Holzhausbau auf japanisch
Holzhausbau auf japanisch
In diesem letzten Blogbeitrag aus Japan teile ich mit euch meine Eindrücke und Erfahrungen zum Thema japanische Holzhäuser. Natürlich hat auch in Japan jede Zimmerei ihre eigenen Methoden und Eigenheiten. Ich werde mich hier auf meine Eindrücke von Oono Kensetsu beschränken.
Das Fundament
Anders als in Deutschland besteht das japanische Fundament aus einer massiven Betonplatte und einer perfekt ausgerichteten Holzplattform. Dazwischen entsteht eine Art Montageebene, in der Rohre und Leitungen verlegt werden. Die Holzplattform ist die Grundlage eines qualitativ hochwertiges Hauses, weshalb sie mit japanischer Präzision errichtet wird. Hierbei wird mit einem gespannten Faden und Stellfüßen alles perfekt ausgerichtet.
Bild 1; Bild 2
Wände & Decke
Im nächsten Schritt werden wie üblich die Wände gestellt, allerdings mit dem Unterschied, dass diese nicht als Fertigteile auf der Baustelle ankommen. In Japan werden die Wände in Einzelteilen angeliefert und wie eine Fachwerkwand aufgerichtet. Allgemein erinnert der Holzhausbau in vielerlei Hinsicht an modernen Fachwerkbau. Auch die Pfosten werden nicht stumpf an die Schwelle angeschlossen, sondern mit Zapfen verbunden. Gleiches gilt für die Deckenbalken, welche mit japanischen Schwalbenschwanzverbindungen eingebaut werden. Modern wird diese Bauart durch die Stahlverstärkungen, die das Haus unter anderem erdbebensicher machen (s. Bild 5).
Bild 3; Bild 4; Bild 5
Das Dach
Vom Grundprinzip ähnelt der japanische Dachstuhl einem deutschen. Das Prinzip ist mit dem eines stehenden Stuhls zu vergleichen. Was im ersten Moment für Verwirrung sorgt, sind die auch bei genauerem Hinsehen nicht vorhandenen Kerven. Stattdessen werden an den Pfetten Aussparungen gefräst, um die "Sparren" in Position zu bringen (s. Bild 7). Die Aussteifung erfolgt durch Sperrholzplatten, die vollflächig verlegt und vernagelt werden.
Zur Eindeckung werden bei modernen Häusern gerne Blechschindeln verlegt. Traditionell wird oft mit sehr kunstvollen Ziegel oder Kupferschindeln gedeckt. Dies hängt natürlich auch immer vom Geschmack und Geldbeutel des Bauherrn ab.
Bild 6; Bild 7
Innenausbau
Beim Ausbau der Häuser wird sehr auf Umweltverträglichkeit geachtet. So werden beispielsweise die Wände mit Zellulose ausgeblasen und beim Fußboden auf Vollholzdielen gesetzt. Die in Deutschland sonst üblichen OSB-Platten sucht man hier vergebens, stattdessen werden Sperrholzplatten verwendet. Auch beim Fenstereinbau wird der PU-Schaum durch Schafwolle ersetzt (s. Bild 10).
Beplankt werden die Wände von innen wie von außen mit Gipskartonplatten, wobei von außen noch eine Fassadenbahn angetackert wird. Die Fassade wird daraufhin entweder verputzt oder mit Holz verkleidet.
Bild 9; Bild 10; Bild 11; Bild 12
Rückblick auf meine Japanreise
Mit vielen Eindrücken und um einige Erfahrungen reicher, musste ich schweren Herzens nach 10 Wochen die Heimreise antreten. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die ihr Handwerk lieben und denen es ein großes Anliegen ist, ihre Begeisterung dafür mit anderen zu teilen. Das durfte ich Tag für Tag auf der Baustelle miterleben und werde versuchen den ein oder anderen Input in meinen Arbeitsalltag mitzunehmen. Was mich begeistert hat, war die unglaublich gute Planung der Projekte. Jedes Detail war genauestens durchdacht und der Zeitplan exakt durchgetaktet. Auch das Material wurde just-in-time geliefert und direkt verbaut. Und wenn dann doch mal was nicht geklappt hat, blieb die Stimmung gut und alle versuchten den Fehler gemeinsam zu beheben.
Und so geht jede Zeit einmal vorbei, doch was bleibt sind die Erinnerungen an viele tolle Momente. Ich bin froh diesen Schritt gewagt zu haben und freue mich auf alles was noch kommt, denn eins ist sicher: Die Reise ist noch nicht zu Ende!
Im nächsten Blog gehts in den hohen Norden. Dazu aber im nächsten Beitrag mehr. Wer darauf nicht warten möchte, kann gerne auf meinem Instagram Account vorbeischauen.
Zünftige Grüße
Euer Jannis


























Domo arigato! Wir haben heute einmodernes, japanisches Häuschen gekauft und ich fragte mich schon lange wie der Aufbau aussieht, wie man innen oder aussen etwas an den Wänden festschrauben kann. Dank deinem Blog ist die Frage nun geklärt. :-)
Das ist schön, wenn das Netzwerk vom Zimmerer-Treffpunkt weiterhilft :)