Als Zimmerer nach Japan
Wer bin ich überhaupt?
Ich heiße Jannis, bin 21 Jahre alt und komme aus Ravensburg im schönen Süden von Deutschland
Warum Japan?
Japan stand im anfangs nicht an erster Stelle meiner "must-see Liste", doch auf den zweiten Blick ist Japan ein Paradies für traditionsbewusste Zimmerer.
Wer an Japan denkt, denkt wahrscheinlich eher erstmal an Megacitys wie Tokyo und Osaka, an Sushi und Shinkansen, doch vermutlich nicht an die uralte Holzbaukunst der Japaner.
Japans Holzbaukunst hat sich über Jahrhunderte entwickelt und wurde sogar durch die UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Repräsentativ für die gesamte japanische Holzbautradition steht der Tempel Hōryūji welcher gleichzeitig das älteste Holzgebäude der Welt ist und das, man bedenke, obwohl Japan in eine der seismisch aktivsten Regionen der Welt liegt.
Wie kam es eigentlich dazu?
Schon früh stand für mich fest, dass ich nach meiner Ausbildung unbedingt noch die Welt sehen möchte. Von Anfang an war aber klar, dass ich reisen und nicht Urlaub machen möchte, denn Reisen bedeutet für mich in erster Linie neue Kulturen, neue Techniken kennenzulernen und vor allem neue Erfahrungen zu sammeln. Deshalb kam ich auf die Idee, das Reisen mit Arbeiten zu verbinden. Logischerweise folgte relativ schnell der Gedanke: "Na dann gehst du wohl am besten auf die Walz!". >Der ein oder andere wird beim nächsten Satz wohl den Kopf schütteln<. Nach vielen Gesprächen und Überlegungen hab ich für mich entschieden, dass die Walz nichts für mich ist, ich aber auf das Reisen und Arbeiten nicht verzichten möchte. Daraufhin ging es ans Lösungen finden. Im Internet und auf Instagram waren schnell einige Kontakte ausgemacht, welche kurzerhand angeschrieben wurden. Bei vielen kam nichts zurück, was mich zeitweise an meinem Plan zweifeln ließ. Doch eines Abends fand ich dann glücklicherweise die Seite www.chikyunokai.com, die den Austausch zwischen europäischen und japanischen Zimmerern fördert. Keinen Tag später meldete sich dann Noriaki, meine deutsche Kontaktperson, bei mir. Den Rest könnt ihr euch ja denken...
...und wie ging es dann weiter?
Der Kontaktaufbau verlief absolut unkompliziert über Noriaki. Nachdem ich meinen Lebenslauf als Bewerbung geschickt hatte, wurde eine passende Zimmerei für mich gefunden. Ich darf die nächsten zwei Monate bei der Firma Oono Kensetsu (www.oono-jyutaku.com) arbeiten. Sobald man einen Betrieb gefunden hat, kann man mit der restlichen Orga anfangen. Diese ist allerdings nicht zu unterschätzen. Auslandskrankenversicherung, Rentenversicherung, Flug und Visum wollen organisiert werden. Ich habe ein Work&Holiday Visum beantragt, dies ist relativ unkompliziert zu bekommen. Wenn man das dann alles hat, kann man sich auf die Zeit in Japan freuen und diesen Blogbeitrag schreiben :)
Gibt es Besonderheiten?
JA, um mal eine herauszugreifen: In Japan gibt es kein anerkanntes Ausbildungssystem für Zimmerer. Es wird nach dem Prinzip learning by doing Erfahrung gesammelt. Deshalb fällt auch der Lohn verhältnismäßig gering aus, da wir dort als Berufsanfänger gelten. Das große Geld muss man also nicht erwarten, aber deshalb macht man so eine Reise auch nicht!
Fazit
Alles in allem wir es sicher eine spannende und lehrreiche Zeit.
Klar wird die erste Zeit nicht ohne, so ganz allein im Großstadtgetümmel von Tokyo in einer fremden Kultur und fremder Sprache, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Am 15.04 geht’s endlich los! Bei Oono fange ich dann am 22.04 an.
Wer sich für meine Reise und auch die Stationen danach interessiert, darf mir gerne auf Instagram zimmerer.auf.reisen folgen. Der Account dient als Reisetagebuch, auf dem ich Schnappschüsse und den ein oder anderen Reisebericht hochladen werde.
Ich hoffe euch hat die Vorstellung meiner Reise gefallen. Vielleicht habe ich ja den ein oder anderen auf den Geschmack gebracht, doch das Thema Auslandserfahrung mal anzugehen.
Zünftige Grüße
Jannis
P.S. Ich würde gerne über den Winter noch eine Station in Afrika oder Südamerika machen. Falls jemand für mich einen Kontakt hat, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme freuen.
