Holzbau in Norwegen: Aufstockung nördlich des Polarkreises
Zum Bauvorhaben
Beim Bauvorhaben handelt es sich um ein typisch norwegisches Haus aus den 1950er Jahren. Der Bauherr wünscht sich ein modernes kleines Haus, in dem das Obergeschoss voll genutzt werden kann und nicht durch Dachschrägen beeinträchtigt wird. Am Bestandshaus sind die norwegischen Trends klar zu erkennen: Gedeckt wurde das Haus mit norwegischem Schiefer, genannt Otta Phylit. Er stellt die traditionelle norwegische Dacheindeckung dar, da er hoch belastbar und sehr witterungsresistent ist. Hauptsächlich verfügbar ist er in Biberschwanz- und Rautenform (s. Bild 2). Die Wände wurden, der skandinavischen Tradition folgend, mit einer Holzfassade geschützt, welche im Nachhinein gestrichen wurde.
Die Baustellenorganisation
Das Rechtliche
Wie schon in Japan gelernt, ist eine gute Baustellenorganisation das A und O. Los geht`s wie so oft mit der Planung und dem Bauantrag, der sich allerdings deutlich einfacher gestaltet als in Deutschland. Der Antrag mit Skizze und Beschreibung kann vom Bauherrn selbst gestellt werden und kommt ohne jegliche offizielle Berechnung aus. Davon kann man halten was man möchte, eines ist jedoch klar: Es spart Kosten und Zeit! In diesem Fall besonders viel, da durch die Einwilligung der Nachbarn der Bauantrag innerhalb von 2 Tagen genehmigt wurde.
Das Wetter
Das Arbeiten mit dem Wetter und seinen jahreszeitlichen Besonderheiten ist gerade in diesen Breiten sehr wichtig. Auf der einen Seite bringt der Sommer nicht enden wollende Tage, die sogenannten weißen Nächte, andererseits zeigt sich der Winter hier im äußersten Norden besonders rau, kalt und dunkel. Auch das muss bei der Planung des Bauvorhabens zwingend berücksichtigt werden. Aus diesem Grund nutzt man die Sommermonate für Außenarbeiten, in unserem Fall für Dach und Fassade. Im Winter hat man wiederum genügend Baustellen im Innenausbau, bei gutem Licht und im besten Fall etwas Wärme. Doch auch im Sommer kann es vorkommen, dass es Schlechtwetterperioden gibt. Wie wir in diesem Fall ein wenig wetterunabhängiger geworden sind, erzähle ich euch im nächsten Abschnitt...
Die Wände (Teil 1)
Los ging es mit dem Aufdoppeln der Erdgeschosswände. Was bei mir zunächst für Verwirrung gesorgt hat, waren die Längenangaben der Nägel und der Holzquerschnitte. Diese werden nicht wie üblich in Zentimetern, sondern in Zoll angegeben. Dies aber nur am Rande erwähnt. Nachdem das Erdgeschoss soweit fertig aufgedoppelt war, ging es an den kniffligeren Teil des Projektes: das Obergeschoss. Der Plan war, das Dach möglichst lange zu erhalten und das neue Geschoss um den alten Dachstuhl zu bauen. Dazu setzten wir erstmal nur drei Pfosten pro Wand, um die Lasten des Dachstuhls auf die Erdgeschosswände abzutragen. Bevor wir uns dann um die vollständige Wandkonstruktion kümmern konnten, musste erst der Dachstuhl fertiggestellt werden.
Der Dachstuhl
Im nächsten Schritt entfernten wir den Dachspitz samt Schiefereindeckung. Auf die zuvor errichtete Wandkonstruktion setzten wir dann, wie in Norwegen recht üblich, einen Dachstuhl aus Nagelplattenbinder. Diese können fertig gekauft werden und sind schnell verfügbar. Auch das Aufrichten war dank einfacher Konstruktion und bestem Wetter innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen.
Eingedeckt wurde, wie hier oben recht üblich, mit Blechpfannen der Firma Powertekk. Als das Dach dann soweit fertig war, konnte der restliche Dachstuhl in aller Ruhe abgerissen werden.
Bild 3: Abriss des alten Dachstuhls
Bild 4: Wandkonstruktion des Obergeschosses
Bild 5: Der neue Dachstuhl
Bild 8: Powertekk Blechpfanne
Die Wände (Teil 2)
Nachdem das Dach nun dicht war und der alte Dachstuhl zu Brennholz gemacht wurde, ergänzten wir die restlichen Ständer und dämmten die Gefache mit sogenannter "Glawa" übersetzt Glaswatte. Da der Snekker, wie im letzten Blog schon beschrieben, deutlich mehr als nur typische Zimmererarbeiten durchführt, haben wir in diesem Zuge auch gleich noch die Fenster eingebaut.
Bild 6: Vervollständigen der Wandkonstruktion
Bild 7: Arbeiten an der Wand
Vorschau
Das war nun der erste Teil der Aufstockung. Der Rohbau steht und das Dach ist dicht. Im zweiten Teil erfahrt ihr dann, wie wir die Holzfassade und den Balkon gebaut haben. Außerdem werden wir uns mit Fensterdetails beschäftigen und auf meine Eindrücke und Erfahrungen aus Norwegen zurückblicken.
Wer noch mehr von meiner Reise erfahren möchte, kann gerne auf meinem Instagram Account vorbeischauen. Vielen Dank für euer Interesse. Wenn ihr Fragen oder Anregungen/Verbesserungsvorschläge habt, könnt ihr euch jederzeit bei mir melden. Ich freue mich über Feedback.
Zünftige Grüße
Euer
Jannis Grieb















