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17.05.2024

Campus Galli – Hier wird gebaut wie früher!

Spannende Mittelalterbaustelle bei Meßkirch! Seit 2004 wird hier der St. Galler Klosterplan mit mittelalterlichen Techniken lebendig. Mit selbstgebauten Werkzeugen und traditionellen Methoden entsteht ein mittelalterliches Kloster. Selbsgewonnene Rohstoffe, selbstgebaute Werkzeuge und Handwerkskunst lassen Zimmererherzen höherschlagen!
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Was ist  Campus Galli?

Die Mittelalterbaustelle bei Meßkirch, entstand 2004 aus einer Idee: den St. Galler Klosterplan mit mittelalterlichen Bautechniken zum Leben zu erwecken. Das heißt, selbstgebaute Werkzeuge, selbst gewonnene Rohstoffe und Handwerk in seiner ursprünglichsten Form. Ein absolutes Muss für jeden Handwerker und alle Interessierten. 

 

Wie wird Campus Galli betrieben und was passiert hir?

Das Projekt entwickelte sich dank des Engagements vieler fleißiger Hände zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Die Baustelle pulsiert mit Aktivitäten, von der Herstellung von Handwerksprodukten bis hin zur Landwirtschaft und Tierhaltung. In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Abtshof, wo die Arbeiten an den Wänden fortgesetzt werden. Zusätzlich zum laufenden Baubetrieb werden gezielte Angebote für Besuchergruppen entwickelt, darunter Mitmachaktionen und Sonderführungen, um ein tieferes Verständnis für das Projekt zu vermitteln. Bei einem Besuch kann man den Handwerkern über die Schultern schauen, sich austauschen und mit etwas Glück auch selbst Hand anlegen.

 

Was ist das besondere am St. Gallener Klosterplan?

Die idyllische Lage der Klosterbaustelle, an und in einem Wald gelegen unweit vom Bodensee, wo vor 1200 Jahren der St. Gallener Klosterplan entworfen wurde, trägt zum Charme des Ortes bei. Der Plan besteht nur aus roten Linien in einem Grundriss, es lassen sich weder Wandstärken noch Höhen von Gebäuden ablesen. Auch Ansichten, Aufbauten oder Schnitte fehlen, sodass Architekten, Historiker und Handwerker historische Vorbilder nutzen müssen, um den Campus nachzubauen.

 

Wie wird hier gearbeitet?

Auf den Campus arbeiten rund 50 Mitarbeiter, von denen die Hälfte Handwerker sind. Diese sind das ganze Jahr vor Ort, gekleidet wie im Mittelalter, und gehen ihrer Arbeit mit selbstgebauten Werkzeugen nach. Rohstoffe, Lebensmittel und alles, was möglich ist, wird direkt auf dem Grundstück produziert und gewonnen. Eisenerz zum Beispiel gibt es nicht und muss dazugekauft werden. Durch die wirklich 100% manuelle Arbeit dauert der Baufortschritt entsprechend lange. Das Ende der Baustelle ist noch nicht absehbar. Bisher wurden folgende Gebäude erstellt: Scheune, Hühnerstall, Holzkirche, Friedhof/Paradiesgarten, Schmiede, Töpferei, Drechslerei und Küferei, Steinmetzwerkstatt, Korbmacherei, Schindelmacherei, Kräutergarten, Gemüsegarten und natürlich ein Abbundplatz mit Holzwerkstatt. Die Klosterkirche wird erst zum Schluss gebaut, wenn alle Gebäude, die für den Betrieb eines Klosters notwendig sind, fertiggestellt wurden.

 

Was wird aktuell gebaut?

Dieses Jahr entsteht beim Abthof ein weiterer Teil der Mauern. Bei diesem steht schon der erste Meter der Mauern sowie der Dachstuhl. Bis die Mauern fertig sind, wird der Dachstuhl mit Holzstützen abgestützt.

 
Herausforderungen durch Arbeitssicherheit und Bauvorschriften

Auch auf einer mittelalterlichen Baustelle gelten Arbeitsrecht, Arbeitssicherheit und alle Bauvorschriften. So tragen alle Mitarbeiter Sicherheitsschuhe und je nach Arbeit Schutzmasken, Schutzbrillen, Handschuhe und so weiter. Da die Scheune ein Veranstaltungsort ist, müssen hier die Holzverbindungen mit Holzbauschrauben zusätzlich gesichert werden, auch Feuerlöscher und Fluchtwegschilder finden sich überall. Obwohl alle Konstruktionen deutlich überdimensioniert sind und teilweise wirklich massive Eichenbalken verwendet werden, muss die Statik sichergestellt sein und je nachdem ein Gutachten erstellt werden. So wird auch klar, warum im Abthaus nur der Anfang der Mauer steht, aber das Dach schon fertig ist. Die Mauer wird mit einem Kalkzement gebaut, der sehr lange zum Abbinden braucht, für diesen gibt kein geprüftes Datenblatt, wo abzulesen ist, welche genauen Eigenschaften dieser hat. Deswegen wird immer nur Stück für Stück gemauert und dann eine Probe entnommen, bevor weiter gemauert wird. Das heißt für die Klosterbaustelle müssen auch Baugenehmigungen und Gutachten eingeholt werden wie auf jeder anderen Baustelle auch.

 

Welche Bautechniken werden angewendet?

Die meisten Gebäude werden so, wie wir Zimmerer es mögen, aus Holz gebaut und aufgerichtet. Allerdings werden dafür erst Bäume vor Ort gefällt, Balken geschlagen und dann die Konstruktion abgebunden und aufgerichtet, mit purer Muskelkraft, ohne Abbundanlage, Kreissäge oder Kran! Die Pfosten der Scheune sind zum Beispiel massive Eichenstämme, die einen Meter im Boden vergraben wurden. Bei anderen Gebäuden wurden Eichenstämme in den Boden gegraben, um diese als Fundament zu nutzen. Eisen Nägel finden keine Verwendung, die Holznägel werden selbst hergestellt und zusätzlich zu traditionellen Holzverbindungen verbaut. Wenn die Gebäude nicht auf Stelzen stehen, haben sie einen ca. 30 cm hohen Sockel, der aus gefundenen Steinen von der Baustelle gemauert wird. Die Gefache sind mit Weidegeflechten ausgefüllt und werden mit Lehm verschlossen und einem Kalkputz versehen. Die Dächer sind entweder mit Stroh von den Feldern oder mit Fichtenschindeln eingedeckt.

 

Besuch oder Mitarbeiten?

Beides lohnt sich! Entweder ihr geht auf einen Besuch vorbei, vielleicht mit eurer Berufsschulklasse, dem Betrieb, Handwerkerfreunden oder auch der Familie. Für alle ist etwas dabei! Bringt Zeit mit, das Gelände ist groß und spannend.

Immer wieder helfen Berufsschulklassen auf der Baustelle mit, aber auch Zimmerer oder Handwerker auf der Walz finden hier Arbeit. Für alle, die sonst Interesse haben, können ein FSJ machen oder eventuell in den Ferien mitarbeiten, also einfach jeder der Lust hat.

Das Campus Galli ist einer der wenigen Orte der Welt, wo Handwerk in seiner ursprünglichsten Form gelebt wird und für alle zugänglich ist!

Hier gehts zur Webseite: https://www.campus-galli.de/

 

Titelbild: Campus Galli

Bild 1: St. Gallener Klosterplan (Campus Galli)

Bild 2: Zimmerer beim Aufrichten (Campus Galli)

Bild 3: Schweinestall (Philip Bucher)

Bild 4: Dachdeckerarbeiten (Campus Galli)

Bild 5: Holzkirche (Philip Bucher)

Bild 6: Holzverbindung (Philip Bucher)

Bild 7: Glockenturm (Philip Bucher)

Bild 8: Holzkirche (Philip Bucher)

Bild 9: Bauhütte Steinmetz (Philip Bucher)

Bild 10: Scheune (Philip Bucher)


 

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6 Kommentare
Simi
05.06.2024
Hut ab!! Und mega cooles Projekt. 
Matejo Wagner
27.05.2024
Des sieht einfach geil aus   
Lukas Schuth
23.05.2024
Ich war letztes Jahr eine Woche mit der Berufsschule dort, wirklich sehr interessant. Wir haben unterwandertem die fusspfette bei dem abthaus gestellt und den Hühnerstall abgebunden. Ein weiterer Besuch wird mit Sicherheit kommen. 
Benni
23.05.2024
Wir haben den Campus Galli im Rahmen eines Betriebsausflugs vor gut 3 Wochen besucht. Eine tolle Erfahrung, ein Erlebnis und vorallem - eine Zeitreise in eine lang vergangene Welt. Super spannend zu sehen, wie die Leute dort ihrer Arbeit nachgehen, mit welcher Passion und Engagement gearbeitet und gewerkelt wird. Es ist einfach toll anzusehen. Wird wohl in ein paar Jahren wieder ein Besuch notwendig sein, um den Fortschritt hautnah zu erleben. Einer unserer Kollegen hat dort ebenfalls für den Zimmerer f. Restaurierungsarbeiten an der Latrine mit gearbeitet und konnte uns vor Ort ein paar persönliche Einblicke geben.
Rene Zientek
20.05.2024
Campus Galli ist sehr zu empfehlen! Wir haben 2023 im Zimmerer für Restaurierungsarbeiten-Kurs die Latrine für den Absthof angefangen zu behauen und abzubinden
Florian Klapka
18.05.2024
Da muss ich unbedingt mal hin
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