Meisterschüler und Berufsschüler bauen Fachwerk-Pavillon in traditioneller Machart
Die Gartenschau Balingen ist im letzten Herbst nach fünf Monaten zu Ende gegangen. Doch ein Gebäude wird nun weitergenutzt: Der Fachwerk-Pavillon, in dem sich der regionale Trachtenverein im Rahmen eines Handwerkermarktes präsentierte, soll in Weilstetten wieder aufgebaut werden – als Teil der dortigen Skateanlage und Jugendtreffs.
Er entstand als Kooperation der Meisterklasse Zimmerer der Kerschensteinerschule in Reutlingen mit der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule (Berufsschule Zimmerer) in Balingen. Die Schulen planten, produzierten und stellten den Pavillon auf, die Gartenschau bezahlte das Material.
Hauptwerkzeug bei der Konstruktion war die SEMA Software, die üblicherweise im Meisterkurs der Zimmerer zum Einsatz kommt. Dabei planen die Meisterschüler mit SEMA ein Einfamilienhaus als Meisterstück: von der Baugesuchsplanung, über die Werkplanung bis hin zur Kostenkalkulation. Die Ausbildung dauert ein Jahr mit vier Unterrichtsstunden in der Woche. „Wir nutzen SEMA nun seit etwa zehn Jahren“, erläutert Daniel Lutz, Fachlehrer an der Kerschensteiner-Schule und Dozent für die SEMA Software. „Die Software ist für die Arbeiten, die für die Meisterschüler relevant sind, absolut perfekt, da sie die Anforderungen hervorragend bedient“, so Lutz. SEMA ist leicht zugänglich und zudem stark nachgefragt, da viele Betriebe damit arbeiten.
SEMA als Planungstool für den Fachwerk-Pavillon
Die Erstellung des Fachwerk-Pavillons für die Gartenschau war ein Projekt für den Meisterkurs, das von der Planung bis zur Fertigung an der CNC-Maschine alle Schritte abdecken sollte. Zunächst wurde das abschüssige Gelände mit dem 3D-Scanner aufgenommen. Daraus wurde dann eine Punktwolke mit allen für die Planung relevanten Eigenschaften erstellt und in SEMA importiert. „Das ist genial, wie das funktioniert“, so Lutz. „Durch die hochauflösende 3D-Darstellung wird eine viel genauere Planung und Ausführung möglich.“ In der Folge wurden Architektur, Holzbauteile und Verbindungsmittel bestimmt und der Pavillon maschinenfertig konstruiert. Die Teile wurden in einem einwöchigen Kurs an der Hundegger K2 Maschine am Kompetenzzentrum für Holzbau in Biberach abgebunden. Die Lagerung erfolgte in der Schule, der Aufbau im Frühjahr 2023.
Mit den Gartenschauverantwortlichen wurden Größe, Gestaltungsrichtung und Lage besprochen. Zunächst waren mehrere kleinere Häuser im Gespräch, doch die Wahl fiel schließlich auf die Kubatur des Gewinnerentwurfs: Eine Hälfte des Pavillons war offen als Ausstellungsfläche, der andere abschließbar als Lagerbereich. 24 angehende Meister hatten ihre Planungen als dreidimensionale CAD-Konstruktion und CAD-Werkplanung teilweise ebenfalls mit SEMA visualisiert. Der Siegerentwurf beinhaltete traditionelle Fachwerkfiguren, regionale Symbole wie das schwäbisches Männle und Weible sowie ein Fünferkreuz. Der Pavillon ist drei Meter hoch, L-förmig mit einer Schenkellänge von je 7,5 Metern.
Nach der Gartenschau wurde das Meisterstück abgebaut und eingelagert, die Weiternutzung des Pavillons durch Vereine oder Sportstätten war aber von Anfang an angedacht. Dies erforderte allerdings Anpassungen, denn ursprünglich war er als temporäres Gebäude geplant. Der Gratsparren war zunächst unterdimensioniert und musste für den dauerhaften Gebrauch im Dach nachgearbeitet werden. Für den angedachten Standort im Skatepark sind darüber hinaus ein Fundament und eine Bodenplatte erforderlich.
Fachlehrer Daniel Lutz freut sich über die Weiternutzung des Pavillons: „Für die Meisterschüler ist es eine schöne Bestätigung und ein großes Kompliment, den Pavillon der Gartenschau bald in einer realen Umgebung sehen zu können. Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeit.“ Und wer weiß? Vielleicht wird der Pavillon neben Zehntscheuer und Rosengarten ja zu einer neuen Attraktion der Stadt.
Autorin: Nadja Müller, Fachjournalistin IT und Software
Weitere Informationen: www.sema-soft.de



















