Warum ein Architekturstudent freiwillig aufs Dach geht?!
Meine Reise
Schon während meiner Schulzeit war klar, dass ich Architekt werden wollte. Doch als ich bei verschiedenen Praktika auf Baustellen war, erkannte ich, dass die Theorie ohne Praxis nur die halbe Miete ist. Deshalb entschied ich mich, zunächst das Zimmererhandwerk zu erlernen.
Warum Zimmerer?
Nach einem zweimonatigen Praktikum im Maurerhandwerk, bei dem ich merkte, dass Beton und Stein nicht mein Ding sind, entdeckte ich meine Liebe zum Holz. Zuvor hatte ich schon öfters Ferienjobs in einer Zimmerei gemacht und wusste, worauf ich mich einlasse. Ich startete meine Ausbildung bei Holzbau Pfender und durfte dank meines Abiturs direkt im zweiten Lehrjahr einsteigen. Von der Restauration über die Sanierung bis hin zu Neubauten und Dachumschlägen – ich lernte alles, was das Handwerk zu bieten hat, und entdeckte meine Leidenschaft für das Bauen mit Holz.
Die Bedeutung der Praxis
Während meines Architekturstudiums wurde mir immer klarer, wie wertvoll die praktische Erfahrung ist, die ich als Zimmerer gesammelt habe. Sie gibt mir oft eine andere Perspektive auf viele Themen im Studium und unterscheidet mich von meinen Kommilitonen, die diese Erfahrung nicht haben. Ich hoffe, später aus beiden Perspektiven heraus Lösungen zu finden, um beispielsweise Kommunikationsprobleme im Vorfeld auszuschließen, indem ich allen auf Augenhöhe begegne. Das Wissen und die Erfahrung der Handwerker will ich berücksichtigen, so findet man meiner Meinung nach bessere Lösungen für die vielen Detailfragen die es oft gibt.
Zurück zur Baustelle
In den Semesterferien nutze ich jede Gelegenheit, um bei meinem Ausbildungsbetrieb zu arbeiten. Es ist, als wäre ich nie weg gewesen – ich werde immer herzlich aufgenommen. Ich lerne neues und frische mein Wissen auf, gerade auch in Themen, die im Studium zu kurz kommen. Die direkte Art auf der Baustelle gefällt mir und man weiß immer woran man ist.
Aktuell bin ich auf einer Baustelle in Ravensburg, hier wurde der alte Dachstuhl abgetragen und ein neuer aufgerichtet. Der neue ist wieder ein Walmdach mit zwei Wiederkehren, um das Erscheinungsbild des Historischen Hauses zu bewahren. Gedeckt wird in Biberschwanz, mit dem Dachdecken sind wir fast fertig. Auch die Vorbereitung für die Photovoltaikanlage wird direkt mit eingebaut, passende Blechziegel sorgen für eine stabile Befestigung und ein einheitliches Erscheinungsbild des Dachs.
Und das Beste: Ich verdiene als Geselle deutlich mehr als in jedem anderen Studentenjob. Also eine Win-Win Situation für mich.
Zu guter Letzt
Für mich ist die Kombination aus Praxis und Theorie der perfekte Weg. Das Zimmererhandwerk gibt mir nicht nur die Möglichkeit, meine Leidenschaft auszuleben, sondern auch wertvolle Erfahrungen für meine Zukunft als Architekt zu sammeln. Hoffentlich entstehen so gute und vor allem funktionierende Bauprojekte.













