Modellwerkstück in der überbetrieblichen Ausbildung: Azubis erlernen traditionelle Techniken
Die Aufgabe
Aufgabe war es, ein gleichgeneigtes Krüppelwalmdach mit Anbau, zwei verschiedenen Firsthöhen, verschieden hohen Traufen, einer Trapezgaube und einem von Flugsparren erzeugten giebelseitigen Dachvorsprung aufzureißen, auszuarbeiten und schließlich zu richten. Gegeben war die Grundansicht, eine Holzliste und das Normalsparrenprofil des Hauptdaches.
Die Besonderheit bei dem Werkstück war definitiv das Volumen an auszuarbeitenden Hölzern und das Verbinden von lotrechten und verkanteten Hölzern.
Materialien, Werkzeuge und Methoden
Die Holzliste umfasste 4/4 Hölzer, zum Beispiel für die Gaubenkonstruktion, 3/5 Hölzer für alle Sparren innerhalb einer Dachfläche und 4/6 Hölzer für Grat- und Kehlsparren, sowie für die Pfetten und Stiele. Für Komplexwerkstücke dieser Art verarbeiten wir Dachlatten aus Fichte/Kiefer. Wir haben ein Holzlager in dem bereits genutzte Hölzer, die noch verwendbar sind, gelagert werden. Neue Dachlattenpakete werden erst genutzt wenn wirklich Bedarf besteht. Dies dient der effizienten Materialverwertung und soll unnötigen Holzabfall verhindern. Gerichtet wird das Werkstück am Ende mit 4,0 x 70er Teilgewindeschrauben.
Werkzeugliste
- Stemmeisen (10/20/30)
- Japansägen (für verschiedene Schnitte)
- Stoßaxt
- Hobel
- Klopfholz
- Zimmermannswinkel
- Alphawinkel
Methoden
- Flächenschiften
- Maßlatten-Methode
- Ausklappen von lotrechten Hölzern
- Umklappen von verkanteten Hölzern im Profil
Konstruktionsdetails
Wichtig war es bei der Abnahme, dass alle ästhetischen und funktionalen Anforderungen an einen Dachstuhl erfüllt sind. Es folgt eine Aufzählung der einzuhaltenden Standards:
- Traufhöhe
- Firsthöhe
- Kraftschlüssigkeit der Verbindungen
- Einheitliche Traufabschnittsflucht
- Einheitliche Dachfläche (alle Oberkanten auf einer Höhe)
- Genaue Abgratung
- Genaue Schnitte
- Einhalten der Grundmaße
- Konstruktiver Holzschutz
Einzuhalten war außerdem der 90-Grad Abschnitt an allen Normalsparren und verkanteten Sparren und der Hexenschnitt an allen schrägen-, Grat- und Kehlsparren. Besonderheiten waren die Kehlbohlenschiftung in Verbindung mit einem schrägen Giebelsparren und die überblatteten Flugsparren. Alle Schifter (Grat- und Kelsparrenschifter) wurden außerdem als Klauenschifter ausgearbeitet. Bis dato unbekannte Hölzer waren für uns sowohl der Verfallgratsparren, welcher sich mit dem Kehlsparren verschneidet und deshalb besonders interessant in der Ausarbeitung war, als auch die Geißfußgratsparren welche auf ein Schappelholz treffen. Das Schappelholz, welches den Krüppelwalm ausbildet, war ebenfalls eine Neuheit. Für mich persönlich war die Vermischung von lotrechten und verkanteten Hölzern der lehrreichste Aspekt an diesem Werkstück.
Weitere Besonderheiten
- Stichsparren an der Gaube
- Aufschieblinge auf Gaubensparren
- Fluchtabschnitt Fuß- und Firstpfette (Bild 7)
- Schräger Gratklauenwechsel
Reflexion
Insgesamt waren wir anderthalb Wochen mit diesem Werkstück beschäftigt und für den ein oder anderen war die Komplexität dieses Werkstückes eine große Herausforderung. Doch durch die Hilfe unseres Lehrmeisters und das gegenseitige Unterstützen hat am Ende jeder etwas großes geleistet und viel gelernt. Auch ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung und durch die Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge durch meinen Meister weiß ich, worauf ich beim nächsten mal mehr achten muss. Ein besonderes Augenmerk lag bei diesem Lehrgang auf dem Flächenschiften. Der Lehrgang war im übrigen der Erste im zweiten Lehrjahr und erstreckte sich insgesamt über drei Wochen. Was haltet ihr von dem Werkstück? Hattet oder habt ihr ähnliche Werkstücke in der Überbetrieblichen? Kommentiert gerne diesen Beitrag mit Anmerkungen oder Fragen!
Zünftige Grüße und ein erholsames langes Wochenende
Euer Paul


















Sehr gut!
Sehr schönes Werkstück, gut gelungen!