Als Zimmerer nach Norwegen
Wer bin ich überhaupt?
Mein Name ist Jannis Grieb, ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem schönen Süden von Deutschland. Seit Juli 2023 bin ich Zimmerergeselle. Mit dieser Reise erfülle ich mir meinen Traum, als Zimmerer die Welt zu entdecken und dabei neue Techniken kennenzulernen. Gleichzeitig möchte ich fremde Kulturen erleben und mit Handwerkern aus aller Welt in Kontakt kommen. Nachdem meine Zeit in Japan leider zu Ende gegangen ist, geht meine Reise nun im hohen Norden, genauer gesagt in Norwegen, weiter.
Warum Norwegen?
Hei aus Norwegen. In den nächsten Blogbeiträgen berichte ich aus dem Holzbauland schlechthin. Mit dem Slogan "Ein ganzes Land aus gutem Holz geschnitzt" wirbt die norwegische Tourismusbehörde für ihr Land und das nicht umsonst. Der norwegische Holzbau hat, dem einen oder anderen wird es bekannt sein, eine jahrhundertealte Tradition. Schon die Wikinger wussten mit Holz umzugehen und bauten ihre Häuser aus Blockbohlen. Mit Ankunft des Christentums wurden Stabkirchen errichtet, wovon einige heute noch erhalten sind. Das älteste Holz wurde in der Stabkirche Urnes entdeckt und soll aus einem Baum aus dem Jahr 765 n.Chr. stammen. Auch heute noch ist die norwegische Holzarchitektur in aller Welt bekannt und bewundert. Bevor ich mit dem Schwärmen nicht mehr aufhören kann, nun wieder zu meiner Wenigkeit...
Wie komme ich genau nach Norwegen?
Kurz und knapp gesagt: Durch etwas Glück. Als ich anfing meine Reise zu planen, hatte ich Norwegen zwar auf dem Schirm, wusste aber nicht so recht, wie ich einen passenden Betrieb finden sollte, was übrigens bei meiner Reise eigentlich immer die größte Herausforderung darstellt...
Doch glücklicherweise hatte mein jetziger Chef Thomas beim Zimmerer-Treff ein Stellenangebot für Nordnorwegen gepostet, welches perfekt in meine Zeitplanung passte. Glücklicherweise klappte das dann auch alles völlig unkompliziert. An dieser Stelle schon mal Danke an den Zimmerer-Treff für die Jobbörse, ohne die es diese Reise wohl in der Form für mich nicht geben würde.
Erste Eindrücke aus dem hohen Norden
Erstmal hieß es 3000 km Autofahrt zu meistern. Nachdem Deutschland durchquert war, ging es über Stockholm und Schwedisch Lappland nach Norwegen, genauer gesagt nach Nordland auf die Insel Engeloya. Schon bei meiner Ankunft wurde ich von Thomas und seiner Familie herzlich empfangen und nach einem kräftigen samischen Eintopf war die doch ziemlich anstrengende Fahrt schnell vergessen. Danach durfte ich erstmal meine Wohnung beziehen und mich von den vielen neuen Eindrücken "erholen". Doch viel Zeit blieb mir nicht, denn schon am nächsten Tag entdeckte ich eine alte Leidenschaft wieder: das Angeln. Zusammen mit Thomas geht es nun, wenn es das Wetter erlaubt, mit dem Boot raus aufs Wasser. Ob Rotbarsch, Köhler oder Dorsch, kein Fisch ist sicher, vor allem nicht vor seiner Küche, die uns jeden Abend wunderbar verköstigt. Und auch sonst wird es mir hier oben so schnell nicht langweilig, ob Bier brauen, Fotografieren oder Wandern, für jedes Wetter gibt es hier eine passende Aktivität.
Nun aber zum Fachlichen: In der ersten Woche ging es mit einer noch nicht ganz fertigen Dachsanierung los. Es musste dort noch eingedeckt und alle Blecharbeiten erledigt werden. Die Dächer, so erklärte mir Thomas, werden hier meistens mit Blech und nicht, wie auf dieser Baustelle, mit Dachsteinen eingedeckt. Deshalb ist so ein Projekt schon eher eine Rarität für "Snekker", wie der norwegische Zimmerer genannt wird. Sicher fragt ihr euch jetzt, warum Dachsteine hier in Norwegen nicht die erste Wahl sind. Die Antwort ist relativ simpel: Der Wind ist schuld daran! Wir mussten tatsächlich jeden einzelnen Dachstein mit Sturmsicherung befestigen, was irgendwann echt nervig sein kann :)
In der 2. Woche ging es dann mit der Aufstockung eines Hauses weiter, darüber werde ich euch aber im nächsten Blog ausführlich berichten.
Mein Alltag hier in Norwegen
Gearbeitet wird hier von 8.00-16.00 Uhr, wobei wir die eine oder andere kurze Kaffeepause einlegen. Nachdem ich in Japan fast drei Monate Grüntee und Teatime gewöhnt war, ist der Kaffee doch mal wieder eine, am Anfang zwar ungewohnte, aber willkommene Abwechslung. Hier oben, nördlich des Polarkreises, muss man seinen Arbeitsalltag oft nach dem Wetter richten. Gerade bei Dacharbeiten sollte man darauf achten, bestenfalls eine Schönwetterperiode abzupassen, da ein Abplanen der Dachflächen wegen des (bereits erwähnten) häufig sehr starken Windes meist nicht möglich ist. Hier oben gilt: Der Sommer wird für Dach- und Fassadenarbeiten, also alles was wetterabhängig ist, genutzt und im Winter wird dann der Innenausbau gemacht. Nicht zuletzt, weil es im Sommer dauerhaft hell und im Winter die meiste Zeit dunkel und kalt ist. Auch darauf werde ich beim Thema Aufstockung im nächsten Blog nochmal genauer eingehen.
Vorschau
Wie läuft eigentlich eine Aufstockung nördlich des Polarkreises ab und auf was für Besonderheiten trifft man als deutscher Zimmerer hier im hohen Norden?
Diese und weitere Fragen werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag beantworten.
Wer nicht auf den nächsten Blog warten möchte oder gerne noch mehr Einblicke in meinen Arbeitsalltag bekommen möchte, kann mir gerne auf Instagram zimmerer.auf.reisen folgen.
Danke
An Timo Grabosch für die tollen Drohnenaufnahmen. Die Aufnahmen werden euch auch in den nächsten Blogs immer wieder begegnen. Wer noch mehr von der spektakulären Natur Norwegens sehen möchte, kann gerne HIER seine Bilder auf Instagram genießen.
Ich möchte mich noch bei allen Kommentarschreibern für die super netten Kommentare bedanken. In der heutigen digitalen Welt ist ein so positives Feedback keine Selbstverständlichkeit mehr und umso mehr freut es mich, dass wir hier beim Zimmerer-Treff alle so respektvoll miteinander umgehen. Auch euer reges Interesse an meinen Blogs freut mich jedes mal riesig und ermutigt mich natürlich, euch weiterhin regelmäßig von meiner Reise und den landesspezifischen Besonderheiten und Eindrücken zu berichten.
In diesem Sinne
Zünftige Grüße und bis zum nächsten Mal
Euer
Jannis
Noch etwas in eigener Sache. Da mein Chef Thomas mit dem Gedanken spielt, einen Akku-Nagler zu kaufen, frag ich jetzt mal in die Runde: Arbeitet schon jemand mit dem neuen Metabo Akku Nagler NFR 18 LTX 90 BL? Falls ja, würde ich mich über ein kurzes, konstruktives Feedback sehr freuen.

















