Neubau einer Produktionshalle im Holzrahmenbau
Pfleiderer im Gespräch mit Herrn Wissing
Pfleiderer: Herr Wissing, wäre es nicht viel einfacher, die Produktionshalle mit Fertigelementen aus Stahl zu bauen?
Alexander Wissing: Das kam für unseren Betrieb überhaupt nicht in Frage. Und ob es am Ende wirklich einfacher ist, wage ich auch zu bezweifeln. Unser Zimmergeschäft wurde 1886 hier am Ort gegründet, 1948 kam mein Großvater nach den Kriegswirren in den Betrieb zurück und übernahm leitend das Sägewerk – bis der Gesamtbetrieb der drei Brüder 1987 stillgelegt wurde. Mich hat das Thema aber immer fasziniert, sodass ich 2004 im Nebenerwerb wieder mit einem mobilen Sägewerk begonnen habe, mit Unterstützung meines Großvaters in der alten Sägehalle. Im Jahr 2009 – mit dem Erlangen des Meistertitels – habe ich das Zimmergeschäft & Sägewerk Wissing wieder als GmbH „neu“ gegründet. Mit klarem Fokus auf Holzbau in Holzrahmenbauweise. Schon 2012 haben wir auf diese Weise unser Büro- und Ausstellungsgebäude errichtet. Seit 2014 gehören wir der Vereinigung ZimmerMeisterHaus an, einem Zusammenschluss von rund 100 regional selbstständig agierenden Holzbau- Manufakturen. Im Jahr 2016 kam der Neubau eines Plattenlagers hinzu, 2018 konnten wir zwei angrenzende Grundstücke erwerben, auf denen jetzt die Halle entstanden ist. Mittlerweile haben wir 15 Mitarbeiter beschäftigt und schauen zuversichtlich voraus.
Pfleiderer: Ganz schöne Erfolgsgeschichte! Was ist Ihre Strategie?
Alexander Wissing: Wir haben das Thema Holzbau bei uns schon sehr weit optimiert – und können dank präziser Planung und hoher Fertigungsqualität unsere Projekte in der Regel exakt so umsetzen, wie unsere Kunden sie beauftragt haben. Unsere neue Produktionshalle ist dafür das beste Anschauungsobjekt. Hier können wir unseren Bauherren die Bauweise erläutern und quasi am lebenden Objekt zeigen, wie gut das Ergebnis aussehen wird.
Pfleiderer: Ihr Fokus liegt aber auf klassischen Einfamilienhäusern, oder?
Alexander Wissing: Wir entwickeln und gestalten Wohn- und Unternehmensräume sowie Nutzflächen – im Neubau und durch Erweiterung, Umbau oder Sanierung. Das umfasst neben Wohnhäusern auch Gewerbeobjekte, z. B. Hallen für ortsansässige Winzer oder auch mal eine Kindertagesstätte in der Region. Gerade wenn es um Wohngesundheit und Energieeffizienz geht, ist Holzbau schwer zu schlagen. Wir haben dazu einen Wandaufbau entwickelt, mit dem wir bauphysikalische Anforderungen, schnelle Produktionszeiten und Wirtschaftlichkeit perfekt in Einklang bringen: Als Innenbeplankung kommt die LivingBoard face contiprotect P5 in 15 mm Stärke zum Einsatz, die auf einem Ständerwerk mit 20 bzw. 24 cm Stärke montiert wird. In der Vergangenheit haben hier auf OSB3 gesetzt, aber die höheren Anforderungen an Wohngesundheit bei öffentlichen Ausschreibungen – z. B. bei der eben genannten Kindertagesstätte – haben uns zur 100 % formaldehydfrei verleimten LivingBoard gebracht. Mit der Cradle-to-cradle-Silver-Zertifizierung und dem Blauen Engel erfüllen wir selbst anspruchsvollste Auflagen. Außerdem ist die Verarbeitungsfähigkeit für uns optimal. Nach außen hin wir die Wandkonstruktion durch eine vorverputzte Holzfaser-Dämmplatte mit 60 mm Stärke abgeschlossen, die bereits mit dem benötigten Armierungsgewebe ausgerüstet ist. Dazwischen setzen wir eine Einblasdämmung von Isocell ein. So erreichen wir mit nachhaltigen Werkstoffen hervorragende Wärmedämmwerte, gute Schalldämmung und einen diffusionsoffenen, feuchtigkeitsregulierenden Wandaufbau.
Pfleiderer: Neben der LivingBoard setzen Sie außerdem StyleBoard MDF.RWH ein, richtig?
Alexander Wissing: Ja, als Unterdeckung im Dach und auch als Teil der Außenwandkonstruktion, wenn unsere Kunden eine vorgehängte hinterlüftete Fassade wünschen. Hierfür eignet sich StyleBoard MDF.RWH als diffusionsoffene Platte optimal. Wir planen circa zwei Drittel unsere Einfamilienhäuser mit dieser sehr attraktiven Fassadenkonstruktion. In der Praxis setzen wir es dann in ungefähr der Hälfte aller Häuser um, weil die Kosten vielen Bauherren letztlich doch zu hoch sind. Häufig werden aber einzelne Teilbereiche, zum Beispiel um den Eingang herum, entsprechend ausgeführt.
Pfleiderer: Das heißt es werden weiterhin einige Arbeiten an der Baustelle erledigt – aber auch jede Menge Vorfertigung im Betrieb. Ist die neue Halle denn schon in Betrieb?
Alexander Wissing: Seit Juli 2023 wird sie als Lagerfläche genutzt, im Winter, wenn die Auftragslage es zulässt, erfolgt der Umzug der Maschinen. Die Halle wird übrigens über per Betonkernaktivierung über eine Hackschnitzelheizung mit Wärme versorgt. Die Heizung nutzen wir bereits seit ein paar Jahren wie ein kleines Fernwärmenetz, um Wohnhäuser und Büro auf dem Gelände zu beheizen. Beim Bau war bereits klar, dass die Halle eines Tages dazukommen würde, daher haben wir die Heizung entsprechend größer dimensioniert. Das heißt auch in diesem Punkt treten wir den Beweis für systematische, energieeffiziente Bauweise an!
Pfleiderer: Herr Wissing, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Infobox:
Objekt: Neubau Produktionshalle
Ausführung: Zimmergeschäft & Sägewerk Wissing GmbH
Obere Hauptstr. 37
76889 Kapellen-Drusweiler
Eingesetzte Produkte:
LivingBoard Face Contiprotect P5
StyleBoard MDF.RWH
Einsatzbereiche:
Dach & Beplankung
Holzrahmenbauwände
Fertigstellung: Sommer 2023
Bildquelle: © Zimmergeschäft & Sägewerk Wissing GmbH





















