochen. Also bei uns fing das zweite Lehrjahr wesentlich entspannter an :D  
Michael Albert
05.10.2024
Hallo Paul! Das sieht super aus, was du da machst! 👍 Die traditionellen Techniken sind immer spannend und wichtig. Toll, dass du das so engagiert angehst. Viel Erfolg weiterhin im zweiten Lehrjahr und weiterhin gutes Gelingen mit deinen Werkstücken! 🔨
Zimmerer - Treffpunkt
04.10.2024
Das sieht nach einer komplexen Aufgabe für den Start des 2. Lehrjahrs aus! Hut hab, dass ihr das alle geschafft habt, und Danke für das teilen! 
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