Fachthemen
Naturdorf Bärnau
08.05.2024

BALKENBEHAUEN

Martin Koudele, Handwerksmeister im Geschichtspark Bärnau-Tachov, stellt Techniken der traditionellen Herstellung von Balken vor.
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Eine Variante des folgenden Textes mit zugeordneten & bearbeiteten Bildern im PDF-Format findet Ihr auf der Webseite des Geschichtsparks Bärnau-Tachov.

 

VORWORT
Die Herstellung von Balken durch Hauen aus Stämmen ist in primitiver Form seit dem Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. historisch belegt. Die Technologie erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert, als die Raffinesse der benötigten Werkzeuge es relativ einfach und schnell machte, gerade und sauber bearbeitete Balken herzustellen.

Im frühen Mittelalter wurde die Bartaxt zum Hauen verwendet. Beim Arbeiten mit einer Bartaxt liegt der zu bearbeitende Stamm auf niedrigen Unterlagen auf dem Boden. Später entwickelte sich aus der Bartaxt das Breitbeil. Beim Arbeiten mit dem Breitbeil wird der Stamm auf Böcke gelegt. Noch im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts waren die meisten Dachstühle (vor allem auf dem Lande) aus behauenem Material. Nach Abschluss der ländlichen Elektrifizierung in den 1940er Jahren wurde die mühsame Handarbeit schnell durch maschinelles Schneiden ersetzt.

 

BENÖTIGTE WERKZEUGE

Zimmermannsböcke
Bei den traditionellen Zimmermannsböcken gibt es grundsätzlich zwei Arten. Der erste besteht aus einem gespaltenen Stamm oder Balken, in den die Beine eingesetzt werden. An der Rückseite sind konische Löcher gebohrt und die Beine oben mit einem konischen Stift versehen. Der zweite Typ hat einen Rücken, der in der Regel aus einem Balken mit konvergierendem Querschnitt besteht, in dessen Seiten die Beine mit Hilfe von Schwalbenschwanz eingepasst werden. Der Balken der Böcke, besonders die, die zum Hauen von Balken verwendet werden, sollten aus Hartholz sein, da ihre Lebensdauer um ein Vielfaches länger ist. 

Klammern
werden verwendet, um den zu bearbeitenden Stamm an den Böcken zu befestigen. Im Gegensatz zu den Klammern, die zur Sicherung von Verbindungen verwendet werden, haben sie keine scharfen Spitzen. Ihre Enden sind gerade und um 90° gedreht, sodass sie zwischen den Fasern in das Werkstück und die Rückseite des Bocks getrieben werden.
  
Senklot
Ein sehr einfaches Instrument, welches aus einem tropfenförmigen Gewicht besteht, das an eine Schnur gebunden ist. Es wird verwendet, um die Vertikalität zu bestimmen.

Winkel
Ein einfaches Werkzeug (eigentlich eine Schablone) zur Bestimmung des rechten Winkels. Sie besteht aus zwei Holzlatten, die zu einem 90°-Winkel zusammengefügt werden.

Schlagschnur
Ein Werkzeug zum Anzeichnen von geraden Hilfslinien auf den zu bearbeitenden Holzstücken bei der Herstellung von Balken, Dielen oder deren Verbindungen. Es besteht aus einem Holzrahmen, der sich auf einem Griff dreht, mit dem die Schnur aufgewickelt wird. Die Schnur wird beim Abwickeln mit Farbe getränkt, danach wird sie vorsichtig über den Ort der gewünschten Linie gespannt. Durch leichtes Anheben und anschließendes Loslassen markiert die Schnur eine gerade Linie auf dem zu bearbeitenden Teil. In der Vergangenheit wurden meist zerkleinerte und in Wasser gelöste Holzkohlestücke oder Farbstoff aus Ziegelstein verwendet.

Das Ziehmesser 
ist ca. 40cm lang und hat eine in zwei Richtungen gebogene Klinge. In der Zimmerei wird das Ziehmesser zum Entrinden von Holzstämmen und zum feinen Ausformen von Balken und Verbindungen eingesetzt.

Bundaxt
Axt mit beidseitig symmetrischer 5-7cm breit Klinge. Es wird zum Kerben und zum groben Entfernen vom Holz zwischen den Kerben beim Behauen verwendet.
 
Breitbeil
Beil, das nur zum Besäumen eines grobbehauenen Balkens bestimmt ist. Das Breitbeil hat eine sehr lange, einseitig geschliffene Bogenklinge (über 30 cm), der Stiel ist einseitig gebogen, je nachdem, ob der Benutzer Rechts- oder Linkshänder ist.

 
AUSWAHL DES RUNDESHOLZES

Für die Herstellung von Balken wählen wir einen Stamm, dessen Durchmesser den Abmessungen des zu behauenden Balkens entspricht. Außerdem sollte der Stamm nicht zu dick sein, da sonst sehr viel Material weggenommen werden muss. Der Stamm sollte so gerade wie möglich sein und wenige Äste aufweisen.


AUSMESSEN DES BALKENS

Bevor wir mit dem Zeichnen des Profils beginnen, müssen wir den zu bearbeitenden Stamm so hinlegen, dass seine Hauptunebenheit nach unten zeigt (Þ Buckel nach unten), der Stamm sitzt dann beim Behauen besser auf den Böcken (Þ der Schwerpunkt ist niedrig). Danach fixieren wir den Stamm in dieser Position mit Klammern.
 
Markieren Sie auf beiden Seiten des Stammes mit einem Lot eine senkrechte Linie durch die Mitte des Stammes.
   
Markieren Sie dann mit Hilfe eines Winkelmessers auf beiden Seiten eine horizontale Achse, die wiederum durch die Mitte geht (anstelle von Lot und Winkelmesser können Sie auch eine Wasserwaage verwenden). 

Zeichnen Sie das Profil des zukünftigen Balkens auf das Achsenkreuz.
    
Verlängern Sie die Linien, die die Kanten des Balkens markieren, bis zur Kante des Stammes und verbinden Sie die entsprechenden Punkte auf den beiden Seiten des Stammes mit Hilfe einer Schlagschnur. Dadurch erhalten wir die Linien, an denen wir hauen können.

Bevor Sie die Linien zeichnen, empfiehlt es sich, die Rinde an der Stelle der Linie zur besseren Sichtbarkeit abzuziehen.
  

ARBEITSSCHRITTE BEIM BEHAUEN

Das Behauen besteht aus drei aufeinanderfolgenden Schritten:

1.    Einkerben
Die senkrechten Kerben werden mit den Bundäxten im Abstand von etwa 40 cm in die Stämme eingehauen, maximal bis 0,5 cm vor der geschlagenen Linie, die die Seite des zukünftigen Balkens markiert.

2.   Grobes Behauen
Beim groben Behauen wird übriges Holz zwischen den Kerben grob entfernt (wieder mit den Bundäxten). Man behaut die Fläche bis 3-5 mm vor der Linie.

3.   Glätten
Das ist der letzte Schritt, bei dem die ganze zu bearbeitende Fläche bis zur markierten Linie sauber behauen wird. Wenn beiden senkrechte Fläche fertig gemacht sind, wird der Balken um 90 Grad gedreht. Dort werden die Arbeitsschritte wiederholt, bis alle Seiten bearbeitet sind.

Während der Arbeit ist es empfehlenswert, die Senkrechte der Seiten regelmäßig entweder mit der Wasserwage oder dem Lot zu kontrollieren.

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5 Kommentare
Tristan Gladisch
21.05.2024
Super das so alte Tradition und Kniffe in unserem Job nicht einfach verlorenen gehe . Und Respekt an die Leute die sich die Arbeiten machen diese aufrecht zu erhalten auch ich als junger geselle Versuche immer wieder solch doll Techniken mich anzunehmen und noch viel von den alten zu lernen 
Stoffel
13.05.2024
Ich habe letztes Jahr bei Martin den kurs besucht und es war echt top. Er beherrscht sein Handwerk sehr gut und neben den Balkenbehauen zeigte er mir auch noch ein paar sehr Interessante Verbindungen in der dekmalpflege. Man könnte hier noch so viel lobenswertes an Martin und den Dorf erwähnen  Am besten selbst herrausfinden.
Steffen
11.05.2024
Klasse👍
Naturdorf Bärnau
10.05.2024
Hallo Steffen,   Martin arbeitet bei uns im Geschichtspark im Projekt "Altes Handwerk neu gelernt im bayerisch-tschechischen Grenzraum". Dort werden auf einer Schaubaustelle (ähnlich Guidelon oder Campus Galli) die Balken von Hand behauen, um historisch korrekt zu arbeiten. Dieser Beitrag dokumentiert Ergebnisse dieses Teils unserer experimentell-archäologischen Arbeit.   Wenn Du einen Ausflug nach Bärnau planst und Du Dich für historisches Handwerk interessierst, sind wahrscheinlich folgende Termine für Dich interessant, da gibt's nämlich was zu sehen bzw. zu tun:  20.05.     Grundkurs historisches Handwerk, Baustellentag & Fokus Handwerk "Mauern mit Natursteinen" 07.07.     Baustellentag & Fokus Handwerk 27.07.     Baustellentag & Fokus Handwerk 18.08.     Kurs Balkenbehauen, Baustellentag & Fokus Handwerk 08.09.     Baustellentag & Fokus Handwerk, außerdem Kinder- & Familientag 04.10.     Baustellentag & Fokus Handwerk, außerdem lange Museumsnacht und am nächsten Tag Historische MarkttageMehr Infos findest Du hier auf der Webseite des Geschichtsparks. Kurse, die das Wissen der Burgbaustelle in aktuelle Anwendung, z.B. für Denkmalpflege & Restaurierung bringen, bietet das Naturdorf Bärnau an, das ein Zweckbetrieb des Trägervereins des Geschichtsparks ist. Unsere Kurstermine etc. stehen unter https://naturdorfbaernau.de.
Steffen
09.05.2024
Klasse Beitrag ! Und auf alle Fälle ein neues Ausflugsziel auf meiner Liste, welches es mit der Familie zu besuchen gilt. Arbeitest du da als Restaurator ?
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